Die B-Zelle im Fokus

Ocrelizumab – zielgerichtete Therapie gegen CD20-positive B-Zellen?

 

Düsseldorf (25. September 2015) – Aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge scheinen CD20-positive B-Zellen in der Pathogenese der Multiplen Sklerose (MS) eine wichtige Rolle zu spielen. Die zielgerichtete Therapie gegen CD20-positive B-Zellen könnte möglicherweise eine nach wie vor bestehende therapeutische Lücke schließen und einen neuen Therapieansatz bei MS eröffnen. Der humanisierte monoklonale Antikörper Ocrelizumab, der sich selektiv und gezielt gegen CD20-positive B-Zellen richtet, scheint Phase-II-Daten zufolge hoch wirksam und zugleich gut verträglich zu sein. „Die Phase-II-Daten1 sprechen dafür, dass Ocrelizumab signifikant die inflammatorische Krankheitsaktivität und die beeinträchtigenden klinischen Symptome, insbesondere Schübe sowie die neurologische Behinderungsprogression reduziert“, erläuterte PD Dr. Björn Tackenberg, leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie an der Philipps-Universität Marburg, bei einem Pressegespräch im Rahmen des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Erste Ergebnisse des umfassenden Phase-IIIStudienprogramms zeigen die Überlegenheit von Ocrelizumab sowohl im primären Endpunkt als auch in den bedeutendsten sekundären Endpunkten.


Trotz verfügbarer Therapien leiden viele Patienten mit Multipler Sklerose nach wie vor unter Symptomen, Krankheitsaktivität und einem Fortschreiten der Behinderung. Bei der Behandlung der MS besteht ein hoher Bedarf an Therapieoptionen, die hocheffektiv und zugleich gut verträglich sind. „In den letzten Jahren haben in diesem Zusammenhang Interesse und Erkenntnisse hinsichtlich der immunregulatorischen Funktionen von B-Zellen stark zugenommen“, berichtete Prof. Dr. Thomas Dörner, Leiter Klinische Hämostaseologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin.

 

 

Die B-Zelle als klinisch relevantes therapeutisches Target bei der MS

 

B-Zellen kommen bei allen Formen der MS im Zentralnervensystem (ZNS) vor und sind mit Entzündungen und Nervenschädigungen assoziiert.2,3 Man nimmt an, dass sie zur Schädigung des Myelins und der Axone sowie der daraus resultierenden Behinderung bei Patienten mit MS beitragen. Vor allem CD20-positive B-Zellen scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.3-5 Mittlerweile sind mehrere Wege bekannt, wie B-Zellen bei der Pathophysiologie der MS beteiligt sind: Durch die Präsentation eines spezifischen Autoantigens können autoreaktive B-Zellen im ZNS die T-Zellen zu einer proinflammatorischen Response aktivieren. 6,7 Zugleich können autoreaktive B-Zellen, die proinflammatorische Zytokine produzieren, zu überschießenden Antworten anderer Immunzellen oder zu einer reduzierten Regulationsfähigkeit anderer Immunantworten führen.8,9 Darüber hinaus können aktivierte B-Zellen zu Autoantikörper-produzierenden Plasmazellen heranreifen, die zu einer Gewebeschädigung beitragen können.5,10 Bei der MS können sich zudem in den Meningen Ansammlungen von B-Zellen, T-Zellen und follikulären dendritischen Zellen bilden, die als ektopische lymphoide follikelartige Strukturen bezeichnet werden. Diese zellulären Aggregate können mit einer Aktivierung der Mikroglia, lokalem entzündlichen Stress und neuronalen Verlusten im nahegelegenen Kortex verbunden sein.11,12

 

Bisher ging man davon aus, dass insbesondere die durch die klassischen Basistherapeutika beeinflussten T-Zellen signifikant zu den Entzündungsreaktionen bei der MS beitragen. Eine Anti-CD20-B-Zell-Therapie dämpft jedoch auch die durch inflammatorische T-Lymphozyten vermittelte Immunantwort und verringert die Anzahl inflammatorischer Th1-, Th2- und Th17-Lymphozyten.13,14 Darüber hinaus vergrößert eine Anti-CD20-B-Zell-Therapie die Anzahl antiinflammatorischer regulatorischer T-Lymphozyten (Treg).15 Dies könnte eine Überlegenheit eines B-Zell-gerichteten Therapieansatzes begründen, so Prof. Dr. Orhan Aktaş, Neurologische Klinik, Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf.

 

 

Ocrelizumab – vielversprechende, neue B-Zell-Therapie bei MS?

 

Ocrelizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv und gezielt an CD20-positive B-Zellen bindet. Der Antikörper bindet an CD20-Oberflächenproteine, die auf bestimmten B-Zell-Subpopulationen, nicht jedoch auf Stammzellen oder Plasmazellen, exprimiert werden. Die Fähigkeit zur Bildung neuer B-Zellen bleibt bei Patienten, die mit Ocrelizumab behandelt werden, erhalten,16 machte Tackenberg deutlich.

 

Die Ergebnisse der Phase-II-Studie gaben bereits ein deutliches Indiz für die Wirksamkeit von Ocrelizumab. Die Schubrate wurde signifikant reduziert. Die Patienten hatten durchschnittlich weniger als 0,2 Schübe pro Jahr. Die Anzahl Gadolinium-aufnehmender Läsionen (Gd+) im T1-gewichteten MRT verminderte sich unter Ocrelizumab (600 mg bzw. 2.000 mg) nach 24 Wochen signifikant um 89 % bzw. 96 % (jeweils p < 0,0001 vs. Placebo). Die häufigsten unter Ocrelizumab beobachteten Nebenwirkungen waren leichte bis mittelschwere infusionsbedingte Reaktionen. Die Häufigkeit von schwerwiegenden Nebenwirkungen, einschließlich schwerwiegenden Infektionen, war bei Ocrelizumab vergleichbar mit der von Placebo.1

 

Ocrelizumab wird derzeit in einem umfassenden Phase-III-Studienprogramm (ORCHESTRA) untersucht. Hierzu zählen die beiden Studien OPERA I und II bei Patienten mit schubförmiger MS (relapsing-remitting MS, RRMS) sowie die Studie ORATORIO bei Patienten mit primär progredienter MS (PPMS).17,18 In beiden OPERA-Studien reduzierte die Behandlung mit Ocrelizumab signifikant die jährliche Schubrate und die Behinderungsprogression (gemessen anhand der Expanded Disability Status Scale) im Vergleich zu Interferon ß-1a. Genaue Daten werden anlässlich des Kongresses des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) Anfang Oktober erwartet.

 

 

Literaturverweise 

  1. Kappos L et al. Lancet 2011;378:1779-1787
  2. Bar-Or A. Semin Neurol 2008;28(1):29-45
  3. Frischer JM et al. Brain 2009;132(Pt 5):1175-1189
  4. Lucchinetti CF et al. N Engl J Med 2011;365(23):2188-2197
  5. Magliozzi R et al. Ann Neurol 2010;68(4):477-493
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  7. Crawford A et al. J Immunol 2006;176(6):3498-3506
  8. Genain CP et al. Nat Med 1999;5(2):170-175
  9. Storch MK et al. Ann Neurol 1998;43(4):465-471
  10. Serafini B et al. Brain Pathol 2004;14(2):164-174
  11. Bar-Or A et al. Ann Neurol 2010;67(4):452-461
  12. Duddy M et al. J Immunol 2007;178(10):6092-6099
  13. Eming R et al. J Invest Dermatol 2008;128(12):2850-2858
  14. Van de Veerhonk FL et al. Arthritis Rheum 2011;63(6):1507-1516
  15. Vigna-Perez M et al. Arthritis Res Ther 2006;8(3):R83
  16. Pescovitz MD. Am J Transplant 2006;6(5 Pt 1):859-866
  17. F. Hoffmann-La Roche. ClinicalTrials.gov NCT01247324 und NCT01412333. National Library of Medicine. Verfügbar unter: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01247324 und https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01412333 (aufgerufen am: 10.9.2015)
  18. F. Hoffmann-La Roche. ClinicalTrials.gov NCT01194570. National Library of Medicine. Verfügbar unter: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01194570 (aufgerufen am: 10.9.2015)

  

Eindeutige Kennzeichnung von biologischen Arzneimitteln in der medizinischen Kommunikation

 

Für die Patientensicherheit ist es wichtig, biologische Arzneimittel durch ihren Handelsnamen klar zu kennzeichnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass mögliche Nebenwirkungen eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet und zurückverfolgt werden können. Analog europäischer behördlicher Vorgaben für die Dokumentation des Handelsnamens in der Patientenakte nennt Roche in Publikationen, Texten und Presseinformationen deshalb neben dem internationalen Freinamen auch den Handelsnamen.

 

 

Über Roche

 

Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ist eines der führenden Unternehmen im forschungsorientierten Gesundheitswesen. Es vereint die Stärken der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics und entwickelt als weltweit größtes Biotech-Unternehmen differenzierte Medikamente für die Onkologie, Immunologie, Infektionskrankheiten, Augenheilkunde und Neurowissenschaften. Roche ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von Produkten der In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests und ein Pionier im Diabetesmanagement. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind Ziel der Personalisierten Medizin, eines zentralen strategischen Ansatzes von Roche. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1896 hat Roche über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren wichtige Beiträge zur Gesundheit in der Welt geleistet. Auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation stehen 28 von Roche entwickelte Medikamente, darunter lebensrettende Antibiotika, Malariamittel und Chemotherapeutika.

 

Die Roche-Gruppe beschäftigte 2014 weltweit über 88.500 Mitarbeitende, investierte 8,9 Milliarden Schweizer Franken in Forschung und Entwicklung und erzielte einen Umsatz von 47,5 Milliarden Schweizer Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan.

 

 

 

Roche Pharma AG, Deutschland

 

Die Roche Pharma AG in Grenzach-Wyhlen beschäftigt über 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von hier aus werden alle zulassungsrelevanten Studien für Deutschland koordiniert. Darüber hinaus werden auch Studien für bereits auf dem Markt befindliche Produkte durchgeführt. Von Grenzach-Wyhlen aus erfolgen zudem zentrale Elemente der technischen Qualitätssicherung für den gesamten europäischen Raum. Außerdem ist die Roche Pharma AG für das Marketing und den Vertrieb verschreibungspflichtiger Arzneimittel auf dem gesamten deutschen Markt zuständig.

 

  • Weitere Informationen zur Roche Pharma AG finden Sie unter www.roche.de

 

 


Quelle: Roche Pharma, 25.09.2015 (tB).

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