Neue Daten für Candesartan bei Diabetischer Retinopathie

Mögliche Rolle des AT1-Blockers in der Prävention und Therapie*

 

Düsseldorf (25. September 2008) – Die Ergebnisse des DIRECT Studienprogramms (DIabetic REtinopathy Candesartan Trials), wurden auf der diesjährigen Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Diabetes-Forschung (European Association for the Study of Diabetes, EASD) in Rom erstmalig vorgestellt.(1) Obwohl die primären Endpunkte nicht erreicht worden sind, konnte Candesartan das Auftreten der diabetischen Retinopathie bei Typ 1-Diabetikern mit einem deutlichen Trend (p=0,0508) verringern. Bei Typ 2-Diabetikern, die an einer beginnenden Retinopathie litten, konnte Candesartan eine Umkehr des Krankheitsverlaufs (Regression) bewirken (sekundärer Endpunkt, p=0,009).

 

„Zum ersten Mal wurden die Effekte eines Sartans auf die diabetische Retinopathie in einem so umfassenden klinischen Programm mit über 5.000 Patienten untersucht, sagte Dr. med. Kai Richter, Mitglied der Geschäftsleitung und Medizinischer Direktor von AstraZeneca Deutschland. „Für die Patienten ist es von großer Bedeutung, dass Candesartan bei Typ 2-Diabetikern eine Regression dieser schwerwiegenden Erkrankung bewirken kann.“

 

Bei der diabetischen Retinopathie handelt es sich um eine fortschreitende mikrovaskuläre Erkrankung der Netzhaut. Sie ist die von Diabetikern die am meisten gefürchtete(2) Komplikation des Diabetes und in den entwickelten Ländern die häufigste Ursache für das Erblinden.(3) Bei Diabetikern ist das Risiko zu erblinden um den Faktor 25 erhöht.(4) DIRECT untersuchte in drei klinischen Studien insgesamt 5.231 Patienten. Die Ergebnisse zur diabetischen Retinopathie werden in Kürze in THE LANCET publiziert werden(5).

 

Candesartan cilexetil ist ein Angiotensin-II-Rezeptorblocker (AT1-Blocker), der in Deutschland seit Dezember 1997 zur Behandlung von Patienten mit Bluthochdruck zugelassen ist. Seit der Indikationserweiterung im Dezember 2004 hat Candesartan auch die Zulassung für die Therapie von herzinsuffizienten Patienten mit einer Pumpleistung des Herzens von unter 40 Prozent. Frühere Studien hatten nachgewiesen, dass strikte Blutzucker- und Blutdruckkontrolle die Entwicklung und das Fortschreiten der Retinopathie bei Typ1- und Typ 2-Diabetikern reduziert (6,7,8). Die Studiendaten des DIRECT Programms legen jedoch nahe, dass die positiven Effekte auf die diabetische Retinopathie nicht alleine auf eine reine Blutdrucksenkung zurückzuführen sind. Zuvor durchgeführte kleinere Studien haben einen positiven Effekt einer Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) vermuten lassen. DIRECT ist das erste große klinische Studienprogramm, das den Effekt einer RAAS-Blockade bei der diabetischen Retinopathie und hinsichtlich deren Prävention und Regression bestätigen sollte.

 

„Mit diesem in 309 Zentren und 30 Ländern durchgeführten Studienprogramm haben wir ein besseres Verständnis des Wirkungspotenzials der AT1-Blocker bei Diabetikern erlangt und unser Wissen über die Therapiemöglichkeiten der diabetischen Augenerkrankung wesentlich erweitern können“, so Richter abschließend.

 

Anmerkung

 

*Candesartan ist in der Indikation diabetische Retinopathie derzeit nicht zugelassen.

 

 

 

Weiterführende Informationen

 

DIRECT Programm

In drei separaten, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studien wurde untersucht, ob Candesartan cilexetil mit einer Zieldosis von 32 mg bei Typ 1- und Typ 2-Diabetes das Fortschreiten bzw. Neuauftreten der diabetischen Retinopathie verhindern kann (DIRECT-Prevent 1, DIRECT-Protect 1 und DIRECT-Protect 2). Die Bewertung wurde auf Grundlage der Early Treatment of Diabetic Retinopathy Study (ETDRS)-Skala** durchgeführt. Zusätzlich wurde im Gesamtkollektiv geprüft, ob Candesartan einen klinischen Nutzen bei der Prävention der früh auftretenden Mikroalbuminurie (Ausscheidung von Albumin mit dem Urin) hat. Ein entsprechender Nachweis konnte nicht erbracht werden.

Alle Patienten im DIRECT Programm waren normoalbuminurische Diabetiker ohne Bluthochdruck bzw. mit einem medikamentös gut eingestellten leichten Hypertonus.

 

DIRECT-Prevent 1 untersuchte Typ 1-Diabetiker ohne eine Retinopathie. Primärer Endpunkt war das Neuauftreten einer diabetischen Retinopathie, definiert als eine 2-stufige Verschlechterung auf der ETDRS-Skala. Hier zeigt sich, dass bei Typ 1-Diabetikern mit einem AT1-Blocker (Candesartan) das Neuauftreten (Inzidenz) der diabetischen Retinopathie um 18 % reduziert werden kann (p=0,0508). In einer Post-hoc-Analyse wurde auch die Verschlechterung um 3 Stufen auf der ETDRS-Skala untersucht. Hier konnte eine signifikante Reduktion um 35% bei der Neumanifestation einer Retinopathie im Candesartanarm der Studie nachgewiesen werden.

 

DIRECT-Protect 1 untersuchte bei Typ 1-Diabetikern, bei denen bereits eine diabetische Retinopathie bestand, den Einfluss von Candesartan auf das Fortschreiten der Erkrankung. Im Ergebnis war jedoch kein Unterschied zwischen der Candesartan- und der Placebo-Gruppe festzustellen (primärer Endpunkt, p=0,85).

 

In DIRECT-Protect 2 hat die Therapie von Typ 2-Diabetikern mit Candesartan gegenüber Placebo zu einer nicht signifikanten Verringerung des Fortschreitens der Retinopathie geführt (primärer Endpunkt, minus 13 %, p=0,2). Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine frühe Retinopathie wieder verbesserte, ein sekundärer Endpunkt der Studie, stieg jedoch unter der Candesartan-Therapie signifikant um 34 % an (p=0,009).

 

In den Behandlungsgruppen des Studienprogramms haben 80 % der Patienten über 4 bis 6 Jahre die Höchstdosis von 32 mg Candesartan cilexetil pro Tag erhalten. Dass bei den mit Candesartan und den mit Placebo behandelten Patienten vergleichbare Nebenwirkungen auftraten, ist ein Beleg für die hohe Verträglichkeit des Wirkstoffs.

 

 

DIabetic REtinopathy Candesartan Trials (DIRECT)
www.direct-results.org

 

 

** Early Treatment of Diabetic Retinopathy Study (ETDRS) Skala

 

 

Im DIRECT-Programm wurden das Vorhandensein und die Schwere der diabetischen Retinopathie anhand der sogenannten ETDRS-Skala beurteilt. Der Grad der Erkrankung wird dabei auf einer 11-Punkte-Skala bewertet. Der niedrigste Skalenwert ‘10/10’ bedeutet, dass keine Retinopathie vorliegt, der höchste Wert ‘81/81’ kennzeichnet das Vorliegen einer fortgeschrittenen proliferativen diabetischen Retinopathie beider Augen. In diesem Stadium verursachen neue Blutgefäße Blutungen im Auge, die von einem hohen Verlust der Sehfähigkeit begleitet werden.

 

 

Candesartan (Atacand®)

 

Candesartan cilexetil ist ein Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Angiotensin-II-Rezeptor-Subtyp-1-Antagonist, AT1-Blocker) aus der Wirkstoffklasse der Sartane.

 

Candesartan wirkt auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), das eine bedeutende Rolle in der Blutdruckregulation spielt. Das Peptidhormon Angiotensin II nimmt eine Schlüsselstellung in dem für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und des Wasserhaushaltes zuständigen RAAS ein. Candesartan bindet an den Subtyp 1 des Angiotensin-II-Rezeptors und blockiert ihn dadurch für die Interaktion mit Angiotensin II. Diese Blockade führt zu einer Gefäßerweiterung (Vasodilatation) und einer Blutdrucksenkung. Candesartan ist eine wirksame blutdrucksenkende Substanz mit einem sehr guten Verträglichkeitsprofil.

 

Candesartan wird von AstraZeneca in Deutschland unter dem Namen Atacand® vertrieben.

 

Atacandâ 4mg, 8mg, 16mg, PROTECT 32 mg Tabletten.

 

Wirkstoff: Candesartancilexetil. Verschreibungspflichtig.

Sonstige Bestandteile: Carmellose-Calcium, Hyprolose, Eisen(III)-oxid (8mg, 16mg und 32 mg Tabletten), Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Maisstärke, Macrogol 8000.

 

Anwendungsgebiete: Essenzielle Hypertonie, Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz und eingeschränkter linksventrikulärer systolischer Funktion (linksventrikuläre Ejektionsfraktion, LVEF£40%) zusätzlich zu ACE-Hemmern oder bei ACE-Hemmer-Intoleranz.

 

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber Candesartancilexetil oder einem der sonstigen Bestandteile. Schwangerschaft und Stillzeit. Schwere Einschränkung der Leberfunktion und/oder Cholestase.

Nebenwirkungen: Behandlung der Hypertonie: Die in kontrollierten klinischen Studien beobachteten Nebenwirkungen waren leicht u. vorübergehend u. mit Placebo vergleichbar. Häufige unerwünschte Ereignisse mind. 1% > Placebo: Benommenheit/Schwindel, Kopfschmerzen, Atemwegsinfektionen. Beobachtung von Erhöhung der Kreatinin-, Harnstoff- oder Kaliumwerte, Abnahme der Natriumwerte und geringem Absinken der Hämoglobinwerte, Erhöhungen von ALT (GPT) etwas häufiger als unter Placebo (1,3% vs. 0,5%). Regelmäßige Kontrolle der S-Kalium und S-Kreatininspiegel bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion empfohlen. Behandlung der Herzinsuffizienz: In der CHARM-Studie brachen 21,0% unter Candesartancilexetil und 16,1% der Patienten unter Placebo die Therapie ab. Nebenwirkungen (³1/100, <1/10) waren: Hypotonie, Hyperkaliämie, Einschränkung der Nierenfunktion, Anstieg von Kreatinin, Harnstoff und Kalium. Regelmäßige Kontrolle von Serumkreatinin und Kalium wird empfohlen. Nach breiter Markteinführung sehr selten Leukopenie, Neutropenie, Agranulozytose, Hyperkaliämie, Hyponatriämie, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, erhöhte Leberenzyme, Leberfunktionsstörungen oder Hepatitis, Angioödem, Hautausschlag, Urtikaria, Pruritus, Rückenschmerzen, Arthralgie, Myalgie, Einschränkung der Nierenfunktion, einschl. Nierenversagen.

 

Weitere Hinweise: siehe Fachinformation. Hergestellt unter der Lizenz von Takeda Pharmaceutical Company Ltd. Ein Produkt von AstraZeneca GmbH/Promed Arzneimittel GmbH, pharma-stern GmbH, 22876 Wedel, Stand: 07/2007

 

 

Literatur 

  1. Data presented at EASD on 11 September 2008
  2. Hopkins, M. Diabetic retinopathy: Seeing a difference. CPJ / RPC 2006; 139 (5): 30-31.
  3. Javitt, J and Aiello, L. Cost-Effectiveness of Detecting and Treating Diabetic Retinopathy. Annals of Internal Medicine, 1996: 124 (1): 164-169
  4. National Eye Institute. Health Education Leads to More Eye Exams in Group at Risk for Vision Loss. http://www.nei.nih.gov/news/pressreleases/morexam.asp. Last accessed 14 August 2008.
  5. UK Prospective Diabetes Study Group. Tight blood pressure control and risk of macrovascular and microvascular complications in type 2 diabetes: UKPDS 38. BMJ 1998;317:703-13
  6. UK Prospective Diabetes Study (UKPDS) Group. Effect of intensive blood-glucose control with metformin on complications in overweight patients with type 2 diabetes (UKPDS 34). Lancet 1998; 352:854-65.
  7. UK Prospective Diabetes Study (UKPDS) Group. Intensive blood-glucose control with sulphonylureas or insulin compared with conventional treatment and risk of complications in patients with type 2 diabetes (UKPDS 33). Lancet 1998; 352:837-53.
  8. The DIRECT Programme study Group. The DIabetic REtinopathy Candesartan Trials (DIRECT) Programme: baseline characteristics. JRAAS. 2005; 6:25-32


 

Quelle: Pressegespräch der Firma AstraZeneca zum Thema "Diabetische Retinopathie – Ergebnisse des DIRECT-Studienprogramms mit Candesartan" am 25.09.2008 in Düsseldorf (fischerAppelt).

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2020 – ONLINE
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert Anerkennung von Nicht-Psychologen in der…
DBfK: Besondere Rolle für Pflegeexpert/innen Schmerz – nicht nur in…

DIABETES

“Körperstolz”: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an
Diabetes mellitus: Ein Risikofaktor für frühe Darmkrebserkrankungen
Fastenmonat Ramadan: Alte und neue Herausforderung für chronisch Erkrankte während…
Sanofi setzt sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes…

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…
Finanzierung der ambulanten Krebsberatung weiterhin nicht gesichert
Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT

MULTIPLE SKLEROSE

Geschützt: Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…