HTA-Bericht

Hinweise auf Versorgungsmängel in Pflegeheimen

 

Köln (28. Februar 2013) – Wissenschaftler haben jetzt Hinweise auf fachärztliche Versorgungsmängel bei Pflegeheimbewohnern mit Demenz und Diabetes in Deutschland gefunden. Im Auftrag des DIMDI hatten sie die Versorgung in Pflegeheimen auf Basis wissenschaftlicher Studien untersucht. Verglichen mit entsprechenden Leitlinien bestehen demnach mögliche Unter- bzw. Fehlversorgungen.

 

Ihre Ergebnisse fasst ein neuer HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Er ist kostenfrei auf den Webseiten des DIMDI abrufbar.


Aktuelle Versorgung vs. Leitlinien

Den Ausgangspunkt ihres Berichts bildet eine systematische Literaturrecherche. Darüber identifizieren die Autoren die wichtigsten Gesundheitsprobleme der Bewohner in Pflegeheimen. Die Versorgungsqualität bewerten sie für Demenz und Diabetes: Beide Krankheitsbilder sind für Betroffene wie Pflegende schwerwiegend und es existieren Versorgungsleitlinien sowie ausreichend Versorgungsdaten. Die erbrachten Versorgungsleistungen vergleichen die Autoren für ihre Bewertung mit evidenzbasierten Versorgungsempfehlungen.


Angemessene und fehlerhafte Versorgung

Demnach erscheint die Versorgung von Bewohnern mit Demenz und Diabetes angemessen bei der hausärztlichen Versorgung sowie bei der Vermeidung von Ginko-Extrakten bei Wahrnehmungsstörungen und von Benzodiazepinen als Beruhigungsmittel. Daneben finden sich einige Hinweise auf mögliche Unter- bzw. Fehlversorgungen:

 

  • ungenaue Diagnostik von Demenzerkrankungen,
  • Unterversorgung mit Antidementiva bei bestimmten, Demenzformen,
  • Fehlversorgung mit Psychopharmaka allgemein und insbesondere bei neuropsychiatrischen Symptomen demenzkranker Heimbewohner,
  • unzureichende Verordnung von Heilmitteln zur nichtmedikamentösen Behandlung von Demenz,
  • zu wenig augenärztliche Untersuchungen von Diabetikern.

 

Für die festgestellten Probleme vermuten die Autoren mehrere Ursachen. Neben einer unzureichenden Dokumentation von Diagnosen und Verordnungen nennen sie unter anderem die schlechte Kommunikation zwischen den beteiligten Berufsgruppen.


Fazit der Autoren

Für neue Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Versorgungsstrukturen, dem Gesundheitszustand und der Lebensqualität der Pflegeheimbewohner empfehlen die Autoren mehrere Maßnahmen:

 

  • generelle Veröffentlichung detaillierter Beschreibungen für öffentlich geförderte Projekte,
  • generelle Evaluationen,
  • eine träger- und projektübergreifende umfassende Dokumentationsplattform (z.B. Webseite mit Datenbank).

 

Für ihren Bericht hatten sie auch entsprechende Modellprojekte betrachtet. Für Rückschlüsse auf mögliche Verbesserungen der ärztlichen Versorgung fehlten genauere Beschreibungen sowie Details zu Ergebnissen und Umsetzung, so die Autoren. Weltweit einzigartig sei aber das niederländische Modell des Facharztes für Altersheilkunde (Elderly Care Physician): Dieser sei speziell für die typischen Krankheitsbilder in Pflegeeinrichtungen ausgebildet und werde von diesen direkt als erstbehandelnder Arzt eingestellt. Einzelne Aspekte dieses Modells empfehlen die Autoren auch für die deutsche Versorgung.

Mit dem am 29. Juni 2012 vom Bundestag beschlossenen Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) reagiert die Bundesregierung bereits auf die geforderten Veränderungen. Das am 1. Januar 2013 in Kraft getretene PNG soll u.a. gezielt die ärztliche und zahnärztliche Versorgung in Pflegeheimen verbessern.

Beschreibung und Bewertung der fachärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern in Deutschland (Katrin Balzer, Stefanie Butz, Jenny Bentzel, Dalila Boulkhemair, Dagmar Lühmann)


HTA-Berichte bei DAHTA

Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und rund 50 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

 

 

Weitere Informationen

 

 


 

Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), 28.02.2013 (tB).

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