Neurodegenerative Prozesse bei Multipler Sklerose

Glatirameracetat: Neue Sicht auf eine bewährte Therapieoption

 

Berlin (18. März 2014) – Aktuelle Erkenntnisse zur Pathophysiologie der Multiplen Sklerose deuten auf zwei unterschiedliche und teilweise voneinander unabhängig zugrunde liegende Mechanismen hin: Traditionell wird MS als progressive, entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems gesehen, deren Marker Schübe und fokale demyelinisierende Läsionen sind.1 Das Verständnis des Krankheitsgeschehens hat sich dabei in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiter entwickelt. In den Fokus rücken zunehmend neurodegenerative Prozesse durch eine diffuse Krankheitsaktivität in normal erscheinendem Gewebe.2,3 Dies erläuterten Experten im Rahmen eines Pressegesprächs von Teva Specialty Medicines in Berlin. Dem neuen Verständnis wird das bereits seit vielen Jahren etablierte Basistherapeutikum Glatirameracetat (Copaxone®) nach wie vor gerecht. Neben der Reduzierung der Schubrate können für den Immunmodulator positive Effekte auf neurodegenerative Prozesse nachgewiesen werden. Dazu gehört beispielsweise die Reduktion der Hirnatrophie.4,5

 

Im Fokus der Betrachtungen standen bisher neben der Schubrate vor allem die fokalen Läsionen der weißen Substanz, die in der Bildgebung mittels konventioneller MRT sichtbar sind. Ursache sind Entzündungen, die durch periphere T-Zellen vermittelt werden.6 Dabei ist der Zusammen-hang zur Behinderungsprogression nur mäßig.7,8 „Heute wissen wir, dass es auch in der grauen Substanz zu Läsionen kommt“, Martin Marziniak, München. „Darüber hinaus gibt Substanz diffuse Schäden, die durch ZNS-residente Zellen ausgelöst werden.“ Bei MS-Patienten werden diese pathologischen Veränderungen einschließlich aktivierter Astrozyten und Mikroglia beobachtet.9,10 „Beide Mechanismen tragen zur Neurodegeneration und schließlich Behinderung bei“, erklärte Marziniak.

 

 

Hirnatrophie korreliert mit Behinderungsprogression

 

„Wie die Datenlage zeigt, passt Glatirameracetat vor diesem Hintergrund nach wie vor zum modernen Krankheitsverständnis, da die Substanz beide Wege adressiert, die zur Neurodegeneration führen“, so Bernd C. Kieseier, Düsseldorf. Glatirameracetat wirkt peripher und auch indirekt zentral im ZNS und hat positive Auswirkungen auf neurodegenerative Prozesse. Dazu gehört etwa die Reduktion der Hirnatrophie, die signifikant mit einer Behinderungsprogression korreliert.4,5 Insbesondere im Langzeitverlauf der Erkrankung tritt die Neurodegeneration zunehmend in den Vordergrund.11

 

In den Fünf-Jahres-Ergebnissen der PreCISe-Studie hat sich entsprechend nicht nur der frühe Einsatz von Glatirameracetat als vorteilhaft für die Patienten erwiesen, sondern auch die Effekte des Wirkstoffs auf neurodegenerative Prozesse.12 Die Ergebnisse zeigten zum einen, dass die Zeit bis zum zweiten Schub (klinisch gesicherte MS, CDMS) um fast 1.000 Tage länger als bei einem verzögerten Therapiestart war. Durch den frühen Einsatz konnte darüber hinaus die Reduktion des Hirnvolumens um 28 % verringert werden (sekundärer Endpunkt). Die Studie wurde wegen des überlegenen Therapievorteils vorzeitig zugunsten von Glatirameracetat entblindet.

 

 

Langzeitdaten belegen hohen Nutzen

 

Für Glatirameracetat liegen mit über zwei Millionen Patientenjahren umfangreiche Erfahrungen in der klinischen Anwendung als Basistherapie vor. Aktuelle Daten einer Langzeit-Open-Label-Studie zur Monotherapie mit Glatirameracetat bei RRMS zeigen beeindruckende Ergebnisse: Auch nach 20 Jahren profitieren Patienten von der Therapie mit Glatirameracetat. Von den kontinuierlich behandelten Patienten verblieben 23,3 % schubfrei und weitere 47,3 % erlitten keinen zweiten Schub.13 „Die EDSS-Daten zeigen, dass ein Fortschreiten der Erkrankung bei diesen Patienten weitgehend verhindert werden kann“, so Kieseier. Über 60 % der Patienten hatten nach 20 Jahren immer noch einen EDSS unter 4.

 

Auch vor dem Hintergrund neuerer Therapieoptionen gilt Glatirameracetat als Therapie der Wahl für die Basistherapie der Multiplen Sklerose.14 Vor allem das gut dokumentierte Sicherheitsprofil und die gute Verträglichkeit (kaum grippeähnliche Nebenwirkungen, Reduktion der Fatigue) sprechen neben den Wirksamkeitsdaten für den Immunmodulator.

 

 

Laquinimod: Verzögerung der Neurodegeneration

 

Mit Laquinimod befindet sich bei Teva ein viel versprechender neuer Wirkstoff im Bereich ZNS in der klinischen Prüfung, wie Dr. Alexander Kulla, medizinischer Direktor für ZNS bei Teva Europe erläuterte. Das „small molecule“ kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wirkt dadurch peripher und zentral.15 In der Allegro-Studie reduzierte Laquinimod im Vergleich zu Placebo das Risiko für eine Behinderungsprogression um 36 % (p = 0.012).16 Im MRI konnte gezeigt werden, dass im Vergleich zu Placebo bei Patienten, die mit Laquinimod behandelt wurden, das Voranschreiten der Hirnatrophie verlangsamt werden konnte. Auch die Gewebeschäden in der weißen und grauen Substanz sowie im Thalamus waren deutlich geringer. Man kann also davon ausgehen, dass Laquinimod die pathologischen Prozesse, die mit der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose einhergehen, verlangsamt.17

 

 

Quellen 

  1. Lassmann H et al. Trends Mol Med 2001; 7: 115–121.
  2. Cambron M et al. J Cereb Blood Flow Metab 2012; 32: 413-424.
  3. Sofroniew MV. Trends Neurosci 2009; 32(12): 638-647.
  4. Inglese M, Benedetti B, Massimo F. J Neurol Sci 2005; 233:1 5-19.
  5. Bermel RA, Bakshi R. Lancet Neurol 2006; 5: 158-170.
  6. Charil A1, Filippi M. J Neurol Sci 2007; 259(1-2): 7-15.
  7. Scalfari A et al. Brain 2010; 133: 1914-1929.
  8. Bermel RA, Fox RJ. Continuum Lifelong Learning Neurol 2010; 16(5): 37-57.
  9. Filippi M et al. Lancet Neurol 2012; 11: 349-360.
  10. Markiewicz I et al. Acta Neurobiol Exp (Wars) 2006; 66(4): 343-358.
  11. Leray E et al., Brain 2010: 133; 1900-1913.
  12. Comi G et al. Mult Scler 2013; 19: 1074-1083.
  13. Ford C et al. ECTRIMS 2013; Abstract.
  14. S2e-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, DGN/KKNMS 08/2012.
  15. Brück W, Wegner C. Journal of the Neurological Sciences 2011; 306(1-2): 173–179.
  16. Comi G et al. N Eng J Med 2012; 366: 1000-9.
  17. Filippi M et al. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry 2013 doi: 10.1136/jnnp-2013-306132.

 

Teva

 

Am Standort der Teva in Berlin befindet sich die Einheit Teva Specialty Medicines, die auf die Vermarktung innovativer Arzneimittel ausgerichtet ist. Hier stehen patentgeschützte Arzneimittel aus den Bereichen Neurologie, Onkologie, Schmerz, Frauengesundheit und Atemwegserkrankungen im Fokus. Das Originalprodukt Copaxone® aus der eigenen Forschung der Teva ist in Deutschland Markführer im MS-Markt. Zum Unternehmen Teva mit Hauptsitz in Ulm gehört mit ratiopharm die meistverwendete und bekannteste Arzneimittelmarke Deutschlands. Als Firmenverbund sind Teva und ratiopharm die Nummer eins am europäischen Generikamarkt. Die rund 3.140 Mitarbeiter in Deutschland verteilen sich auf die Standorte Ulm, Blaubeuren/Weiler und Berlin.

 

Teva Pharmaceutical Industries Ltd. mit Firmensitz in Israel gehört zu den 10 größten pharmazeutischen Konzernen und ist auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Generika und patentgeschützten Medikamenten sowie Wirkstoffen spezialisiert. Teva Pharmaceutical Industries Ltd. ist Weltmarktführer unter den Generikaunternehmen. Der Konzern beschäftigt weltweit circa 45.000 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2013 einen Umsatz von 20,3 Milliarden US-Dollar.

 


 

Quelle: Teva Pharma, 18.03.2014 .

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