Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V.

DGF-Fachkrankenpflegestandard

 

Berlin (1. Juli 2009) – Patienten mit akuten, schwerwiegenden und/oder lebensbedrohlichen Erkrankungen benötigen im Verlauf ihrer stationären Krankenhausbehandlung zumindest temporär die Behandlung in Einheiten für Intensivtherapie. Diese Bereiche stellen im Gesamtbehandlungsprozess einen sensiblen und für die betroffenen Patienten verletzlichen Bereich dar. Die hierbei stattfindenden Patientenbetreuungs- und Behandlungsschritte zählen zu den komplexesten im Krankenhaus. Zur Wahrung umfassender Patientensicherheit stellt dies höchste Anforderungen an alle beteiligten Berufsgruppen. Die Festlegung eines qualitativen und quantitativen Fachkrankenpflegestandards(1) (kurz: Fachpflegestandard) in der interdisziplinären Patientenversorgung in Intensivstationen – und auch Anästhesie- und OP-Abteilungen – stellt eine entscheidende Bedingung zur Sicherung von Qualität und Fehlerprävention in diesen Bereichen dar.

 

Die Qualifikation der Fachkrankenpflegekraft besteht aus einer dreijährigen pflegerischen Ausbildung, spezifischer Berufserfahrung in den Fachbereichen und einer zweijährigen berufsbegleitenden Weiterbildung innerhalb der Fachbereiche. Dieser in der Regel siebenjährige Qualifikationsweg wird durch zwei Staatsexamen belegt.

 

In der pflegerischen Ausbildung werden die Grundlagen für eine eigenverantwortliche Patientenbetreuung entsprechend dem Pflegeprozess erlernt. Hierauf folgen die Zeiten der Berufspraxis in den spezifischen Bereichen, wie Anästhesieoder Intensivpflege, in welchen die Kenntnisse und Fähigkeiten vertieft werden können. Daran schließt sich die zweijährige Weiterbildung mit vertiefenden pflegerischen und medizinischen Inhalten an, die theoretisch und praktisch zum Expertenstatus entwickelt werden.

 

Der Fachpflegekraft sind definierte Tätigkeitsfelder im Intensivbehandlungsprozess zuordenbar, die sich auch im Bereich heilkundlicher Behandlung befinden. Delegationen auf ärztliche Anordnung im Einzelfall entsprechen heute nicht mehr den Erfordernissen interdisziplinärer Intensivtherapie im Sinne umfassender Patientensicherheit und -behandlung. Vielmehr stehen hierbei die gegenseitige Supervision und kontinuierliche Anleitung und Beratung innerhalb des intensivmedizinischen Teams im Mittelpunkt. Die Intensivbehandlungseinheit, als lernende Organisation, agiert erfahrungs- und qualifikationsgesteuert und kann dadurch optimal auf die Patientenbedürfnisse reagieren.

 

In Verbindung mit dem intensivmedizinischen Team ist die Fachpflegekraft befähigt, beispielsweise:

 

  • einen umfassenden Status des kritisch erkrankten Patienten zu erheben und darstellen, inklusive der Vervollständigung der klinischen Untersuchung und Anamneseerhebung
  • diagnostische und therapeutische Prozeduren durchführen oder anzufordern
  • Medikamentenapplikationen, Infusions- und Ernährungstherapien zu steuern und anpassen
  • z.B. invasive Gefäß- und Atemwegszugänge herzustellen, zu überwachen und -steuern
  • einen patientenadaptierten Akuttherapie- und pflegeplan zu erstellen und -entwickeln
  • Angehörige, Patienten und andere Teammitglieder Anzuleiten und zu Beraten
  • inner- und interklinische Transportbegleitungen kritisch Erkrankter verantwortlich durchzuführen

 

Die DGF fordert die Einhaltung des Fachpflegestandards in den spezialisierten Bereichen pflegerischer Patientenversorgung. Spezifisch bedeutet das die Einhaltung der Mindestquote von 70 % Fachkrankenpflegekräften (qualitative Forderung) in den Bereichen Anästhesie-, OP- und Intensivpflege. Dadurch kann gewährleistet werden, dass jedem kritisch oder akut erkrankten Patienten, zu jedem notwendigen Zeitpunkt eine Fachpflegekraft zur Verfügung stehen kann(2).

Folglich ist eine zahlenmäßige Begrenzung der pro Pflegekraft zu betreuenden Patienten in der täglichen Praxis unabdingbar (quantitative Forderung). Bei kritisch erkrankten Patienten wird eine Pflegekraft/Patienten-Quote von 1:1 gefordert(3).

Werbung

 

 

 

Anmerkungen

  1. Eine detaillierte Leseversion/Definition des Fachkrankenpflegestandards wird demnächst in den DGF-Organenveröffentlicht.
  2. Einhaltung des Fachpflegestandards bedeutet, dass die Betreuung der Patienten in der Anästhesie, OP- oder Intensivpflege entweder durch eine Fachpflegekraft durchgeführt wird oder diese zur Unterstützung und Supervision einer Pflegekraft zur Verfügung steht und bei Problemen/Fragestellungen jederzeit eingreifen kann (pflegend, beratend oder anleitend).
  3. Bei weniger kritisch Kranken, in so genannten Überwachungs- oder IMC-Einheiten höchstens 1:2.

 

DGF 

Die DGF ist die nationale Interessenvertretung der Fachkrankenpflege. Förderung der pflegerischen Aus-, Fort-, und Weiterbildung ist die Kernkompetenz der DGF. Eine zukunftsfähige und qualitätsorientierte Patientenversorgung stehen im Mittelpunkt aller Aktivitäten.

 

Die DGF vertritt die Fachkrankenpflege in berufspolitischer und fachlicher Hinsicht in der Gremien-, Beirats- und Ausschussarbeit. Schwerpunkt ist hierbei die Weiterentwicklung eigenständiger pflegerischer Kompetenzen der Fachkrankenpflege im Rahmen integrativer interdisziplinärer Versorgungskonzepte der stationären Therapie und Pflege. Der Fokus der DGF-Arbeit liegt in den hoch spezialisierten klinischen Bereichen der Intensivpflege, Onkologie, Anästhesie, OP-Pflege/Endoskopie, Nephrologie/Dialyse und Kardiologie.

 

Die DGF ist im Deutschen Pflegerat organisiert. International ist die DGF Mitglied in der IFNA und der EfCCNa.

 

 


 

Quelle: Vorstandsbeschluss Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e. V., DGF vom 01.07.2009.

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Typ-2-Diabetes: Vorteil mit Toujeo® in der Einstellphase – Geringeres Hypoglykämierisiko…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können

MULTIPLE SKLEROSE

Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit