Gemeinsame Ziele – europaweit umsetzen

DGEM feiert 30-jähriges Jubiläum

 

Berlin (5. Juli 2011) – Was früher unbekannt oder allenfalls ein Zungenbrecher war, ist heute in aller Munde: die Ernährungsmedizin – für diesen speziellen Bereich der Medizin setzen sich viele Vertreter unterschiedlicher medizinischer Fachgesellschaften seit Jahrzehnten europaweit sehr engagiert ein. Mit Erfolg, denn die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

 

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Künstliche Ernährung (DAKE) e.V. wurde als Vorgängerorganisation der DGEM e.V. 1981 gegründet. Letztere entstand aus der Fusion mit zwei anderen Gesellschaften – der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung und Diätetik (DAKED) und der Sektion Parenterale und Sondenernährung der Gesellschaft für Ernährung (in der ehemaligen DDR) – am 22.3.1991 in Göttingen. Heute hat die DGEM über 2.700 Mitglieder und gehört zu den großen Gesellschaften der Ernährungsmedizin in Europa.

 

 

Ernährungstherapie erfolgreich in die Behandlung integrieren

 

Hintergrund für die Gründung der DGEM und der anderen Gesellschaften war das in den 60er Jahren erwachende Interesse von Vertretern theoretischer und klinischer Disziplinen für die Erforschung und klinische Anwendung parenteraler Ernährung. Privatdozent Dr. Michael Adolph, Schatzmeister der DGEM: „Die klinische enterale Ernährung beschränkte sich zu dieser Zeit auf die Gabe selbst hergestellter Sondenkost. Andere Arten enteraler Diäten waren nicht erhältlich oder die vorhandenen nicht gut verträglich.“

„Es war ein Aufbruch in eine neue Dimension für das Verständnis von Ernährungsmedizin“, sagt Prof. Dr. Cornel Sieber, Präsident der DGEM. Ende der 70er Jahre wurden dann die American Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ASPEN) und die European Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ESPEN) gegründet. Die Gründung der ESPEN als konföderative Dachorganisation war allerdings erst möglich, nachdem auf nationaler Ebene eine genügende Anzahl von entsprechenden Fachgesellschaften vorhanden war. So forcierte man gleichzeitig die Gründung von Gesellschaften auf dem Gebiet der klinischen beziehungsweise künstlichen Ernährung auch im deutschsprachigen Raum.

 

 

Durch Interdiziplinarität und Kooperationen

 

Prof. Cornel Sieber: „Ein zentraler Aspekt der Ernährungsmedizin ist die Zusammenarbeit von Ärzten aus den verschiedenen Fachbereichen mit den Fachleuten aus der Ernährung und der Pflege und den Apothekern. Genauso wie bei der Behandlung von Patienten der gesamte Mensch im Fokus steht. Wichtig ist auch die stetige Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld Ernährung, Ethik und optimale Patientenversorgung.“ Dabei sei die Gesellschaft permanent auf dem Weg, europaweit gemeinsam richtige Lösungen für ernährungsmedizinische Probleme zu finden.

„Wir wollen mit der DGEM, der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung (AKE) und der Gesellschaft für klinische Ernährung der Schweiz (GEKES) in den drei Ländern mit gemeinsamer Stimme sprechen – auch im Hinblick auf die in der Schweiz bevorstehende Einführung der DRG (Diagnosis Related Groups) und die notwendige Abbildung der Ernährungsmedizin. Dabei sind wir selbstverständlich Teil der europäischen Gesellschaft, der ESPEN, und setzen national die gemeinsamen Anliegen um wie ‚Europe fights Malnutrition’ und den NutritionDay“, sagt Prof. Dr. Arved Weimann, 1. Vizepräsident der DGEM. Ebenso seien die Kooperationen mit vielen anderen Institutionen wie zum Beispiel dem Verband der Oecotrophologen (VDOE), und dem Verband der Diätassistentinnen (VDD) notwendig und effektiv. Allein in Deutschland seien 30 bis 40 Prozent der Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen mangelernährt, was zu längeren Liegezeiten und jedes Jahr zu höheren Gesundheitskosten in Millionenhöhe führe. Gemeinsam könne man dieser Entwicklung entgegen treten, zum Beispiel durch den jährlich stattfindenden „NutritionDay“ .

 

 

Curriculum Ernährungsmedizin und S3-Leitlinien

 

Ein besonderes Anliegen der DGEM ist es, die Ernährungsmedizin in der Ausbildung der Mediziner zu verankern und diese dafür zu begeistern. Bereits rund 3.000 Ärzte haben das „Curriculum Ernährungsmedizin“ absolviert und können damit die Zusatzbezeichnung „Ernährungsmediziner“ tragen. Diese Fortbildung für Ärzte wurde unter Federführung der DGEM gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin (DAEM) nach den Richtlinien der Bundesärztekammer überarbeitet. Auch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wurde gesucht. "Damit können wir ein flächendeckendes, für ganz Deutschland gültiges und interdisziplinäres Curriculum für Ernährungsmedizin anbieten", sagt Prof. Stephan C. Bischoff, 2. Vizepräsident der DGEM. Ein nächster Schritt könne die Etablierung des „Facharztes für Ernährungsmedizin“ sein. Das sei jedoch eine Aufgabe für die Zukunft. Ebenso hat die DGEM sich durch die Erarbeitung und Veröffentlichung der S3-Leitlinien zur Enteralen Ernährung (gemeinsam mit ESPEN) sowie der Parenteralen Ernährung einen Namen gemacht. Damit ist es gelungen, Leitlinien auf S3-Niveau für alle Bereiche der künstlichen Ernährung zu erstellen. Diese werden zur Zeit aktualisiert und von vielen anderen nationalen Fachgesellschaften als Vorbild angenommen.

 

 

Ziele für die Zukunft

 

Die DGEM als multidisziplinäre Vereinigung aller Berufsgruppen, die sich mit Ernährungsmedizin befassen, möchte zu den Ärzten auch die anderen Disziplinen für die Gesellschaft gewinnen. Derzeit gibt es eine relative kleine Mitgliederanzahl von Apothekern, Ernährungswissenschaftlern, Oecotrophologen, Diätassistenten und MitarbeiterInnen der Pflege, die ihre Sichtweisen und Schwerpunkte einbringen. Dabei ist der effiziente Austausch zwischen den Disziplinen gerade bei ernährungsmedizinischen Fragestellungen notwendig. Auch will sich die DGEM in Zukunft noch gezielter der Nachwuchsförderung im Bereich Grundlagenforschung und Klinik widmen und das Fachgebiet strukturell in Kliniken, niedergelassenen Bereich sowie Universitäten, Schulen und Ministerien besser verankern. Durch die erstmalig für 2012 ausgeschriebene Forschungsförderung im klinischen sowie im Grundlagenbereich ist dafür ein erster Schritt getan.

 

 

Neue Herausforderungen

 

Für die Zukunft hat sich die DGEM viele Ziele verstärkt auf die Fahnen geschrieben. Dazu gehören unter anderem:

 

  • Förderung von ernährungsmedizinischer Wissenschaft und Forschung sowie von wissenschaftlich begründeter Ernährungstherapie.Stärkung der Wahrnehmung als wissenschaftlich fundierte, klinisch kompetente Fachgesellschaft.
  • Gezielte Nachwuchsförderung im Grundlagen- sowie im klinisch-praktischen Bereich.
  • Strukturelle Verankerung der Ernährungsmedizin in verschiedenen Institutionen wie Kliniken, niedergelassenen Strukturen, Universitäten, Schulen und Ministerien etc.
  • Motivation von Wissenschaftlern und Praktikern zur Mitarbeit im Bereich Ernährungsmedizin.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM), 05.07.2011 (tB).

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