Dekubitusgeschwür. Photo: WikipediaBVMed-Dekubitus Forum

Unterversorgung von Risikopatienten mit Antidekubitus-Hilfsmitteln

 

Berlin (21. Februar 2012) – Patienten, die ein erhöhtes Risiko für ein Druckgeschwür (Dekubitus) haben, werden in Deutschland nicht ausreichend versorgt. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage des Dekubitus Forums des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) an dem sich rund 750 ambulant und stationär tätige Pflegekräfte beteiligt haben. Nach den Umfrageergebnissen besteht bei rund einem Drittel der vom Pflegedienst betreuten Menschen ein erhöhtes Dekubitusrisiko. Antidekubitussysteme kommen aber nur bei knapp 40 Prozent dieser Risikopatienten zum Einsatz, obwohl gefährdete Patienten nach dem Sozialgesetzbuch und dem Hilfsmittelverzeichnis Anspruch auf ein Antidekubitus-Hilfsmittel haben.

 

Eine zweite Umfrage, an der sich knapp 200 Patienten und Angehörige beteiligten, zeigte außerdem, dass Betroffene generell zufriedener mit der Auswahl ihres Hilfsmittels sind, wenn sie an der Auswahl des Produktes aktiv beteiligt waren. 70 Prozent der befragten Patienten, die Antidekubitus-Hilfsmittel nutzen, haben sich den Versorger selbst ausgesucht. 55 Prozent der Patienten wählten das Hilfsmittel selbst aus, 22 Prozent trafen die Auswahl gemeinsam mit dem Versorger. Die Zufriedenheit mit dem ausgewählten Produkt ist mit einem Wert von 84 Prozent dabei sehr hoch.

Die beiden Umfragen ergaben zusätzlich, dass die selbstständige Auswahl des Antidekubitus-Hilfsmittels meist gut informierten Patienten wie beispielsweise aktiven Rollstuhlfahrern vorbehalten ist. Ältere Patienten in stationären Pflegeeinrichtungen sind oftmals nicht dazu in der Lage, aktiv an der Hilfsmittelauswahl mitzuwirken und somit auf die Entscheidung anderer angewiesen. „Es besteht die Gefahr zweier Versorgungsklassen bei Patienten mit Dekubitus. Deshalb sollten auch passive Patienten bzw. ihre Angehörigen in den Auswahlprozess mit einbezogen werden“, so Daniela Piossek, Sprecherin des Dekubitus Forums. Bei der Befragung der Pflegekräfte stellte sich heraus, dass 55 Prozent der Meinung waren, Krankenkassen hätten den größten Einfluss auf die Auswahl des Hilfsmittels. Weiterhin empfanden fast zwei Drittel der Pflegekräfte den Produktpreis als häufigstes Entscheidungskriterium. Ausschlaggebendes Kriterium sollten nach Ansicht der Befragten allerdings die Wünsche der Patienten und Angehörigen sein.

Die Befragung hat zudem gezeigt, dass die Betroffenen nicht ausreichend in die Auswahl ihres Hilfsmittels mit einbezogen werden. „Das Probesitzen ist bei der Versorgung von Rollstuhlfahrern mit Antidekubituskissen äußerst wichtig. Nur dadurch kann festgestellt werden, ob das Hilfsmittel zum Patienten und zum entsprechenden Rollstuhl passt, ob also eine optimale Versorgung gewährleistet werden kann“, so Daniela Piossek. Trotzdem sitzen gerade einmal 27 Prozent der Anwender ihr Antidekubituskissen Probe, bevor sie es bekommen.

Dass Krankenkassen häufig Anträge auf Erstattung eines Antidekubitus-Hilfsmittels ablehnen, obwohl Patienten mit medizinischer Notwendigkeit einen Anspruch darauf haben, ergaben beide Umfragen des Dekubitus Forums. 23 Prozent aller befragten Pflegekräfte gaben an, dass der Grund einer fehlenden Versorgung von Patienten mit Dekubitusgefährdung die Ablehnung einer prophylaktischen Versorgung durch die Kostenträger sei. 15 Prozent der Pflegekräfte teilen die Erfahrung, dass der Großteil der Anträge vom Kostenträger abgelehnt wird. Bei den befragten Betroffenen und Angehörigen, die Probleme bei ihrer Versorgung hatten, berichteten 42 Prozent, dass ihre Versorgung durch die Kasse abgelehnt wurde.

Die befragten Hilfsmittelnutzer berichteten, dass Patienten, die wegen eines Dekubitus versorgt werden, teilweise einen Eigenanteil zahlen, um mit dem individuell geeigneten Hilfsmittel ausgestattet zu werden. 58 Prozent der Befragten beteiligten sich an den Kosten ihres Antidekubitus-Hilfsmittels. 20 Prozent von ihnen investierten einen Betrag von über 100 Euro in ihre Versorgung. „Dekubitus-Patienten sind bereit, sich an den Kosten ihres Hilfsmittels zu beteiligen, wenn dieses dann ihren Bedürfnissen entspricht“, so Piossek.

Das Dekubitus Forum sieht außerdem einen zunehmenden Trend zu Ausschreibungen und Pauschalversorgungen von Dekubitus-Patienten. Um eine angemessene Versorgungsqualität zu garantieren, dürfen verschiedene Antidekubitussysteme wie Sitz- und Liegehilfen bei Ausschreibungen nicht pauschalisiert werden. Außerdem darf die Qualität der einzusetzenden Hilfsmittel nicht ausgeklammert werden. Das ist auch für die Krankenkassen von Vorteil, denn Fehlversorgungen verursachen nicht nur zusätzliche Schmerzen beim Patienten, sondern auch Folgekosten.

Ziel des Dekubitus Forums ist es, an den Rahmenbedingungen der Versorgung mit Hilfsmitteln gegen Dekubitus mitzuwirken, die Kenntnisse der Ärzte, Patienten und der Öffentlichkeit insgesamt zu verbessern, ein Qualitätsbewusstsein und entsprechende Qualitätsstandards zu etablieren. Die Positionen des Forums sind unter www.dekubitus-forum.de (Dekubitus Forum)  abrufbar.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.bvmed.de/themen/Dekubitus

 


 

Quelle: Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), 21.02.2012 (tB).

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