Multiresistente Erreger auf der Intensivstation im Focus:

Tigecyclin, ein substantieller Bestandteil in der Strategie der antibiotischen Vielfalt

 

Berlin (17. März 2011) –  Die Zunahme multiresistenter Infektionserreger auf Intensiv­stationen bedeutet eine große klinische und ökonomische Herausforderung. Neben strikten Hygienemaßnahmen sind rationale antibiotische Strategien unabdingbar, um Resistenzentwicklungen entgegenzuwirken. Dabei kann das Glycylcyclin Tigecyclin (Tygacil®), das eine besonders breite in vitro-Aktivität gegen zahlreiche multiresistente Erreger aufweist, einen wichtigen Beitrag zur antibiotischen Vielfalt leisten. Darüber waren sich die Experten einig, die auf einem von der Pfizer Pharma GmbH veranstalteten Pressegespräch über Therapieoptionen in Zeiten zunehmender Multiresistenz diskutierten.

 

Die Bedrohung durch multiresistente Erreger nimmt weltweit zu und entwickelt sich zu einem schwerwiegenden Problem im Gesundheitswesen, wie Prof. Reinier Mutters, Marburg, erläuterte. Bekannte Erreger weisen immer häufiger vielfache Resistenzen gegen früher bewährte Antibiotika auf. Diese werden zunehmend wirkungslos, nur wenige neue antimikrobielle Substanzen befinden sich in klinischen Studien. „Eine weitere Zunahme multiresistenter Keime ist nicht mehr tolerierbar“, so der Mikrobiologe. „Zu oft steht der behandelnde Arzt bereits jetzt ohnmächtig vor Erregern, die sich jeglicher Therapie entziehen, und fühlt sich in die prä-antibiotische Ära zurückversetzt.“

 

Eine manifeste Bedrohung geht Mutters zufolge insbesondere von ESBL (extended-spectrum β-lactamase)-bildenden Gram-negativen Keimen wie Klebsiella pneumoniae, Escherichia coli und anderen Enterobakterien aus, die gegen β-Laktamantibiotika mit Ausnahme der Carbapeneme resistent sind. Allerdings hat der übermäßig häufige Einsatz von Carbapenemen als Mittel der Wahl bei ESBL-Bildnern bedauerlicherweise auch hier bereits zu verminderter Empfindlichkeit infolge der Bildung von Carbapenemasen geführt.

 

 

Besondere Herausforderungen auf der Intensivstation

Gravierende Auswirkungen hat das Auftreten multiresistenter Keime auf der Intensivstation: Für die dort liegenden multimorbiden Patienten, die zumeist schwerwiegende Grund­erkrankungen aufweisen und oft künstlich beatmet werden müssen, bedeutet dies ein zusätzliches hohes Risiko. Hier ist laut Mutters striktes und rasches Handeln erforderlich. Dazu gehören das Einhalten von Hygienemaßnahmen, strategische Interventionen unter Zuhilfenahme innovativer Techniken und eine rationale Antibiotikatherapie. Dabei sollte einer individualisierten, an Klinik und Erreger adaptierten Therapie unter Einbeziehung der vorhandenen Antibiotikaklassen – im Rahmen einer Strategie der Nutzung der antibiotischen Vielfalt – der Vorzug vor starren Schemata gegeben werden. Das ist notwendig, um den Selektionsdruck einer einzelnen Antibiotikaklasse zu verringern und damit der zunehmenden Resistenzentwicklung entgegenzuwirken. Bis neue Antibiotikaklassen zur Verfügung stehen, werden nach Einschätzung von Mutters noch acht bis zehn Jahre vergehen. „Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, gilt es, auf die Mittel zurückzugreifen, die wir jetzt zur Verfügung haben, diese rational einzusetzen und ihre Anwendung kritischer zu hinterfragen“, fordert der Mikrobiologe.

 

Wie Dr. Peter Walger, Intensivmediziner und Infektiologe aus Bonn, erläuterte, liegt die Lösung in der Kombination von fundierter Kenntnis der hauseigenen und regionalen Resistenz- und Erreger-Daten und einer sorgfältigen Risikostratifizierung jedes erkrankten Patienten. Für diesen individualisierten Einsatz von Antibiotika in Zeiten der Multiresistenz stehen nur wenige innovative Therapieoptionen zur Verfügung. Eine davon ist Tigecyclin (Tygacil®), das einzige Breitspektrum-Antibiotikum mit neuartigem Wirkmechanismus. In den zugelassenen Indikationen – komplizierte intraabdominelle Infektionen (cIAI) und kompli­zierte Haut- und Weichgewebsinfektionen (cSSTI) – erweitert Tigecyclin das Behand­lungsspektrum, insbesondere wenn Infektionen mit resistenten Gram-positiven und/oder  mit Gram-negativen Erregern vermutet oder nachgewiesen wurden. Die hohe Aktivität von Tigecyclin gegen Gram-negative Problemkeime und andere klinisch relevante Bakterien­spezies konnte auch in vitro wiederholt belegt werden: Wie Daten des deutschen Sur­veillance-Programms G.-T.E.S.T. (German Tigecycline Evaluation and Surveillance Trial) aus dem Jahr 2009 zeigen, weisen die untersuchten Bakterienstämme seit der ersten Auswertung 2005 eine unverändert hohe Sensibilität gegenüber Tigecyclin auf.1 „Tigecyclin kann aufgrund seiner Wirksamkeit unter anderem auch gegen ESBL-Bildner eingesetzt werden, um den Selektionsdruck durch einen einseitigen und damit potenziell Resistenz-fördernden Einsatz der Carbapeneme abzumildern. Im Falle von Carbapenem-Resistenzen stellt Tigecyclin – mit Ausnahme von Pseudomonas aeruginosa – häufig die einzige noch verbleibende Therapieoption dar“, so Walger. „Die Risikokonstellationen und die Patientenbilder in der Intensivmedizin verlangen nach antibiotischen Strategien, die Substanzen wie Tigecyclin dringend benötigen.“

 

 

Tigecyclin als wichtige Option der empirischen und gezielten Therapie

Dies wurde von PD Dr. Christian Eckmann, Arzt für Chirurgie, Viszeral- und Thoraxchirurgie aus Peine, bestätigt, der Daten aus zwei kürzlich publizierten Studien zur Anwendung von Tigecyclin vorstellte. Beide belegen die gute klinische und mikro­biologische Wirksamkeit von Tigecyclin bei schwer kranken Intensivpatienten.2,3 In der unlängst unter Federführung von Eckmann3 veröffentlichten prospektiven, nicht-interventionellen multizentrischen Studie wurden die Daten von 656 Patienten (mittleres Alter 64,5 Jahre; mittlerer APACHE II-Score 19) ausgewertet. Die Behand­lung erfolgte, weil eine vorausgegangene antibiotische Therapie versagt hatte (55 Prozent) oder resistente Keime vermutet bzw. nachgewiesen wurden (45 Prozent). Bei 58 Prozent der Patienten kam Tigecyclin empirisch zum Einsatz. 51 Prozent der Patienten erhielten Tigecyclin als Mono- und 49 Prozent als Kombinationstherapie. Die Raten für eine klinische Heilung oder Verbesserung durch die Tigecyclin-Therapie betrugen 75 Prozent für cIAI und 82 Prozent für cSSTI.3

 

In den zugelassenen Indikationen hat sich Tigecyclin laut Eckmann somit als eine wichtige Therapieoption bei Patienten mit komplizierten Infektionen und Risikofaktoren für multi­resistente Erreger bewährt. „Tigecyclin erweitert vielmehr die Palette der Breitspektrum-Antibiotika für die empirische Initialtherapie und die gezielte Therapie.“ Es wird daher sowohl in aktuellen nationalen4 als auch internationalen5,6 Empfehlungen für die empirische Therapie von cIAI und cSSTI einbezogen. „Insbesondere vor dem Hintergrund steigender Resistenzen durch ESBL-Bildner sowie einer Ausbreitung Carbapenemase-bildender Keime weltweit, stellt Tigecyclin auch für die Zukunft eine wichtige Therapieoption dar“, so der Chirurg.

 

Dr. Eckmann nahm auch Stellung zur aktuellen Fachinformationsänderung von Tygacil®. Eine Auswertung der Daten aller klinischen Phase-III- und Phase-IV-Studien unter Einbeziehung eines Vergleichspräparats zeigte eine numerisch höhere Gesamt­mortalitätsrate bei Patienten, die mit Tygacil® behandelt wurden. Basierend auf dieser Auswertung werden Ärzte darauf aufmerksam gemacht, dass Tygacil® von der EMA (European Medicines Agency) nur zur Behandlung von Patienten mit komplizierten Haut- und Weichgewebsinfektionen sowie mit komplizierten intraabdominellen Infektionen zugelassen ist. Es sollte dann zum Einsatz kommen, wenn bekannt ist oder vermutet wird, dass andere Alternativen nicht geeignet sind.


Eckmann bewertete die Stellungnahme der EMA differenziert: „Zum einen handelt es sich bei der zugrunde liegenden Datenauswertung um die Gesamtmortalität und nicht um infektionsbedingte Todesfälle. Zudem ergab sich bei den Indikationen cIAI und cSSTI, für die Tigecyclin in Deutschland zugelassen ist, kein signifikanter Unter­schied in der Gesamtsterblichkeit (Tigecyclin 0,7 Prozent vs. Vergleichsantibiotika 0,8 Prozent). In die Auswertung gingen Daten zu Indikationen ein, für die Tigecyclin keine Zulassung hat.“

 

Die Sicherheit von Patienten hat bei Pfizer stets oberste Priorität. Daher hat Pfizer in enger Abstimmung mit der EMA an einer Aktualisierung der Fachinformation für Tygacil® (Tigecyclin) gearbeitet, um sicherzustellen, dass Therapieentscheidungen immer aufgrund einer umfassenden Informationsbasis und zum Wohle der Patienten getroffen werden können.

 

 

Literatur 

  1. Kresken M. et al. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2011; [im Druck; DOI: 
    10.1007/s10096-011-1197-y]
  2. Bassetti M. et al. BMC Infect Dis 2010; 10: 287
  3. Eckmann C. et al. Chemother J 2010; 19: 165-166
  4. Bodmann K.F. et al. Chemother J 2010; 19: 217-222
  5. Eckmann C. et al. Eur J Med Res 2010; 15: 554-563
  6. Eckmann C. et al. Eur J Med Res 2011; 16: 115-126

  

Pfizer – Gemeinsam für eine gesündere Welt

 

Pfizer erforscht und entwickelt mit weltweit über 100.000 Mitarbeitern moderne Arzneimittel für alle Lebensphasen von Mensch und Tier. Mit einem der höchsten Forschungsetats der Branche setzt der Weltmarktführer mit Hauptsitz in New York neue Standards in Therapiegebieten wie Krebs, Entzündungskrankheiten, Schmerz oder bei Impfstoffen. Pfizer erzielte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 67,8 Milliarden US-Dollar.

In Deutschland beschäftigt Pfizer derzeit rund 4.000 Mitarbeiter an fünf Standorten: Berlin, Düsseldorf, Freiburg, lllertissen und Karlsruhe. Pfizer hat in Deutschland 2009 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erwirtschaftet.

 

Internet: www.pfizer.de

 

 

Download

 

  • Dr. med. Peter Walger: „Risikokonstellationen und Patientenbilder in der Intensivmedizin – Welche antibiotischen Strategien werden gebraucht?“
    Abstract: Abstract_Walger.doc Abstract_Walger.doc (23.00 KB)


Quelle: Pressegespräch der Firma Pfizer Pharma zum Thema „Infektiologische Herausforderungen auf der Intensivstation: Therapieoptionen in Zeiten zunehmender Multiresistenz“ am 17.03.2011 in Berlin (Medizin und Markt) (tB).

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