DDG kritisiert IQWiG-Bericht zu Lixisenatid

Es darf keinen Sonderweg für Deutschland in der Diabetesversorgung geben

 

Berlin (8. Juli 2013) – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) kritisiert den Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wonach für das Diabetesmedikament Lixisenatid keine ausreichenden Daten über einen therapeutischen Zusatznutzen bei Diabetes Typ 2 vorliegen. Eine entsprechende Stellungnahme hat die Fachgesellschaft heute beim IQWiG eingereicht.

 

Zahlreiche klinische Studien belegen, dass die Injektion von Lixisenatid gegenüber einer Sulfonylharnstoff-Behandlung mit weniger Unterzuckerungen und einer geringeren Gewichtszunahme verbunden ist. „Das ist für viele Diabetespatienten ein wichtiger Zusatznutzen“, erklärt DDG Präsident Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel. „Aus diesem Grunde übernehmen auch viele europäische Länder die Therapiekosten für stark übergewichtige Patienten.“ Deutschland wolle offenbar in der Versorgung der Diabetespatienten einen Sonderweg einschlagen, kritisiert der Diabetologe aus Heidelberg.

 

Wie im Falle anderer Diabetesmedikamente zuvor, hatte das IQWiG vor allem das Fehlen direkter Vergleichsstudien von Lixisenatid gegenüber den hierzulande von den Krankenkassen geforderten Sulfonylharnstoffen in Höchstdosierung bemängelt. Solche Studien würden die Patienten jedoch dem Risiko gefährlicher Unterzuckerungen aussetzen, so die DDG. „Das wäre ein ethisch fragwürdiges Vorgehen“, betont Erhard Siegel. Das IQWiG habe sich mit der vorliegenden Evidenz- und Studienlage zu Lixisenatid wissenschaftlich nicht auseinandergesetzt, sondern erneut rein formale Gründe angeführt.

 

Das Medikament Lixisenatid gehört zur Substanzklasse der Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten. Die GLP-1-Rezeptoragonisten haben in zahlreichen klinischen Studien bewiesen, dass sie Vorteile gegenüber einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen besitzen – es kommt zu weniger lebensbedrohlichen Unterzuckerungszuständen und einer begrüßenswerten Abnahme des Körpergewichts. „Bei vielen Menschen mit Diabetes Typ 2 konnte dadurch der Beginn einer Insulintherapie sogar auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG.

 

Aufgrund dieser positiven Wirkungen empfehlen die amerikanische und europäische Diabetesgesellschaft EASD und ADA in einem gemeinsamen Positionspapier, GLP-1-Rezeptoragonisten anstelle anderer Medikamente einzusetzen, wenn das Medikament Metformin den Blutzuckerspiegel nicht in gewünschtem Maße normalisiert und die Vermeidung von Unterzuckerungen sowie eine moderate Gewichtsreduktion zusätzliche Therapieziele sind.

 

Weil GLP-1-Rezeptoragonisten häufig auch das Körpergewicht senken, sind sie besonders für übergewichtige Diabetespatienten mit einem Body-Mass-Index über 30 geeignet. „Deshalb erstatten Kostenträger in verschiedenen Ländern eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten für diese Patientengruppe“, so Andreas Fritsche. „Es wäre vollkommen unverständlich, wenn ausgerechnet Deutschland anders verfahren und seinen Patienten diese Therapie vorenthalten würde.“

 

Die vollständige Stellungnahme der DDG finden Sie hier:

 


 

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft, 08.07.2013 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung