Umdenken bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes

Gewichtsabnahme ist zentrales Ziel der Diabetestherapie

 

Berlin (11. November 2011) – Etwa 60 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sind übergewichtig und 20 Prozent leiden an Adipositas. Die „Fettleibigkeit“ ist eine chronische Krankheit, die mit einer verkürzten Lebenserwartung, Verlust an Lebensqualität und nicht zuletzt einem hohen Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht. Zentrales Ziel der Diabetesbehandlung ist es, das Körpergewicht zu reduzieren. Über neue Strategien bei der Therapie von Diabetes und Adipositas diskutieren Experten auf der 5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Veranstaltung findet vom 11. bis 12. November 2011 in Berlin statt.

 

Wenn Ärzte die Diagnose „Typ-2-Diabetes“ stellen, raten sie ihren Patienten meist dazu, ihre Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen. Sprich, ihren Lebensstil zu ändern. „Eine nur moderate Gewichtsabnahme von etwa fünf Kilogramm kann bei Patienten bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes eine Abnahme des HbA1c um etwa zwei Prozent bewirken und somit die Stoffwechsellage deutlich verbessern“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Hamann, Leiter der Diabetologischen Schwerpunktpraxis in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim.

 

Doch einfach ist das Abnehmen nicht. Für Patienten, die Diabetesmedikamente einnehmen, ist es sogar besonders schwer, Pfunde zu verlieren. Ein Großteil nimmt eher an Gewicht zu. Denn während die Antidiabetika den hohen Blutzuckerspiegel senken, stimulieren sie gleichzeitig die Ausschüttung von Insulin. „Dieses Zuviel an Insulin in dieser frühen Erkrankungsphase macht es dem Patienten schwer bis unmöglich, sein Gewicht zu verringern oder zu halten“, erklärt Hamann.

 

Klar ist: Eine erfolgreiche Behandlung von Adipositas und Diabetes sollte von Anfang an das Körpergewicht in die Therapieplanung einbeziehen. Inzwischen stehen den behandelnden Ärzten hierfür auch Antidiabetika zur Verfügung, die das Körpergewicht nicht weiter erhöhen oder sogar zu einer stärkeren Gewichtsabnahme führen.

 

Darüber, ob chirurgische Maßnahmen wie etwa Magen-Bypass Operationen oder das Einsetzen eines Magenbandes die Therapie sinnvoll ergänzen können, sind sich die Experten bislang nicht einig. Während manche diese Möglichkeit als Chance sehen, die Stoffwechsellage zu verbessern und Langzeitschäden durch die Diabeteserkrankung abzuwenden, warnen andere vor den Operationsrisiken und Nebenwirkungen wie Vitaminmangel, Unterzuckerungen und Depressionen.

 

„Das Körpergewicht ist von zentraler Bedeutung, wenn es um die Behandlung – aber auch die Prävention – von Typ-2-Diabetes geht. Wir können diesem Thema nicht genug Aufmerksamkeit schenken“, erklären die Tagungspräsidenten Privatdozent Dr. med. Michael Hummel und Privatdozent Dr. med. Martin Füchtenbusch von der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München im Vorfeld der DDG Herbsttagung.

 

Auf der zweitägigen Veranstaltung informieren Experten Haus- und Fachärzte über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Therapie von Typ 2 Diabetes und Adipositas. Professor Dr. med. Andreas Hamann wird auf der Pressekonferenz zur Tagung, am 11. November 2011, im ICC Berlin in die Thematik einführen. Das vollständige Tagungsprogramm der DDG Herbsttagung vom 11. bis 12. November 2011 im ICC Berlin ist im Internet unter www.herbsttagung-ddg.de abrufbar. Direkt im Anschluss an die Herbsttagung findet der von diabetesDE ausgerichtete Weltdiabetestag am 13. November 2011 – ebenfalls im ICC – statt.

 

 


Quelle: 5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), 11.11.2011 (tB).

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