Neues Lehrformat steigert Beratungskompetenz

Fit für die Tabakentwöhnung

Göttingen (25. August 2016) – Mehr Kompetenz für die klinische Arbeit: Neues Lehrformat im Bereich Taba-kentwöhnung steigert Lernerfolg bei Studierenden und macht sie fit für die Beratung von Rauchern. Entwicklungsarbeit durch UMG-Lehrprofessur. Veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Nicotine & Tobacco Research“.

Rauchen ist nach wie vor Risikofaktor Nummer eins für Herzinfarkte. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 100.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Einfache und effektive Methoden gemäß internationalen Leitlinien können Rauchern bei der Entwöhnung helfen. Doch wie können angehende Ärztinnen und Ärzte so geschult werden, dass sie Patienten kompetent beraten und bei der Tabakentwöhnung unterstützen können? Prof. Dr. Tobias Raupach, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), hat dafür gemeinsam mit Doktorandin Ronja Herold sowie einer Psychologin und drei Fachkollegen aus Großbritannien – einem Mediziner mit dem Schwerpunkt Tabakentwöhnung, dem Leiter des National Centre for Smoking Cessation and Training, und einem Psychologen am University College London – ein neues Lehr-Modell entwickelt. Das im Rahmen der TEAM-Studie (Tabak-Entwöhnung als Ausbildungsziel im Medizinstudium) entstandene Lehrformat trainiert angehende Mediziner mit langfristigem Lernerfolg. Die Ergebnisse der Studie werden am 25. August 2016 in der Fachzeitschrift „Nicotine & Tobacco Research“ veröffentlicht.

Originalpublikation

  • Herold R, Schiekirka S, Brown J, Bobak A, McEwen A, Raupach T: Structured Smoking Cessation Training for Medical Students: A Prospective Study. Nicotine Tob Res 2016; doi:10.1093/ntr/ntw191.
    LINK zum Artikel:
    http://ntr.oxfordjournals.org/content/early/recent

„Bisher war es üblich, dass die Studierenden während des gesamten Studiums nur eine Vorlesung zu dem Thema hören. Das reicht nicht aus, um einen langfristigen Lernerfolg zu erzeugen“, sagt Prof. Raupach, Senior-Autor der Publikation. In einer großangelegten deutschlandweiten Befragung unter rund 20.000 Studierenden hatte der Göttinger Kardiologe herausgefunden: Nicht einmal jeder zehnte Medizinstudierende fühlte sich am Ende des Studiums in der Lage, Raucher kompetent zu beraten. „Wir wollten einen Weg finden, um mit relativ überschaubarem Aufwand die Beratungsfertigkeiten der Studierenden zur Tabakabhängigkeit zu verbessern“, sagt Raupach.

TEAM-Studie (Tabak-Entwöhnung als Ausbildungsziel im Medizinstudium)

Das neu entwickelte Lehrkonzept setzt auf kommunikatives und erlebtes Lernen. Den Medizinstudierenden wurden vor der eigentlichen Vorlesung die Inhalte in einem Podcast-Video zur Verfügung gestellt, die Vorlesung selber hatte dann eher den Charakter einer Diskussion. Hierzu war Robert West, Professor of Health Psychology and Director of Tobacco Studies am Cancer Research UK Health Behaviour Research Centre des University College und international renommierter Wissenschaftler zum Thema Tabakabhängigkeit, per Skype-Konferenz in den Hörsaal zugeschaltet. In einem 45-minütigen Seminar wurden die Grundprinzipien einer professionellen Raucherberatung und einer medikamentösen Entwöhnungstherapie vermittelt. „In Kleingruppen trainieren die Medizinstudierenden außerdem die Beratung mithilfe von Schauspielpatienten“, sagt Ronja Herold, Doktorandin und Erst-Autorin der Publikation. Eine geschulte Psychologin gab den Studierenden dazu Feedback. Vier Stunden Aufwand statt wie bisher nur eine Stunde – das neue Konzept zeigte Erfolg: „Auch nach einem halben Jahr stellten noch 84 Prozent der Studierenden bei einer praktischen Prüfung unter Beweis, dass sie rauchende Patienten leitliniengerecht beraten können. Im Vergleich zu 55 Prozent, die nur die eine Vorlesung gehört hatten“, sagt Raupach. Auch ein langfristiger Effekt auf das Behalten wesentlicher Wissensinhalte zum Thema wurde in der Studie gezeigt: Insbesondere die in der Entwöhnung einsetzbaren Medikamente und ihre möglichen Nebenwirkungen waren den Studierenden sechs Monate nach der intensiven Lehre besser bekannt als nach der Standard-Lehre.

Da durch eine effektive Beratung zur Tabakentwöhnung das Risiko eines Herzinfarkts drastisch gesenkt werden könne, so Raupach, seien die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten für Ärztinnen und Ärzte essentiell. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, wie Mediziner besser auf diese wichtige Aufgabe in der Patientenversorgung vorbereitet werden könnten. Das neue Lehrkonzept könne auch an anderen medizinischen Fakultäten eingesetzt werden.


Quelle: Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität , 25.08.2016 (tB).

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