Bundesverband Geriatrie

Neue Qualitätsmaßstäbe in der Versorgungslandschaft

 

  • Mitgliedseinrichtungen führen permanente „Aufnahmeprüfungen“ ein
  • Mit flächendeckender und fachgerechter Versorgung Herausforderungen einer zunehmend alternden Gesellschaft meistern

 

Berlin (21. Januar 2015) – Gestärkt durch die Beschlüsse der im vergangenen Dezember stattgefundenen Mitgliederversammlung sowie weitere Neuaufnahmen stellt sich der Bundesverband Geriatrie e.V. im neuen Jahr den weiter wachsenden Herausforderungen. „Auch 2015 ist es unser Anliegen, eine flächendeckende, fachgerechte altersmedizinische Versorgung sicherzustellen“, erklärte Ansgar Veer, Vorstandsvorsitzender des Verbands. „Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird die Geriatrie als ein zentrales Element bei der medizinischen Versorgung älterer Menschen weiter an Bedeutung gewinnen.“ So würden die Patientenzahlen in den Mitgliedseinrichtungen des Verbands bereits seit Jahren kontinuierlich steigen.


Der Vorstandsvorsitzende betonte in diesem Zusammenhang, dass der fachgerechten geriatrischen Versorgung eine besondere Bedeutung bei der Vermeidung von Pflegebedürftigkeit zukomme. „Dies wird im begonnenen Jahr eines der Kernthemen der gesamtgesellschaftlichen Debatte sein. Mit einer altersmedizinischen Versorgung nach hohen Qualitätskriterien, wie sie unsere Mitglieder anbieten, wird der auch gesetzlich gesetzlich verankerte Grundsatz ‚Reha vor Pflege‘ konsequent umgesetzt“, so Ansgar Veer.

 

2015 sei auch aus gesundheitspolitischer Sicht ein besonderes Jahr für die Geriatrie, erklärte der Geschäftsführer des Verbands, Dirk van den Heuvel. Er verwies darauf, dass die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform kurz vor dem Jahreswechsel ihr Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des klinischen Sektors vorgelegt habe, in dem zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Entwicklung der geriatrischen Versorgung enthalten seien. Zugleich warnte van den Heuvel, dass die Finanzsituation in Teilen des geriatrischen Rehabereichs nach wie vor sehr kritisch sei. Während beispielsweise die Betriebskosten beständig gestiegen seien, wurden die Vergütungssätze nicht oder nur äußerst gering erhöht. Einzelne Einrichtungen hätten bereits seit etwa acht Jahren keine Erhöhung der Vergütung erhalten. Die grundsätzlich zu begrüßende Einführung der Schiedsstellen im Rehabilitationsbereich habe noch keine entscheidende Veränderung gebracht. „Inzwischen sind die Reserven ebenso aufgebraucht wie die Sparpotenziale“, so der Geschäftsführer. Der Verband fordert daher von Kostenträgern und der Politik, schnell dauerhaft tragfähige Lösungen zu finden.

 

Auf seinem Jahreskongress hatten die rund 270 Vertreter der Mitgliedseinrichtungen des Verbandes weitreichende Beschlüsse zur politischen Positionierung sowie insbesondere zur Qualitätssicherung in der Geriatrie getroffen. So wurden mit einer Qualitätsüberprüfung der Einrichtungen während ihrer Mitgliedschaft neue, für das gesamte Krankenhaussystem beispielhafte Maßstäbe für die Sicherung einer hohen Versorgungsqualität eingeführt. Dazu werden  jährlich über ein Losverfahren Mitgliedseinrichtungen bestimmt, die wie „Neuaufnahmen“ vor Ort überprüft werden. Im Falle der Nichteinhaltung der Qualitätsvorgaben kann unter Umständen der Ausschluss aus dem Verband erfolgen. „Ein solch kompromissloses Bekenntnis zur Qualität und eine so konsequente Umsetzung dieses Gedankens sind in der deutschen Versorgungslandschaft nahezu einmalig“, betonte Ansgar Veer. „Damit nimmt der Bundesverband eine klare Vorreiterrolle ein und ergänzt die bereits existierenden Qualitätssicherungsinstrumente in der Geriatrie – wie das Qualitätssiegel Geriatrie, das Qualitätsnetzwerk Geriatrie und das erst seit einigen Monaten existierende Zertifikat für Alterstraumatologische Zentren (atz) – um einen weiteren Baustein.“

 

Die Alterstraumatologischen Zentren gehören zu jenen innovativen Projekten, mit denen der Bundesverband in den vergangenen Jahren auf steigende Anforderungen in der Geriatrie reagierte. In diesen Zentren arbeiten geriatrisch ausgebildete Fachärzte und Unfallchirurgen eng zusammen; es wird nicht nur die Versorgung akuter Verletzungen durchgeführt, sondern dabei werden alterstypische Erkrankungen beachtet und entsprechend behandelt. Die ersten dieser atz sind inzwischen zertifiziert, weitere Verfahren laufen. „Wir sind uns sicher, dass mit diesen Zentren ein weiterer großer Schritt gegangen wird, um spezifische altersbedingte Risiken zu berücksichtigen und eine optimale Versorgung älterer Unfallpatienten zu gewährleisten“, so Verbandsvorstand Ansgar Veer.

 

 

 

Der Bundesverband Geriatrie ist ein Verband von Klinikträgern die rund 320 geriatrische Kliniken bzw. Einrichtungen betreiben und über ca. 22.000 Betten/Rehaplätze verfügen. So sind unter anderem fast alle größeren Klinikverbünde und -konzerne mit ihren geriatrischen

Einrichtungen Mitglieder des Bundesverbandes.

 

Geriatrie, oder auch Altersmedizin, befasst sich mit den speziellen Erkrankungen oder Unfallfolgen älterer Menschen. Das Besondere an dieser Patientengruppe ist, dass ältere Menschen zumeist mehrfach krank (multimorbid) sind. Die geriatrischen Kliniken bieten, hierauf abgestimmt, multidimensionale geriatrische Therapien. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der sich auf psychische, funktionelle, soziale und ökonomische Belange erstreckt. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der älteren Menschen zu erhalten, bzw. soweit wie möglich wieder herzustellen.

 

Neben der Interessenwahrnehmung als politischer Verband sieht der Bundesverband Geriatrie e.V. seine besondere Aufgabe in der Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der Versorgung. Dazu wurde frühzeitig ein Daten- und Vergleichssystem mit Namen GEMIDAS aufgebaut und zu Gemidas Pro weiterentwickelt sowie die Erfahrungen für die Entwicklung eines eigenen Qualitätssiegels Geriatrie, welches von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle vergeben wird, genutzt. Finanziell trägt sich der Verband über die Beiträge seiner Mitglieder. Der Bundesverband ist daher auch aus finanzieller Sicht eine unabhängige Organisation.

 

 

Weitere Informationen

 

 


Quelle: Bundesverband Geriatrie e.V., 21.01.2015 (tB).

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