Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands (VPU)

Zu den Ereignissen im Berliner Universitätsklinikum Charité

 

Berlin (30. November 2012) – Besorgt verfolgt der VPU, Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands, die Ereignisse an der Berliner Charité. Aus unserer Sicht greifen die gegenwärtigen Versuche, die Vorgänge allein auf das menschliche Versagen Einzelner zu reduzieren, deutlich zu kurz. Die strukturellen Rahmenbedingungen, in denen die Pflege an der Charité wie in manch anderer Klinik Deutschlands agiert, erhöhen die Wahrscheinlichkeit für unentschuldbares Fehlverhalten deutlich. Speziell die Kombination aus zwei Risikofaktoren halten wir für besonders pathogen: eine systematische personale Unterversorgung und die unzureichende Einbindung des Pflegedienstes in die Organisations- und Entscheidungsstrukturen.

 

Seit der Einführung der Fallpauschalierten Vergütung (DRG) kompensieren insbesondere die Pflegedienste mit massivem Personalabbau die immer stärker auseinandergehende Schere zwischen Kostensteigerungen und Leistungsentwicklungen. Die bundesweit unterschiedlichen Basisfallvergütungen liegen insbesondere in Berlin unter dem Bundesdurchschnitt und beeinflussen die unzureichenden personellen Ausstattungen besonders negativ. Gleichzeitig wird die Pflege, wie seit 2003 in Berlin, aus dem Klinikumsvorstand als strategischem Entscheidungsgremium herausgedrängt. Pflegende und Pflegeleitungen werden so von der unternehmerischen Mitverantwortung wirksam entfremdet.

 

Im Ergebnis beider Risikofaktoren stehen kurzfristige Kostenvorteile langfristig wirkenden Qualitätsdefiziten und Verhaltenserosionen gegenüber. Dann fühlen sich auch die pflegerischen Leiter und Leistungsträger mitunter auf verlorenem Posten, jeden im Team zu erreichen und nicht zu verlieren.

 

Auch in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung sind Regelabweichungen und Übergriffe nicht auszuschließen. Doch gerade in einem hochkomplexen Gebilde wie  einer Universitätsklinik mit Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge müssen die wesentlichen Leistungsträger, Medizin wie Pflege auch die Mittel erhalten, ihre ureigene Fachkompetenz hochqualitativ zu verwirklichen und auf universitärem Niveau weiterzuentwickeln. Ein zentral tätiger Kommunikations-Manager wird im besten Fall das Symptom kurieren, die Leitungskräfte in ihrer ureigenen Führungsaufgabe „Kommunikation nach oben und unten“ aber nur noch weiter aus ihrer Verantwortung entlassen. Die Charité braucht mehr, nicht weniger Einbindung der jetzt schon zahlreichen Managementebenen.

 

Dieses wird von den Pflegenden selbst auch in den jeweiligen Einrichtungen wahrgenommen. Die fehlende Einbindung und Wertschätzung steht in einem eindeutigen Widerspruch zu Kriterien moderner Führungsansätze. Nur wenn strukturelle Mängel bei allen Leistungsgruppen im interdisziplinären Zusammenwirken vermieden werden, kann die erforderliche Führungs- und Vertrauenskultur hergestellt werden, welche die Risikofaktoren minimiert und den konstruktiv professionellen Umgang mit Fehlern sicherstellt.


 

Über den VPU

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Seit seiner Gründung im Jahr 1995 nimmt der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V., VPU, engagiert die Interessen seiner Verbandsmitglieder auf allen Gebieten der ambulanten und stationären Krankenversorgung, der Prävention, Gesundheitsförderung, Rehabilitation und Nachsorge wahr. Die Ressorts Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, Personal und Management betreuen innerhalb des Verbands verschiedene Projekte. Dem VPU gehören derzeit PflegedirektorInnen von 32 Universitätskliniken mit insgesamt ca. 60.000 Beschäftigten in Pflegeberufen an. Vorsitzende des VPU ist Irene Maier, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Essen. Der Verbandssitz ist Berlin. Mehr über den VPU unter www.vpu-online.de

 


 

Quelle: Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands (VPU), 30.11.2012 (tB).

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