Wahrnehmungsrückgang im Lebensalter

 

Mannheim (4. Januar 2011) – Wissenschaftler haben jetzt einen Zusammenhang nachgewiesen zwischen der Wirtschaftslage bei der Geburt eines Menschen und seinen kognitiven Fähigkeiten im Alter. Demnach wirken sich bei Menschen, die während einer Rezession geboren sind, in späteren Jahren schwere Rückschläge stärker auf die geistige Erkenntnisfähigkeit aus als bei Kindern aus Boom-Zeiten. Die Ergebnisse sind in der jüngsten Ausgabe des „Economic Journal“ veröffentlicht.

 

Die Forschung Professor van den Bergs und seiner Kollegen zeigt: Menschen die eine schwere Krise wie den Tod eines Elternteils, eines Geschwisters oder eines Enkelkindes erlebt oder die eine schwere Krankheit, wie einen Schlaganfall, erlitten haben, leiden in der Folge unter einem deutlichen Rückgang ihrer kognitiven Fähigkeiten. Die Auswirkungen sind dabei noch stärker, wenn die Betroffenen in einer schwierigen Konjunkturlage geboren wurden. Besonders stark ist dieser Effekt den Arbeiten van den Bergs zu Folge bei Frauen.

 

Was passiert mit unseren geistigen Fähigkeiten, wenn wir älter werden? Wie viele von uns werden unter zunehmender Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, Formulierungsschwierigkeiten oder sogar unter Demenz und Parkinson leiden?

 

Auch wenn man aufgrund physiologischer Prozesse generell von einer Abnahme der Gehirnleistung mit zunehmendem Alter ausgeht, so gibt es doch enorme Unterschiede zwischen älteren Menschen. Manche bleiben ihr ganzes Leben lang geistig hoch leistungsfähig, während andere einen deutlichen Abbau ihrer geistigen Fähigkeiten erleiden. Sieht man von genetischen Faktoren jedoch ab, was ist verantwortlich für diese Variation?

 

Die bisherige Forschung gibt Hinweise, dass schwierige Lebensbedingungen während der Entwicklung des Gehirns in den ersten Lebensjahren sich auf kognitive Fähigkeiten im späteren Leben auswirken und unter Umständen zu neurologischen Erkrankungen führen, wie Demenz, Alzheimer und Parkinson. Zu den am meisten untersuchten Faktoren in den ersten Lebensjahren zählen Ernährung, Stress, Krankheiten oder die Belastung mit chemischen Schadstoffen.

 

Die neue Studie berücksichtigt nun den wirtschaftlichen Konjunkturverlauf, um die Bedingungen in der frühen Lebensphase der Menschen zu charakterisieren. Die grundlegende Idee dabei ist, dass die Geburt in einer Rezession unerwartete Einkommensausfälle und nachteilige wirtschaftliche Bedingungen in vielen Haushalten verursachen kann. Dies kann wiederum zu einer verschlechterten Ernährung, zu nachteiligen Wohnverhältnissen und zu einem vergrößerten Stressniveau in dem Haushalt führen.

 

Die Studie analysiert niederländische Langzeitdaten. Die Datenbasis – die Longitudinal Aging Study Amsterdam (LASA) – verfolgt die Entwicklung von mehr als 3000 Menschen, die zwischen 1908 und 1937 geboren wurden, über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren. Die kognitiven Fähigkeiten werden durch zwei häufig genutzte Indikatoren gemessen, um einzuschätzen, wie stark die kognitiven Leistungen bei älteren Menschen zurück gegangen sind und um zu erfassen, wie geistig flexibel die Probanden sind – wie gut sie also neue Informationen verarbeiten können, eine Eigenschaft, die besonders stark abhängig vom Alter ist.

 

Die Forscher vergleichen Menschen, die während ihres ersten Lebensjahres einer Rezession ausgesetzt waren, mit ähnlichen Personen, die in besseren wirtschaftlichen Zeiten geboren wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Schlaganfälle verheerendere Auswirkungen zur Folge haben, wenn die Person während schlechter Wirtschaftsbedingungen geboren wurde – und dass auch die Fähigkeit, sich von Gehirnschlägen zu erholen, in solchen Fällen unwahrscheinlicher ist.

 

Diese Ergebnisse können nicht durch Unterschiede des individuellen Hintergrundes erklärt werden, wie dem Bildungsabschluss, vorübergehenden Krankheiten und anderen Bestimmungsgrößen des Sterblichkeits-Risikos. Die Effekte sind für Frauen stärker als für Männer.

 

Einschneidende Ereignisse im Leben älterer Menschen werden bereits von Pflegekräften beachtet und können als wichtiges Warnsignal einer künftigen Abnahme kognitiver Fähigkeiten dienen. Wenn, wie diese Forschungsarbeit zeigt, frühkindliche Lebensbedingungen einen Einfluss darauf haben, wie sich im späteren Leben Rückschläge auf Menschen auswirken, dann ist es wichtig, Menschen genauer zu beobachten, die von solchen Ereignissen betroffen sind und während schlechter Zeiten geboren wurden.

 

Notes for editors: ‘The Role of Early-life Conditions in the Cognitive Decline due to Adverse Events Later in Life’ by Gerard van den Berg, Dorly Deeg, Maarten Lindeboom and France Portrait is published in the November 2010 issue of the Economic Journal.

 

 


Quelle: Universität Mannheim, 04.01.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…