Symposium DDG-Kongress 2012, BERLIN-CHEMIE AG

PRIMAS – ein neues Schulungs- und Behandlungsprogramm für Menschen mit Typ-1-Diabetes

 

  • Das erste strukturierte Schulungsprogramm speziell für erwachsene Typ-1-Patienten
  • Evaluationsergebnisse zeigen: PRIMAS verbessert HbA1c und diabetesbezogene Belastungen von Typ-1-Patienten

 

Stuttgart (16. Mai 2012) – Ab Juli 2012 ist mit PRIMAS erstmals ein Schulungs- und Behandlungsprogramm speziell für erwachsene Typ-1-Diabetiker erhältlich. Es basiert auf dem Empowerment-Ansatz und zielt auf den selbstständigen Umgang mit Diabetes im täglichen Leben. In einem Symposium der Berlin-Chemie AG auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Stuttgart* wurden jetzt die Evaluationsergebnisse vorgestellt: Das neue Programm verringerte signifikant HbA1c-Werte und diabetesbedingte Belastungen gegenüber dem traditionellen Programm und wies Vorteile bei den psychosozialen Themen auf. „PRIMAS schließt eine große Lücke“, erklärte Professor Hellmut Mehnert, München. „Wir hatten bislang kein strukturiertes, praxisnahes Schulungsprogramm für erwachsene Typ-1-Diabetiker.“

 

„Der Traum des Diabetologen ist es nach wie vor, den Typ-1-Diabetes zu heilen“, sagte Professor Dr. Jochen Seufert, Freiburg. Es gibt Ansätze wie beispielsweise die Immunintervention oder Zelltherapie, doch bleiben noch viele Fragen unbeantwortet. Demgegenüber gibt es hochwirksame medikamentöse Therapien, die jedoch trotz allen Fortschritts weiterhin die Gefahr von Hypoglykämien und Folgeschäden bergen: „Solange wir den Typ-1-Diabetes nicht heilen können, ist es notwendig, alle verfügbaren Behandlungsstrategien optimal zu nutzen“, betonte er. „Dabei können neue Schulungsprogramme optimal helfen.“

 

 

Die Schulungssituation von Typ-1-Patienten: Höchste Zeit für Fortschritte

 

Die Studie PRIMASCOPE zeigt deutlich, dass eine neue zeitgemäße Schulung für Typ-1-Diabetiker erforderlich ist. Die Studie erfasste die aktuelle Schulungspraxis bei Typ-1-Diabetikern in 818 Diabetes-Schwerpunktpraxen per Fragebogen und deckte Lücken auf: Jeder vierte Typ-1-Patient wurde noch nie geschult, und bei 47,7 Prozent der Geschulten lag der Kurs schon mindestens fünf Jahre zurück [1], wobei vor allem Zeitprobleme auf Seiten der Patienten als Grund für eine Nicht-Teilnahme angegeben wurden. „Der Nachschulungsbedarf ist aber schon nach zwei Jahren hoch“, betonte Dominic Ehrmann, Bad Mergentheim.

 

Insgesamt lag die Zufriedenheit der Ärzte mit den vorhandenen Programmen im mittleren Bereich (6 von 10 Punkten), wobei zum Teil eine Diskrepanz zwischen dem Bekanntheitsgrad eines Programmes und der Zufriedenheit mit diesem auftrat. Speziell bei dem üblichen, aus den 80er Jahren stammenden Schulungs- und Behandlungsprogramm für die intensivierte Insulintherapie (ZI für ICT) wurden die psychosozialen Themen als verbesserungsfähig eingestuft: 4,4 von 10 Punkten [2]. Dabei zählen nach Ansicht der befragten Ärzte neben medizinischen Themen wie Hypoglykämien oder Insulinanpassung in Verbindung mit Ernährung und Bewegung vor allem Themen wie Selbstmanagementfähigkeiten, Lebensqualität und Motivation zu den wichtigsten Schulungsinhalten [3].

 

 

PRIMAS verbessert medizinische und psychosoziale Parameter

 

Von der neuen Schulung mit PRIMAS** profitierten in der Evaluationsstudie mit 161 Typ-1-Patienten sowohl die medizinischen als auch die psychosozialen Bereiche [4]. In der Studie wurde PRIMAS mit dem bisher häufig angewendeten ZI-Programm (jeweils 12 Kurseinheiten à 90 Minuten) verglichen. Nach sechs Monaten wurde Bilanz gezogen: „Die Analyse zeigt, dass PRIMAS den HbA1c effektiv verbesserte“, stellte Professor Dr. Norbert Hermanns, Bad Mergentheim, fest. So sank der HbA1c-Wert nur im PRIMAS-Arm, nicht aber im Kontrollarm (p = 0,018). Dabei nahmen schwere Hypoglykämien trotz des verbesserten HbA1c deutlich ab. „Auch das Empowerment und die Zufriedenheit mit der Insulintherapie stiegen mit der PRIMAS-Schulung. Gleichzeitig gingen diabetesbezogene Belastungen signifikant zurück“, präsentierte Hermanns die Ergebnisse. Obwohl das Diabeteswissen in beiden Gruppen ähnlich zunahm, fühlten sich nur PRIMAS-Patienten signifikant besser in der Lage, ihre Insulintherapie selbstständig zu regeln. Im Vergleich zur ZI-Schulung konnten die Patienten zudem ihre Ziele besser umsetzen. Dementsprechend würden auch mehr PRIMAS-Patienten als ZI-Patienten ihr Schulungsprogramm weiterempfehlen. „Die Ergebnisse zeigen, dass PRIMAS effektiv ist. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dieser methodisch aussagekräftigen Studie alle Kriterien erfüllen, die für die Zertifizierungen durch das Bundesversicherungsamt und durch die Fachgesellschaft erforderlich sind“, fasste Hermanns zusammen.

 

 

PRIMAS: Empowerment statt Compliance kommt bei den Patienten gut an

 

Das Projekt des Forschungsinstituts der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) und der BERLIN-CHEMIE AG wurde in Zusammenarbeit mit 28 Studienpraxen entwickelt. Das erste strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramm speziell für erwachsene Typ-1-Patienten zielt auf ein selbstbestimmtes Leben mit Diabetes. PRIMAS setzt mit seinen modernen, leitliniengerechten Inhalten den Patienten in den Mittelpunkt und den Erhalt der Lebensqualität als wichtiges Therapieziel. In 12 Kurseinheiten à 90 Minuten wird nicht nur Diabeteswissen, etwa zu Ernährung und Glukosewerten, vermittelt, sondern moderne Didaktik genutzt: „PRIMAS basiert auf dem Selbstmanagement- und Empowerment-Ansatz“, beschrieb Privatdozent Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim. „Es unterstützt die Patienten beim Erwerb der notwendigen Fähigkeiten für einen möglichst selbstständigen Umgang mit Diabetes im Alltag.“

 

Viel Wert wird deshalb darauf gelegt, dass die Teilnehmer das Erlernte zwischen den Stunden umsetzen und im Kurs intensiv Erfahrungen austauschen – so können sie voneinander lernen. „Das ist wichtig“, bestätigte Dr. Ludger Rose, Münster: „Die Teilnehmer geben ihre Erfahrungen weiter, setzen sich mit den Erlebnissen der anderen auseinander und profitieren nachhaltig von dem Austausch.“ Rose war an der Entwicklung und Evaluation des neuen Programms beteiligt. PRIMAS wurde von seinen Patienten sehr gut angenommen und motivierte sie. Insbesondere die Schablonen der Insulin-Wirkverläufe wurden gerne genutzt: Sie erleichtern es den Patienten, sich Wirkspiegel und Überlappungen zu verdeutlichen. „Die Schulung mit PRIMAS“, so die Einschätzung des Diabetologen, „ist effektiv und nachhaltig“.

 

 

Wie geht es weiter?

 

„PRIMAS hilft, Typ-1-Patienten in der Praxis gut zu schulen“, fasste Professor Dr. Thomas Haak, Bad Mergentheim, zusammen. „Typ-1-Diabetes hat viel mit Lebensqualität zu tun, und je besser die Patienten mit ihrer Erkrankung umgehen, umso mehr profitiert ihre Lebensqualität. Das wiederum verbessert den Umgang mit der Erkrankung. Hier kann PRIMAS seinen Beitrag leisten.“ Damit das neue Schulungsprogramm von den Krankenkassen vergütet werden kann, muss es nach der Publikation der Evaluationsstudie noch zertifiziert werden. Danach können die Krankenkassen es in die Disease-Management-Programme aufnehmen.

 

 

Die Materialien zu PRIMAS sind unter www.diabetesschulungsprogramme.de  erhältlich.

 

Die Trainer-Materialien bestehen aus: Schulungskoffer mit Curriculum „Erfolgreich schulen“, CD mit Kursstunden (optional Folien-Ordner-Set), Patientenset „Selbstbestimmt  leben mit Insulin“, Set „Diabetes und ich“, Ernährungsquiz „Essen was schmeckt“. Das Patienten-Set besteht aus: Buch „Selbstbestimmt leben mit Insulin“, Insulinschablonenset „So wirkt mein Insulin“, Arbeitsblätter, Diabetestagebuch, Ernährungstabelle „Kohlenhydrate auf einen Blick“.

 

 

  • * Quelle: Symposium der Berlin-Chemie AG "PRIMAS – ein neues Schulungs- und Behandlungsprogramm für Menschen mit Typ-1-Diabetes" im Rahmen der 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2012 am 16.5.2012 in Stuttgart.
  • ** Der Name PRIMAS entstand aus der Assoziation der Begriffe "Typ-1-Diabetes" und "primus" (lateinisch: 1). Außerdem wurden daraus die Anfangsbuchstaben der sechs fiktiven Protagonisten gebildet, denen die Patienten im Kurs immer wieder begegnen: Paul, Rita, Ingo, Murat, Anne und Sonja.

 

 

Literatur

  1. Kulzer B et al. „Ambulante strukturierte Schulung bei Typ-1-Diabetes“, Poster 122, 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2012
  2. Kulzer B et al. „Bewertung strukturierter Schulungs- und Behandlungsprogramme“, Poster 123, 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2012
  3. Hermanns N et al. „Welche Inhalte sind für Menschen mit Typ-1-Diabetes relevant?“, Poster 121, 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2012
  4. Präsentation der Daten im Rahmen der 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2012: Symposium der Berlin-Chemie AG "PRIMAS – ein neues Schulungs- und Behandlungsprogramm für Menschen mit Typ-1-Diabetes"


 

Quelle: Symposium der Berlin-Chemie AG "PRIMAS – ein neues Schulungs- und Behandlungsprogramm für Menschen mit Typ-1-Diabetes" im Rahmen der 47. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2012 am 16.5.2012 in Stuttgart (tB).

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