Neue Erkenntnisse über die Verbreitung der Alzheimerkrankheit im Gehirn

 

Basel, Schweiz (8. Juni 2009) – Forschende des Universitätsspitals und der Universität Basel haben erstmals im Modell gezeigt, wie sich bestimmte Protein-Ablagerungen bei der Alzheimerkrankheit im Gehirn ausbreiten. Obwohl sie dabei auf Parallelen zu Prionen-Erkrankungen gestossen sind, halten sie eine Übertragbarkeit der Alzheimerkrankheit für eher unwahrscheinlich. Ihre Resultate wurden nun in der Fachzeitschrift "Nature Cell Biology" online publiziert.

Die Alzheimerkrankheit ist die häufigste Demenzform, an der etwa in der Schweiz derzeit rund 100.000 Patienten betroffen sind. In ihrem Gehirngewebe finden sich zwei Hauptveränderungen: einerseits Plaqueablagerungen ausserhalb der Nervenzellen und anderseits Neurofibrillenveränderungen innerhalb der Nervenzellen, die aus abnorm gefaltetem Tau-Eiweiss bestehen. Diese Tau-Veränderungen treten zuerst im Hippocampus auf und breiten sich nach einem erstaunlich stereotypen Muster auf weitere Hirnregionen aus, was mit zunehmendem Gedächtnisverlust der Patienten einhergeht. Unklar blieb bislang, wie die an einem bestimmten Ort im Gehirn beginnenden Tau-Veränderungen von Nervenzelle zu Nervenzelle auf andere Hirnregionen übergreifen.

 

Der Forschungsgruppe um Prof. Markus Tolnay vom Institut für Pathologie des Universitätsspitals und der Universität Basel ist es nun in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und einem Team von Novartis gelungen, erste Antworten darauf zu geben, und zwar anhand eines transgenen Mausmodells. Dafür spritzten sie Hirnextrakte von sogenannten Alzheimermäusen, die Tau-ähnliche Ablagerungen wie bei der Alzheimerkrankheit aufweisen, in den Hippocampus von jungen, gesunden Empfängermäusen. Bei diesen entwickelten sich am Injektionsort erstaunlicherweise bereits nach einem halben Jahr erste Tau-Veränderungen. Zusätzlich breiteten sich die Tau-Ablagerungen in ihrem Gehirn nach ähnlich stereotypem Muster aus, wie es von Alzheimerpatienten bekannt ist. Unlängst veröffentlichte Zellkulturexperimente haben zudem gezeigt, dass abnorme Tau-Aggregate von Zellen aufgenommen werden können, sodass eine Übertragung abnorm gefalteten Tau-Proteins von Zelle zu Zelle wahrscheinlich erscheint.

Die Resultate der Basler Forschenden legen die Vermutung nahe, dass die Alzheimerdemenz übertragbar sein könnte, da sie Parallelen zu den Prionenerkrankungen wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder dem "Rinderwahnsinn" aufweist. Doch laut ihren Erkenntnissen ist eine infektiöse Übertragung der Alzheimerkrankheit wohl eher unwahrscheinlich: Die Übertragung der Tau-Ablagerungen von einer Spendermaus auf eine Empfängermaus in einem sehr künstlichen experimentellen Umfeld lässt einen direkten Vergleich zu Prionenerkrankungen derzeit noch nicht zu. Trotzdem lassen die Resultate vermuten, dass in der ursächlichen Krankheitsentstehung – besonders bei der Auslösung der abnormen Eiweissfaltung – mehr Ähnlichkeiten zwischen der Alzheimerkrankheit und den Prionenerkrankungen bestehen als bisher angenommen.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Universität Basel vom 08.06.2009.

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2020 – ONLINE
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert Anerkennung von Nicht-Psychologen in der…
DBfK: Besondere Rolle für Pflegeexpert/innen Schmerz – nicht nur in…

DIABETES

“Körperstolz”: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an
Diabetes mellitus: Ein Risikofaktor für frühe Darmkrebserkrankungen
Fastenmonat Ramadan: Alte und neue Herausforderung für chronisch Erkrankte während…
Sanofi setzt sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes…

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…
Finanzierung der ambulanten Krebsberatung weiterhin nicht gesichert
Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT

MULTIPLE SKLEROSE

Geschützt: Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…