Frühzeitige Therapie jugendlicher MS-Patienten empfohlen

Berlin (21. Juni 2010) – Wenn Kinder oder Jugendliche an einer Multiplen Sklerose (MS) erkranken, können die psychosozialen und medizinischen Konsequenzen schwerer wiegen als bei einem späteren Krankheitsbeginn(1). Dies trifft vor allem auf die potenzielle Verschlechterung der kognitiven Funktion zu, die besonders die schulischen Leistungen und die sozialen Beziehungen beeinträchtigen können(2). Deshalb empfehlen Experten einen möglichst frühzeitigen Therapiebeginn, um eine Schädigung der neuronalen Kapazitäten zu verhindern. Denn Nervenschäden können bereits im frühen Stadium der Erkrankung auftreten(3). Ein früher Therapiestart kann auch zu verbesserten langfristigen Verläufen führen und die Jugendlichen vor möglichen späteren Komplikationen der MS schützen(3). Wie aktuelle Daten von erwachsenen MS-Patienten zeigen, verringerte die frühe Therapie mit Interferon beta-1b (IFNB, Betaferon®) das Risiko, eine klinisch gesicherte MS (clinical definite MS, CDMS) zu entwickeln. Außerdem konnte die frühe Therapie die kognitive Funktion über den untersuchten Zeitraum von 5 Jahren erhalten(4). Diese Ergebnisse präsentierten internationale Experten auf der Bayer Schering Pharma Pressekonferenz „The importance of early treatment in the adolescent MS“ in Berlin.

„Eine MS beginnt typischerweise im jungen Erwachsenenalter, bei drei bis zehn Prozent der Patienten tritt die Erkrankung jedoch bereits im Alter unter 18 Jahren auf“, sagte Professor Jutta Gärtner, Deutsches Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter, Abteilung Pädiatrie II mit Schwerpunkt Neuropädiatrie, Universität Göttingen(5). „Obwohl die meisten Patienten im Kinder- und Jugendalter an einer schubförmig remittierenden MS (relapsing remitting MS, RRMS) erkranken, haben pädiatrische Patienten ein höheres Risiko, eine progressivere Form der Erkrankung über einen längeren Zeitraum zu entwickeln als Erwachsene(5,6). Nach einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von nur zehn Monaten zeigten bereits 59 Prozent der Kinder leichte kognitive Einschränkungen und 35 Prozent eine schwere kognitive Beeinträchtigung. Dies ist in neuropsychologischen Tests nachweisbar“, betonte Gärtner(7,8).

Aus diesem Grund empfiehlt die „International Paediatrics MS Study Group“, die Behandlung nicht bis ins Erwachsenenalter hinauszuschieben. Die Therapie sollte frühzeitig begonnen werden(3). Die Wissenschaftler der Studiengruppe schlagen vor, die Kinder mit den für Erwachsene zugelassenen Medikamenten IFNB und Copaxone® (Glatirameracetat) zu behandeln(3).

Um dies durch Daten über die Sicherheit, Verträglichkeit, klinische Wirksamkeit und die kognitive Funktion von Betaferon® zu untermauern, wurde die prospektive, nicht-interventionelle Studie BETAPAEDIC initiiert. Etwa 100 Therapie-naive Kinder im Alter ab zwölf Jahren sollen in die Studie aufgenommen werden. Das Studienende ist für 2014 geplant.

Zeit bis zur klinisch gesicherten MS bei Erwachsenen verzögert

Den Nutzen eines frühen Therapiebeginns bei Erwachsenen zeigte eine Analyse der placebokontrollierten BENEFIT-Studie. „Die frühzeitige Intervention hatte einen größeren Einfluss auf die Progression der MS gegenüber einer verzögerten Behandlung“, sagte Professor David Bates, Universität Newcastle, Großbritannien.
„Der Einsatz von Betaferon® gleich nach der ersten MS-Attacke führte zu einer relativen Risikoreduktion hinsichtlich der Zeit bis zur Manifestation einer CDMS von 37 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren. Dies wurde mit einem verzögerten Therapiestart verglichen(9)“, erklärte Bates. Bei der verzögerten Strategie wird die Behandlung erst dann begonnen, wenn die Diagnose MS klinisch gesichert ist.

Des Weiteren zeigten die 5-Jahres-Ergebnisse der Studie BENEFIT, dass die frühe Therapie mit Betaferon® zu einer signifikanten Verbesserung im PASAT-TEST (Progressiver auditiver serieller Additions-Test) während der placebokontrollierten Studienphase führte. Der PASAT-Test erfasst die Informationsverarbeitungskapazität und – geschwindigkeit. „Ein Screening auf kognitive Beeinträchtigungen und ein Therapiebeginn mit Betaferon® bei den ersten Anzeichen einer MS kann dazu beitragen, die kognitive Funktion zu erhalten“, betonte Bates(4).
Der frühe Einsatz von Betaferon® wird weiterhin durch die Ergebnisse einer neuen Analyse der Studie BEYOND (Betaferon Efficacy Yielding Outcomes of a New Dose) an erwachsenen MS-Patienten unterstützt, in der die Wirkung von Betaferon® und Copaxone® untersucht wurden. Zwar bestand beim Risiko für neue Schübe, dem primären Endpunkt der Studie, kein Unterschied zwischen den Therapiearmen. Eine aktuelle posthoc Analyse zeigte allerdings, dass die Therapie mit Betaferon® die Entwicklung von schwarzen Löchern in einem ähnlichen oder besseren Ausmaß beeinflusste als Copaxone®. Zwar war der Anteil von neuen aktiven Hirnläsionen unter der Therapie mit Betaferon® und Copaxone® ähnlich ausgeprägt (p>0,2)(10). „Die Therapie mit Betaferon® führte jedoch im Vergleich zu Copaxone® zu einer durchschnittlichen 30-prozentigen Verringerung (p<0,05) der daraus entstehenden permanenten schwarzen Löcher. Von diesen wird angenommen, dass dort der Axonverlust und die Zerstörung des Hirngewebes stattfinden“, schloss Bates(10).

Referenzen

  1. 1 National Multiple Sclerosis Society. About MS/Living with MS/Research. www.nationalMSociety.org , 22.07.2008
  2. Amato MP, Ponziani G, Pracucci G, et al. Arch Neurol. 1995; 52 (2): 168-72
  3. Pohl et al. Neurology. 2007. 68(16 Suppl 2):S54-65
  4. Penner, IK et al., Treatment effects of IFNB-1b on cognitive performance in patients with a first event suggestive of MS, Poster Presentation at the 62nd annual American Academy of Neurology
  5. Banwell et al. Lancet Neurol 2007; 6:887–902
  6. Renoux Ch, Vukusic S, Mikaeloff Y, et al. NEJM. 2007;356(25):2603-13
  7. MacAllister et al. Neurology 2005; 64:1422–1425
  8. MacAllister et al. Dev Neuropsychol 2007; 32:625-644.
  9. Kappos et al . Lancet Neurology. In Press
  10. Filippi M. et al., IFNB-1b therapy reduces versus glatiramer acetate the evolution of permanent T1 hypointensities (‘black holes’) on brain MRI in treatment-naïve RRMS patients, Poster Presentation at the 62nd annual American Academy of Neurology


Quelle: Pressekonferenz der Firma Bayer HealthCare zum Thema „Benefiting from time: The importance of Early Treatment” am 21.06.2010 in Berlin.

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