Analyse von Krankenkassen‑Routinedaten:

Neue pharmakoökonomische Ergebnisse

 

Von Dr. Peter K. Schädlich, Berlin

 

Leipzig (20. Mai 2009) – Aktuell gibt es über 7 Millionen behandelte Diabetiker in Deutschland, davon 90 % mit Typ-2- und 10 % mit Typ-1-Diabetes. Im Jahr 2006 entfielen 28 % aller zu Lasten der GKV verordneten Insulin-Tagesdosen auf Basalinsuline und davon wiederum 43 % auf Basalinsulinanaloga (Insulin glargin, Insulindetemir). Zur personenbezogenen Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen bei insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern ist jedoch wenig bekannt.

Ziel der vorliegenden Analyse* von IGES war es daher, Ressourcenverbräuche und Kosten von Insulin glargin im Vergleich zu Insulindetemir unter den Bedingungen der alltäglichen Versorgung von Diabetikern zu vergleichen. Hierzu wurden pseudonymisierte Krankenkassen-Routinedaten herangezogen, um die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und die Kosten der ambulanten Arzneimittelverordnungen, der Antidiabetika, der Blutzuckerselbstkontrolle und der antihypoglykämischen Behandlung zu quantifizieren. Der jeweilige Vergleich erfolgte im Matched-Pair-Verfahren nach Bereinigung von Unterschieden zwischen den Untersuchungsgruppen wie etwa Soziodemographie, Diabetes-Typ und Komorbidität.

 

 

In den Vergleich von Insulin glargin versus Insulindetemir über ein Jahr gingen Daten von 767 Typ-2-Diabetikern ein. In der Insulin-glargin-Gruppe fanden sich signifikant geringere Kosten aller ambulanten Arzneimittelverordnungen (‑ 228 € pro Patient und Jahr; p = 0,001) als in der Insulindetemir-Gruppe. Kosten für ambulante Arzneimittelverordnungen mit Diabetes‑Zusammenhang waren in der Insulin‑glarginGruppe ebenfalls signifikant geringer (‑ 305 € pro Patient und Jahr; p <0,001) als in der Insulindetemir-Gruppe. Kosten für zusätzlich kurzwirkende Insulinanaloga (‑ 183 € pro Patient und Jahr; p <0,001) und für Blutzucker-Teststreifen (‑ 75 € pro Patient und Jahr; p = 0,045) waren in der Insulin-glargin-Gruppe jeweils signifikant geringer als in der Insulindetemir‑Gruppe. Auf Insulin glargin eingestellte Typ 2 Diabetiker wiesen eine signifikant geringere Inanspruchnahme des notfallärztlichen Dienstes auf (p = 0,029) als solche Patienten, die auf Insulindetemir eingestellt sind.

 

Fazit: Analysen der Routineversorgung von Typ-2-Diabetikern anhand von Krankenkassen-Routinedaten mit modernen statistischen Verfahren können zu wertvollen neuen Erkenntnissen führen. Es zeigt sich, dass die alleinige Betrachtung des Preises der jeweiligen Insuline zu kurz greift. Vielmehr sind alle Kosten einer Arzneimitteltherapie zu berücksichtigen, die mit der behandelten Erkrankung zusammenhängen, wie Diagnostik, Begleitmedikation und Krankenhausbehandlung.

 

Anmerkung

 

* Finanzielle Unterstützung durch Sanofi-Aventis.

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Sanofi-Aventis zum Thema “Wirtschaftliche Diabetestherapie – Neue Daten zu langwirksamen Insulinanaloga” am 20.05.2009 in Leipzig, anlässlich der 44. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (Ogilvy Healthworld).

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