Der neue Blick in das Gehirn

Ultraschalldiagnostik ermöglicht Früherkennung der Parkinson-Krankheit

 

Hamburg (23. Juni 2009) – Manchmal hilft der Zufall der Wissenschaft. So hat sich der Ultraschall in jüngster Zeit als Diagnosemethode für die Nervenerkrankung Morbus Parkinson etabliert. Damit lassen sich typische Veränderungen im Hirngewebe frühzeitig erkennen, die mit den bisher verfügbaren Methoden nicht zu sehen waren. Ärzte haben diese Fähigkeit des Ultraschalls bei einer ganz anderen Patientengruppe entdeckt: Jenen, die an Gefäßerkrankungen leiden und bei denen ein Ultraschallbild der Gefäße im Schädel zur Routineuntersuchung zählt. Über die neuen Möglichkeiten des Ultraschalls schreiben Prof. Dr. Christian Arning und sein Team der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek im Asklepios-Ärztemagazin medtropole.

 

 

Für das Aufspüren erkrankter Hirnareale wird der Ultraschallkopf wie bei Gefäßuntersuchungen an die Schläfe gehalten. Die dahinter liegende Hirnstruktur gibt bei gesunden Menschen nur ein schwaches Bildsignal. Bei Menschen jedoch, die an Morbus Parkinson leiden, ist dieses Gewebe, die "Substantia nigra", deutlicher sichtbar – das Echo auf das Ultraschallsignal ist also stärker. Mediziner vermessen dann die Größe der betroffenen Fläche. Damit die erkrankten Bereiche mit Ultraschall sichtbar gemacht werden können, ist ein modernes, hoch auflösendes Ultraschallgerät erforderlich. Der Untersucher muss zudem sehr erfahren im Umgang mit dem System sein. Untersuchungen zeigen, dass 80 Prozent der Patienten mit Morbus Parkinson auffällige Ultraschallbilder zeigen, die eindeutig auf krankhafte Veränderungen deuten. Bei weiteren zehn Prozent entstehen auffällige Bilder der Substantia nigra, die zwar Veränderungen zeigen, aber noch nicht als eindeutig krankhaft klassifiziert werden können. Mit dieser hohen Trefferquote hat sich die Ultraschalluntersuchung in jüngster Zeit als eine zusätzliche und frühzeitige Diagnosemethode für die Parkinson-Krankheit etabliert, die sichtbar macht, was andere Verfahren bisher nicht zeigen konnten. Dabei erstaunt die Mediziner zusätzlich, dass auch bei gesunden Menschen in zehn Prozent der Fälle ein stärkeres Ultraschallecho gefunden wird, obwohl sie nicht krank sind. Hier liegt möglicherweise eine Veranlagung für Morbus Parkinson vor.

Für die medizinische Vorsorge und Behandlung des Morbus Parkinson hat die Ultraschalldiagnose eine besondere Bedeutung, denn mit ihr steht erstmals eine Methode der Früherkennung zur Verfügung. Dies wird zunehmend wichtiger, um die verschiedenen Parkinson-Formen auseinander zu halten. Je nach Art der Parkinson-Krankheit lassen sich die Symptome wie etwa das unkontrollierte Zittern der Gliedmaßen aufgrund der Zerstörung von Hirnzellen mit Medikamenten eindämmen oder stoppen. Auch das Auftreten der Erkrankung ließe sich möglicherweise verhindern, wenn eines Tages geeignete Medikamente früh genug verabreicht werden können, schätzen Experten.

Hintergrund
Die Ultraschalluntersuchung oder Sonographie der Hirnbasisarterien ist eigentlich ein Standardverfahren bei Patienten, die Probleme mit den Blutgefäßen haben. Ärzte erkennen anhand bestimmter Strukturen im Ultraschallbild verschiedene Hirngefäße und messen ihre Durchblutung. Dabei wurde zufällig entdeckt, dass bei Patienten mit Parkinson-Krankheit der so genannte mesenzephale Hirnstamm auffällig verändert ist. Er zeigt sich im Ultraschallbild als schmetterlingsförmige Struktur, die bei gesunden Menschen nur wenig Echo zeigt, bei Parkinson-Patienten aber abnorme Signalveränderungen aufweist. Die systematische Aufarbeitung solcher Bilder zeigte dann, dass die veränderten Ultraschallbilder bei Parkinson-Patienten regelmäßig nachgewiesen werden können. Obwohl die Bedeutung dieser Befunde noch nicht in allen Einzelheiten geklärt ist, hat die Methode inzwischen das Stadium der Forschung verlassen und wird unter anderen an der Asklepios Klinik Wandsbek neben nuklearmedizinischen Verfahren zur Früherkennung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Erstaunlich ist daran, dass der Ultraschall Gewebeveränderungen im Hirngewebe aufdeckt, die weder mit CT noch mit MRT nachweisbar sind.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Asklepios Kliniken Hamburg vom 23.06.2009.

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