Intensivpatienten – immer mehr Ältere und Mehrfachkranke

Richtige Ernährung besonders bei geriatrischen Intensiv-Patienten wichtig

 

Irsee (5. November 2009) – Die Patienten einer Intensivstation im Krankenhaus haben im Durchschnitt ein immer höheres Alter und leiden an mehreren Erkrankungen. Grund dafür ist unsere demographisch immer älter werdende Gesellschaft und die kontinuierlich steigende Lebenserwartung. „Wir müssen und deshalb besser auf diese Entwicklung speziell bei der Betreuung von Patienten auf der Intensivstation einstellen,“ sagte Prof. Dr. Cornel Sieber, Lehrstuhl für Innere Medizin, Institut für Biomedizin des Alterns am Universitätsklinikum Nürnberg, anlässlich einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) im schwäbischen Irsee.

 

Besonders die häufig bereits bestehende Mangelernährung eines auf die Intensivstation eingelieferten Patienten sorge für einen schwereren Verlauf der Erkrankung, längere Liegezeiten und höhere Sterberaten von geriatrischen Intensivpatienten. Der Hauptanteil der Intensivpatienten in Nürnberg sind Menschen zwischen 60 und 80 Jahren, die nach Operationen, Unfällen, Schlaganfall oder Herzerkrankungen auf die Intensivstation eingeliefert werden. „Es gibt für diese Patienten bisher keine individuelle Ernährungstherapie oder Leitlinien, wie eine optimale Ernährung gewährleistet werden kann,“ sagte Prof. Sieber. Deshalb fordere er spezifische Leitlinien, die das bisherige geriatrische Wissen speziell auf Intensivpatienten übertrage. In jedem Fall müsse eine sofortige unterstützende Ernährung für Intensivpatienten gewährleistet werden, zum Beispiel durch zusätzliche künstliche Sondennahrung, da sonst bereits in kürzester Zeit Muskelmasse abgebaut werde. Typisch für den alten Menschen sei auch, dass er in der Rekonvaleszenzphase nicht wie Jüngere vermehrt Appetit habe und so den Verlust meistens nicht mehr aufholen könne.

 

 

Die Menschheit wird immer älter

 

Die Zahl der über 65-Jährigen lag 1990 in Deutschland bei rund 15 Prozent der Bevölkerung, das sind etwa 8,7 Millionen Menschen. Durch die steigende Lebenserwartung wird sich die Zahl bis zum Jahr 2050 auf rund 18 Prozent und damit 14,4 Millionen gesteigert haben. In China gab es 1990 rund 5,6 Prozent (63 Millionen Menschen) über 65-Jährige. 2050 werden es geschätzt 22,6 Prozent (334 Millionen Menschen) sein. Dadurch wird die Versorgung von geriatrischen Patienten immer mehr in den Mittelpunkt treten. Intensivmedizin ist nur ein Teil der Gesamttherapie und kann nicht heilen. Vielmehr bietet sie kurzfristige Unterstützung, um das Organsystem zu unterstützen, Komplikationen zu vermeiden und den Patienten 24-Stunden engmaschig zu beobachten und zu behandeln. Um aber eine wirkliche Hilfe für den geriatrischen Patienten zu ermöglichen, müssen die Grunderkrankungen geheilt werden. „Da tritt dann sehr explizit die richtige Ernährung in den Mittelpunkt,“ sagte Prof. Sieber. Viele ältere Menschen leiden unter eine Mangelernährung, die sich besonders in der Sarkopenie äußert. Dabei nimmt die Muskelmasse immer mehr ab und es gibt immer häufiger funktionelle Einschränkungen. Bei älteren Menschen führt das dann häufiger zu Stürzen und anschließend zu weiteren Erkrankungen, weil sie nicht mehr mobil sind, unter Appetitlosigkeit leiden und dementsprechend andere Erkrankungen entwickeln. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Sarkopenie eine zunehmende soziale und ökonomische Rolle spielen. Durch die Effekte der Mangelernährung verlängern sich die Liegezeiten in Krankenhäusern, die Erkrankung verläuft wesentlich schwieriger, die Kosten steigern sich und nicht zuletzt versterben mehr Menschen als Kranke mit einem guten Ernährungsstatus.

 

 

Body-Maß-Index und Unterschenkeldurchmesser

 

Um bei älteren Patienten auf der Intensivstation richtig einzuschätzen, ob sie bereits an einer Mangelernährung leiden und es nicht möglich ist, den konkreten Body Maß Index (BMI) festzustellen, können die betreuenden Personen zum Beispiel über den Umfang des Unterschenkels des Patienten feststellen, ob eine unterstützende Ernährungstherapie angezeigt ist. Ist der Umfang geringer als 31 Zentimeter muss schnell eine spezifische Ernährungstherapie eingeleitet werden. Die Überlebensrate von Intensivpatienten liegt laut einer Studie direkt nach Verlassen der Intensivstation bei den 75 bis 79-Jährigen bei 68 Prozent, drei Monate danach leben noch etwa 56 Prozent dieser Patienten, bei den 80 bis 84-Jährigen können rund 75 Prozent die Intensivstation lebend verlassen, drei Monate später sind aber 51 Prozent von ihnen verstorben.

 

Um die Ernährungssituation von geriatrischen Patienten auf der Intensivstation zu verbessern, ist es laut Prof. Sieber wichtig, die richtigen Mengen an Energie den Patienten zu verabreichen. Hier können die Leitlinien der ESPEN (European Society of Clinical Nutrition and Metabolism) die richtigen Hinweise geben.

 

 

Download Leitlinien

 

Zu finden sind die Leitlinien unter http://www.espen.org/espenguidelines.html

 


 

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. vom 05.11.2009 (tB).

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