Übergewicht bei Diabetes Typ 2 erfolgreich verringern

 

Bochum (24. Juli 2008) – Sind Menschen mit Diabetes Typ 2 übergewichtig, besteht ein erhöhtes Risiko für Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen. Um das Gewicht zu verringern, reichen in der Regel Medikamente nicht aus. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat deshalb in Zusammenarbeit mit drei anderen Fachgesellschaften die bestehende Leitlinie zur kombinierten Ernährungs-, Bewegungs-, Verhaltens- und medikamentöse Therapie ergänzt. Sie empfehlen eine Ernährungstherapie in vier Stufen.

Rund 85 Prozent der Menschen mit Diabetes Typ 2 sind übergewichtig oder sogar adipös. Die WHO empfiehlt in diesem Fall, das Gewicht um 10 bis 20 Prozent des Ausgangsgewichts zu verringern. "Ein Ziel, das allein mit Medikamenten schwer zu erreichen ist. Betroffene sollten ihren Lebensstil ändern, das heißt regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining und energiearme Kost", betont Professor Dr. med. Alfred Wirth, Ärztlicher Direktor der Teutoburger-Wald-Klinik, Bad-Rothenfelde.

 

Die neue Ernährungstherapie sieht eine individuelle Reduktionsdiät vor. In der ersten von vier Stufen verringern Übergewichtige ihren Fettkonsum auf weniger als 60 Gramm pro Tag. Der durchschnittliche Deutsche nimmt etwa doppelt so viel Fett pro Tag zu sich. Innerhalb von sechs Monaten ist so eine Gewichtsabnahme von vier Kilogramm möglich. Stufe zwei sieht vor, weniger Nahrungsmittel mit einer hohen Energiedichte zu konsumieren. Dazu zählen beispielsweise Kartoffeln, Getreideprodukte, Fleisch oder Säfte.

Eine Mischkost aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten führt bei extrem Adipösen oft jedoch noch nicht zum Erfolg. Deshalb sehen die Stufen drei und vier der Ernährungstherapie zusätzlich Formula-Produkte vor. Hierbei handelt es sich um einen Fertigdrink, eine Suppe oder einen Riegel, der in Stufe drei ein oder zwei Mahlzeiten am Tag ersetzt. Die enthaltene Kalorienmenge ist genau festgelegt. So fällt es den Betroffenen leichter die exakte Energiemenge einzuhalten, die der Ernährungsplan vorgibt. Professor Wirth betont, dass es zu diesen Produkten unterschiedliche Expertenmeinungen gibt. In Studien hätten sie jedoch gute Ergebnisse erzielt. Einige der Experten empfehlen, in einer vierten Stufe alle Mahlzeiten durch Formula-Produkte zu ersetzten. Dies sollten Betroffene jedoch höchstens drei Monate durchführen.

Dass eine Änderung des Lebensstils wirksam ist, bewiesen bereits die Einjahresdaten der "Look AHEAD Studie": Adipöse Typ-2-Diabetes-Patienten, die ihren Lebensstil unter Anleitung änderten, reduzierten unter anderem stärker ihr Körpergewicht, als Patienten, die eine Standardtherapie erhielten. Um die Lebensstiländerung dauerhaft durchzuhalten, empfiehlt Wirth sich einer Therapiegruppe anzuschließen. Führen nach einem Jahr weder Medikamente noch die Ernährungs- und Bewegungstherapie zur gewünschten Gewichtsabnahme, sollte ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Die aktualisierte Leitlinie steht im Internet unter www.adipositas-gesellschaft.de zur Verfügung.

Quellen

Werbung

Wirth, A.: Internistische Therapie des extrem adipösen Typ-2-Diabetes-Patienten, Der Diabetologe 2008; 4: 272-277

Pi-Sunner X, Blackburn G, Brancati FL et al; Look AHEAD (Action for Health in Diabetes) Studie: Reduction in weight and cardiovascular disease risk factors in individuals with type 2 diabetes: one-year results of the look AHEAD trial. Diabetes Care 2007, 30(6): 1374-1383;


Quelle: Presseinformation dr Deutschen Diabetes-Gesellschaft vom 24.07.2008.

MEDICAL NEWS

Monoclonal antibody therapy for COVID-19 safe, effective for transplant patients
Having trouble falling asleep predicts cognitive impairment in later life
SARS-CoV-2 detectable — though likely not transmissible — on hospital…
Waking just one hour earlier cuts depression risk by double…
Moving one step closer to personalized anesthesia

SCHMERZ PAINCARE

Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Risikobasiertes Brustkrebs-Screening kosteneffektiv
Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung
Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?

MULTIPLE SKLEROSE

Patienteninformationen zu Interferon-beta-Präparaten
Zulassung des S1P Modulators Ponesimod zur Behandlung von erwachsenen Patienten…
Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?

PARKINSON

Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga