Geschichte des Schlafs

 

Halle (18. Oktober 2009) – Das Exzellenznetzwerk "Aufklärung – Religion – Wissen" an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) betreut Doktoranten und Post-Doktoranten in einem Graduiertenkolleg. Ziel ist es, exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Am 19. Oktober findet die feierliche Eröffnung des Wintersemesters 2009/10 im Exzellenznetzwerk statt. In diesem Rahmen wird auch die erste Gruppe der Stipendiaten verabschiedet, aus der spannende Forschungsarbeiten entstanden sind, unter anderem zu den Themen Schlaf, Wehmut und Unsichtbarkeit.

 

So lautet der Titel von Katja Battenfelds Dissertation "’Wonne der Wehmut‘ und ‚Joy of grief‘. Die süße Lust an Trauer in der englischen und deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts". Battenfeld studierte Germanistik und Anglistik, ihr Thema hat aber auch philosophische Dimensionen. Mit dem Traum in der Aufklärung beschäftigte sich Dr. Ingo Uhlig. Seine Arbeit trägt den Titel "Schlaf. Zur Geschichte passiver Zeit in Aufklärung, Wissenschaft und Lebensführung". Sein Forschungsprojekt setzt sich mit dem historischen Schlafverhalten und den Schlafempfehlungen auseinander. "Meine Geschichte des Schlafs ist vor allem eine Geschichte des menschlichen Unbewussten", erklärt Uhlig. Wie viel Schlaf hielt man für förderlich, wie ging man mit seinen Träumen um oder wie brachte man einen Nachtwandler zur Raison? Neben diesen Fragen beschäftigte sich Ingo Uhlig vor allem mit der Frage, wie die Schriftsteller und Philosophen der Aufklärung all diese Vorgänge des Schlafs – also den Traum, das Nachtwandeln und die stetig ablaufenden Körperfunktionen – interpretiert haben. Dabei zeigte sich, dass in diesen historischen Überlegungen zum Schlaf der weite und vielfältige Bereich unbewusster Aktivitäten entdeckt wurde. "Diese Entdeckung hat unser modernes Menschenbild stark geprägt, etwa wenn es darum geht, die Fehleranfälligkeit unseres Wissens zu erklären", sagt Ingo Uhlig. Sein Mitstreiter Dirk Uhlmann promovierte zum Thema "Ästhetik der Unsichtbarkeit. Romantische Imagination und die Ambivalenz des Visuellen". Er zeigt auf, wie die Unsichtbarkeit in der ästhetischen Tradition der Moderne eine wichtige Rolle übernimmt.

Das Studienprogramm im Graduiertenkolleg dient der Begleitung und Vertiefung der Forschungsarbeit der einzelnen Stipendiaten. Fachliche und außerfachliche Qualifikationen, sowie der interdisziplinären Horizont der Forschungsprojekte sollen gefördert werden. Die sieben Männer und sieben Frauen, unter denen auch zwei US-Amerikanerinnen sind, kommen aus den verschiedensten Disziplinen und haben in intensiver Zusammenarbeit mit den Koordinatoren das weit gefächerte Netwerk für ihre Forschungen genutzt.

"Das Exzellenznetzwerk ist das einzige in Deutschland, das eine so intensive Forschung zur Europäischen Aufklärung betreibt", sagt Dr. Rainer Godel, wissenschaftlicher Koordinator des Exzellenznetzwerkes. Interdisziplinär ausgerichtet, beteiligen sich sieben Professoren und fünf Betreuer aus vier Fakultäten an der Betreuung der Stipendiaten am Graduiertenkolleg. "So haben sie die Möglichkeit, sich nicht nur untereinander fachlich auszutauschen, sondern sich auch an die Betreuer aus den unterschiedlichen Wissenschaften zu wenden", erklärt Godel. Die komplexen Kommunikationsstrukturen seien wichtig, um den interdisziplinären Horizont der Forschungsprojekte zu fördern.

Die Doktoranten und Post-Doktoranten sind dabei sehr engagiert. Sie organisieren Workshops und einige haben sogar bereits auf Kongressen Vorträge gehalten. Ende des Jahres werden fast alle Stipendiaten der ersten Gruppe ihre Arbeiten abgeschlossen haben. Seit einem Jahr gibt es bereits eine neue Gruppe von 15 Stipendiaten, unter ihnen ist auch ein Italiener.

Die Bewerbungen für das Graduiertenkolleg erfolgen über öffentliche Ausschreibungen. "Wir hatten bei beiden Gruppen über 100 Bewerber", berichtet Rainer Godel. Dabei ist es egal, ob die Doktoranten ihre Forschung auf ihren Abschlussarbeiten ihres Studiums aufbauen oder sich in ein völlig neues Thema einarbeiten. Godel: "Das wichtigste Kriterium für uns ist, ob das Thema zu unserem Forschungsschwerpunkt im 18. Jahrhundert passt."

"Wir bekommen eine sehr gute überregionale und internationale Resonanz", sagt Rainer Godel, der gespannt auf die Ergebnisse der Forschungsarbeiten der zweiten Stipendiatengruppe ist. Dort werden aktuell unter anderem die sozial- und ideengeschichtliche Perspektive der Professoren an der Universität Halle von 1694 bis 1806 untersucht.

Am 19. Oktober wird es neben der feierlichen Verabschiedung der Stipendiaten auch einen Festvortrag von Reinhard Brandt aus Marburg über Kants Grundlegung der Naturwissenschaft geben, womit er die Gastvortragsreihe "Wissensentwicklung und Wissensanordnung im Zeitalter der Aufklärung" im neuen Semester einleitet.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom 18.10.2009.

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