Endlich: Neue Schmerzdiagnose im ICD-10 verankert

 

Schmerzspezialisten feiern Erfolg eines fünfjährigen Kampfes

 

Boppard (6. Oktober 2008) – Nach fünf Jahre währenden Debatten feiern die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) nun die Aufnahme der Diagnose "Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren" in den Katalog der Krankheiten ICD-10 (International Classification of Diseases). Endlich wird damit die moderne Auffassung chronischen Schmerzes als bio-psycho-soziale Erkrankung gewürdigt. Damit wird auch eine angemessene multi-modale Behandlung chronischer Schmerzen sowie deren korrekte Abrechnung möglich. "Profitieren werden davon letztlich die 8 bis 10 Millionen Schmerzpatienten in Deutschland", freut sich Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Präsidentder DGSS.

 

Unter falscher Flagge
Unter chronischem Schmerz leiden ca. 17 % der deutschen Bevölkerung, am häufigsten sind Rücken-, Kopf-, Nerven- und Tumorschmerz. Schmerzen sind der Anlass für 50 % aller Arzt-Patienten-Kontakte. Die direkten und indirekten Kosten allein der Rückenschmerzen werden auf 25 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Bislang segelten Schmerzpatienten in Kliniken jedoch unter falscher Flagge: Für sie kamen nur unzutreffende Diagnosen in Frage, die entweder nur auf körperliche Erkrankungen oder ausschließlich auf psychische Probleme Bezug nahmen. Eine angemessene Behandlung, die sowohl körperliche als auch seelische und soziale Aspekte der Schmerzkrankheit berücksichtigt, war nur schwierig umzusetzen und konnte von den Krankenkassen nicht angemessen vergütet werden. Zudem blieb die tatsächliche Anzahl der Betroffenen und somit der Bedarf qualifizierter Schmerztherapie unerfasst.

13 ziehen an einem Strang
Eine Initiative innerhalb der DGSS wurde vor fünf Jahren aktiv und ging gegen diesen Missstand an. Unter ihrer Federführung zogen schließlich 13 wissenschaftliche Fachgesellschaften an einem Strang und führten jetzt eine Einigung mit den Behörden in dieser äußerst heiklen Frage herbei. "Die neue Diagnose ist für uns ein Durchbruch", unterstreicht Prof. Treede. "Zumal wir in Deutschland die ersten weltweit sind, in deren Krankheiten-Katalog das moderne Konzept des Schmerzes als bio-psycho-soziale Erkrankung verankert ist."

Hintergrund-Info
Im ICD-10 heißt es im Kapitel Somatoforme Störungen:
F45.41 Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Im Vordergrund des klinischen Bildes stehen seit mindestens 6 Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen, die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben. Psychischen Faktoren wird eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn. Der Schmerz verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Der Schmerz wird nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht (wie bei der vorgetäuschten Störung oder Simulation). Schmerzstörungen insbesondere im Zusammenhang mit einer affektiven, Angst-, Somatisierungs- oder psychotischen Störung sollen hier nicht berücksichtigt werden.


 

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS vom 06.10.2008.

 

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung