Höhere Schulbildung schwächt den Einfluss der Alzheimer-Krankheit auch bei vermindertem Gehirnvolumen ab

 

München (12. August 2009) – Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar der TU München haben untersucht, welche Rolle die Schulbildung für die Ausprägung der Symptome der Alzheimer-Erkrankung spielt. Dabei konnten sie zeigen, dass Bildung auch dann die Auswirkungen von Alzheimer abmildert, wenn bereits eine deutliche Hirnvolumenminderung vorliegt. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlicht. (‘Education attenuates the effect of medial temporal lobe atrophy on cognitive function in Alzheimer’s disease: The MIRAGE Study’; Journal of Alzheimer’s Disease, August 2009, 10.3233/JAD-2009-1117)

 

 

Dr. Robert Perneczky, Klinik für Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar, erläutert: "Wir wissen, dass zwischen der Hirnschädigung durch eine Alzheimer-Krankheit und den daraus resultierenden Demenz-Symptomen kein enger Zusammenhang besteht. So gibt es sowohl Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Hirnschädigung, die kaum Symptome zeigen, als auch Menschen mit geringer Hirnschädigung und stark ausgeprägten Symptomen." Dieses Phänomen wird mit dem theoretischen Konzept der kognitiven Reservekapazität erklärt. Eine hohe Reservekapazität steht für eine starke individuelle Widerstandsfähigkeit gegen die Symptome der Hirnschädigung, die Reservekapazität ist also als Gegengewicht gegen die Hirnschädigung zu verstehen.

Frühere Studien konnten bereits belegen, dass eine längere Schulbildung mit einer höheren Reservekapazität assoziiert ist. Menschen mit längerer Schulbildung leiden bei einem vergleichbaren Grad der Hirnschädigung unter weniger Symptomen als Menschen mit kürzerer Schulzeit. Die Hirnschädigung wurde für Untersuchungen dieser Art bisher entweder durch neuropathologische Untersuchungen an verstorbenen Patienten oder aber mit sehr empfindlichen bildgebenden Verfahren am lebenden Menschen gemessen. Perneczky: "In unserer Studie wurde erstmals untersucht, ob Schulbildung auch dann Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Hirnschädigung und Symptomen hat, wenn man den Grad der Hirnschädigung als Ausmaß der Hirnvolumenminderung in der Kernspintomographie definiert. Zur hohen Aussagekraft unserer Ergebnisse hat außerdem zum einen die große Stichprobe von 270 Patienten beigetragen. Zum anderen haben wir Faktoren berücksichtigt, die neben der Hirnvolumenminderung ebenfalls Einfluss auf die Ausprägung der Symptomatik haben – zum Beispiel genetische Faktoren, Alter, Geschlecht, Hirninfarkte und -blutungen."

Die Forschungsergebnisse zeigen erstmals, dass der modifizierende Effekt der Schulbildung robust genug ist, um auch den schädlichen Einfluss einer manifesten Hirnvolumenminderung auf die kognitiven Fähigkeiten abzuschwächen. Weitere Untersuchungen sind geplant, die noch mehr Patienten einschließen und genauere Hirnvolumenmessungen umfassen werden.

Veröffentlichung

 

Perneczky R, Wagenpfeil S, Lunetta KL, Cupples LA, Green RC, Decarli C, Farrer LA, Kurz A. Education Attenuates the Effect of Medial Temporal Lobe Atrophy on Cognitive Function in Alzheimer’s Disease: The MIRAGE Study. J Alzheimers Dis 17:4 (August 2009).

 

Weitere Informationen

 

http://dx.doi.org/10.3233/JAD-2009-1117

 


 

Quelle: Presseinformation des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München vom 12.08.2009 (tB).

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