Hauptstadtsymposium DGPPN:

Demenzerkrankungen – ein kaum lösbares Problem für eine alternde Gesellschaft?

 

Berlin (25. Juni 2008) – Jährlich entwickeln in Deutschland 200.000 Menschen eine Demenzerkrankung. Gleichzeitig gibt es in Deutschland 6.000 niedergelassene Psychiater. "Daraus ergibt sich eine riesige Versorgungslücke, die jährlich größer wird. Heute sind 1,1 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen, im Jahr 2050 werden es aufgrund des demografischen Alterungsprozesses 2,3 Millionen Menschen sein", warnt Professor Dr. med. Peter Falkai vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und Mitglied der Gründungskommission des Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Die Versorgung der wachsenden Zahl von Demenzpatienten ist das zentrale Thema des 4. Hauptstadtsymposiums der DGPPN am heutigen Mittwoch, den 25. Juni 2008, im Haus der Ernährungswirtschaft in Berlin. Experten aus Praxis und Forschung stellen Möglichkeiten der Früherkennung von Demenz sowie neueste Therapieansätze vor und erörtern, welche Unterstützung pflegende Angehörige bei der Betreuung Demenzkranker benötigen.


 

Neue Chancen der Früherkennung und der Therapie von Demenz

 

Die frühzeitige Diagnose einer Demenz ist ein wichtiger Bestandteil bei der Versorgung betroffener Patienten. Biochemische Analysen im Hirnwasser (Liquor) und bildgebende Untersuchungen des Gehirns erlauben zusammen mit der Abklärung von geistigem Leistungsvermögen eine individuelle Frühdiagnose einer Demenz vor Auftreten des Vollbildes der Erkrankung. In absehbarer Zeit wird eine Blutuntersuchung zur Verfügung stehen, mit der eine Demenz in einem frühen Krankheitsstadium erkannt werden kann", erklärt Professor Falkai, der die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen leitet. Derzeit sind Demenz-Erkrankungen nicht heilbar, jedoch lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung durch Medikamente verzögern und die Lebensqualität der Betroffenen durch Psychotherapie verbessern. "Aktuelle Studien zur Impfung gegen Alzheimer-Demenz mit Antikörpern gegen Amyloid-Proteine liefern im Tierversuch viel versprechende Ergebnisse. Man hat beobachtet, dass durch die Antikörper die fortschreitende Verklumpung fehlgefalteter Amyloid-Proteine, die zur Zerstörung von Gehirnzellen führt, gestoppt oder sogar rückgängig gemacht werden kann. Laufende klinische Untersuchungen werden zeigen, ob die Methode auch beim Menschen funktioniert."

 

 

Pflegende Angehörige benötigen mehr Unterstützung

 

Dreiviertel der Menschen, die unter Demenz leiden, werden derzeit in der Familie versorgt. "Für die betreuenden Angehörigen ist die Pflege eines Demenz-Erkrankten oft eine massive Belastung, die auch zur Aufgabe ihres Berufs führen kann. Nicht selten treten bei den Angehörigen selbst stressbedingt seelische Störungen, wie beispielsweise Depressionen, auf. Eine Demenzerkrankung geht nicht nur mit Gedächtnisproblemen einher, sondern führt auch zu einer Zerrüttung der Kommunikation zwischen Patient und Angehörigen und damit oftmals zu herausforderndem Verhalten auf beiden Seiten", erklärt Professor Falkai. Die Leistungen der Pflege-Versicherung eines Patienten werden gegenwärtig nur anhand körperlicher Einschränkungen bemessen. Die Belastung der pflegenden Angehörigen durch die zunehmenden geistigen Einschränkungen der Erkrankten findet in der finanziellen Entschädigung der Pflegetätigkeit kaum Berücksichtigung. "Deshalb bedarf es einer Diskussion darüber, welche Leistungen der gesamtgesellschaftlichen Solidargemeinschaft zur Unterstützung pflegender Angehöriger erforderlich sind", fordert Professor Falkai. "Die Zunahme der Demenzerkrankungen stellt besondere Anforderungen an die Gesellschaft, die über die Problematik der Alterung der Bevölkerung hinausgehen."

 


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vom 25.06.2008 (tB).

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