Glykämische Variabilität als Risikofaktor für Spätfolgen

 

Von Prof. Dr. med. Oliver Schnell,
Institut für Diabetesforschung, München

 

München (30. April 2008) – Der HBA1c‑Wert wird als Goldstandard zur Beurteilung der Stoffwechsellage bei Diabetes angesehen. In Leitlinien sind Zielwerte für den HbA1c‑Wert definiert, durch die das Auftreten von diabetischen Komplikationen vermindert werden kann. Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch der glykämischen Variabilität mit Blick auf die Entstehung von Komplikationen eine besondere Bedeutung zukommt.


 

In den letzten drei Jahrzehnten wurden wichtige molekulare Mechanismen entdeckt, die an der Entstehung glukose‑mediierter vaskulärer Veränderungen beteiligt sind. Zentral von Bedeutung ist hierbei die Überproduktion von freien Sauerstoffradikalen, durch die eine Vielzahl von Signalwegen aktiviert wird, welche die schädigenden Effekte von Glukose verstärken.

 

Aktuelle Untersuchungen bei Typ‑2‑Diabetikern zeigen, dass eine Beziehung zwischen der Variabilität der Glukose (Mean Amplitude of Glycemic Excursion (MAGE)) und Markern für oxidativen Stress, die im Urin gemessen werden, besteht. Dazu wird die Glukosevariabilität mittels kontinuierlichem Monitoring bestimmt. Keine Assoziation wurde zwischen Markern für oxidativen Stress und mittlerer Glukose‑Konzentration, Nüchtern‑Glukose und HbA1c‑Wert gefunden. Bei Nicht‑Diabetikern, bei denen mittels einer Clamp‑Untersuchung eine artifiziell erhöhte Glukosevariabilität hervorgerufen wird, tritt eine durch oxidativen Stress induzierte Abnahme des endothelialen Enzyms Prostazyklin‑Synthase auf, das antiatherogene Eigenschaften besitzt.

 

Diese neuen Daten könnten erklären, warum in DCCT bei einer Subgruppe von Typ‑1-Diabetikern mit HbA1c‑Werten um 9% das Risiko für eine diabetische Retinopathie in der intensiviert behandelten Gruppe um mehr als 50 % niedriger war als in der konventionell behandelten Gruppe.

 

Die Ergebnisse zur Glukosevariabilität sind von hoher klinischer Relevanz. Da eine kontinuierliche Glukosemessung in der Praxis nicht von der Mehrzahl der Patienten durchgeführt werden kann, kommt der Blutzuckerselbstmessung (BZSM) bei der Analyse der glykämischen Variabilität eine besondere Bedeutung zu. Neue Strategien zur Verminderung der glykämischen Variabilität könnten zukünftig helfen, das Auftreten von diabetischen Komplikationen unabhängig vom HbA1c‑Wert zu reduzieren.


Quelle: Accu-Chek Lunchsymposium der Firma Roche zum Thema „Potenziale und klinische Relevanz einer strukturierten Blutzuckermessung“, anlässlich der 43. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft am 30.04.2008 in München (fischerAppelt Kommunikation).

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