Schloss Hohenkammer. Photo: Tom MillerDiabetes Mediendialog 2014

Personalisiertes Diabetes Management im Spannungsfeld zwischen Breitenversorgung und individueller Therapie

 

Schloss Hohenkammer (7. März 2014) – Die individuelle Versorgung von Menschen mit Diabetes stand im Mittelpunkt des diesjährigen Diabetes Mediendialogs  auf Schloss Hohenkammer bei München. Experten aus diabetologischer und hausärztlicher Praxis, Versorger,  Patienten und IT-Spezialisten gingen gemeinsam der Frage nach, wie der Faktor der Individualität auf ein System übertragen werden kann, das in Deutschland heute rund 7 Millionen Menschen zu versorgen hat. Dabei diskutierten sie mit der Idee eines Personalisierten Diabetes Management (PDM) Ansätze & Lösungen, die sowohl eine qualitative hochwertige Breitenversorgung und als auch eine erfolgversprechende individuelle Therapie möglich machen.

 

 

Diabetes Versorgung aus Arzt- und Patientensicht

 

„Epidemie außer Kontrolle!“ so zitierte Dr. Friedhelm Petry, Wetzlar, in seinem Vortrag eine Einschätzung des IDF Präsidenten aus dem Jahr 2009.(1) Und stellte sich gleichzeitig die Frage, ob im Umgang mit dieser Epidemie eine an die Leitlinien angepasste Standardtherapie, die für alle Patienten gleichermaßen gilt, auf Dauer wirklich erfolgversprechend sein könne. Aus seiner praktischen Erfahrung als niedergelassener Diabetologe betonte Petry die Bedeutung eines individuelleren Ansatzes. Dabei bilde die Standardtherapie unter Berücksichtigung von Evidenz und Leitlinien lediglich die Grundlage, die dann noch auf den jeweiligen Patienten abgestimmt werden müsse, um dauerhaft erfolgreich sein zu können. Individuelle Parameter wie beispielsweise Alter, Lebensumstände oder Motivation müssten bei der Therapie notwendig berücksichtigt werden und Bestandteil eines „multifaktoriellen“ Therapiekonzept sein, das dem einzelnen Patienten gerecht werde.

 

Bastian Hauck, Berlin, selbst Typ-1-Diabetiker, bestätigte in seinen Ausführungen, wie wichtig aus Patientensicht ein solch individueller Ansatz ist. Nur ein Patient, dessen persönliche Voraussetzungen ausreichend berücksichtigt sind, werde willens und in der Lage sein, seine Therapie außerhalb der Artzpraxis erfolgreich durchzuführen. Hauck zeigte aus seiner persönlichen Erfahrung heraus, dass „außerhalb der Arztpraxis“ heute auch zunehmend „innerhalb des Internets“ und „in Social Media“ bedeutet. Diese Kanäle würden nicht mehr allein für die Informationssuche genutzt, sondern vor allem auch für den persönlichen Austausch mit anderen Diabetikern.

 

Innerhalb der Online-Community könnten individuelle Erfahrungen abgeglichen, aber auch Motivation und Bewältigungsstrategien entwickelt werden – Ansätze, die die ärztlichen Bemühungen ergänzen und die  individuelle Therapie möglicherweise optimieren könnten.

 

 

Personalisiertes Diabetes Management: Evidenz und praktische Anwendung

 

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Wie eine individualisierte Therapie in der Praxis umgesetzt werden kann, stellte Ingrid Dänschel, Lunzenau, anhand des Konzepts des Personalisierten Diabetes Management (PDM) dar. In dem von Ceriello et al.(2) publizierten sechsstufigen Regelkreis wird ein Patient entsprechend seinen Bedürfnissen und Vorwissen geschult, Blutzucker- und andere Daten systematisch erhoben, die Therapie anhand dieser persönlichen Messwerte & Daten maßgeschneidert und nach entsprechenden individuellen Analysen immer wieder von neuem angepasst. Für die medizinische Wirksamkeit einzelner Elemente dieses Regelkreises gebe es heute bereits valide Studiendaten(3), so Dänschel. Wichtig sei aber die Betrachtung des gesamten PDM-Kreislaufs. Um dessen Wirksamkeit nachzuweisen, werden aktuell zwei klinische Studien (PDM-ProValue) in hausärztlichen und diabetologischen Praxen aufgesetzt, die neben medizinischen Parametern auch gesundheitsökonomische Faktoren untersuchen soll.

 

Um in der Breite erfolgreich zu sein, muss ein Konzept wie der PDM-Regelkreis auf möglichst viele Therapieformen und -situationen mit therapeutischem Gewinn übertragbar sein. Wie dieses im Praxisalltag funktionieren kann, zeigte Dr. Ralph Ziegler, Diabetologische Schwerpunktpraxis für Kinder und Jugendliche, Münster, am Beispiel der Pumpentherapie. Ziegler betonte, dass die konsequente Durchführung eines Personalisierten Diabetes Management mit Anwendung von Hilfsmitteln wie Bolusrechner und Datenauslesesoftware, (z.B. Accu-Chek® Aviva Combo und Accu-Chek® Smart Pix) die Diabetestherapie unterstützen und für Arzt und Patient vereinfachen kann.

 

 

Versorgungsmanagement 2.0

 

Thomas Heilmann, Hamburg, zeigte für die Techniker Krankenkasse auf, welche Bedeutung individuelle Versorgungsangebote für einen Anbieter mit 8,8 Mio. Versicherten haben. Es gelte, die Versorgung am individuellen Bedarf des Kunden zu orientieren, aber auch wirtschaftliche Faktoren zu berücksichtigen, um optimale Ergebnisse zu erreichen. Neben bestehenden Angeboten wie persönlichem Telefoncoaching und individuellem Online-Coaching werde hier auch der Bereich E-Health zunehmend an Bedeutung gewinnen. Via SmartPhones und Apps könne z.B. die automatische Übertragung von Messdaten einen echten Mehrwert schaffen.

 

Michael Reh, Walldorf, sprach über den neuartigen Ansatz eines datengetriebenen Diabetes Management. In einem gemeinsamen Projekt der SAP AG und der Roche Diagnostics Deuschland GmbH solle eine Softwarelösung für ein datenbasiertes Präventionsprogramm entwickelt werden. Dabei könnten Ärzte über die automatische Analyse vorhandener Routinedaten gezielt Patienten für ein Präventionsprogramm ansprechen. Das Programm umfasse ein haptisches Willkommenspaket für Patienten inklusive der Downloadfunktion einer mobilen App. Über diese würden Gesundheitsparameter des Patienten an den Arzt übermittelt, die als Grundlage für Therapiegespräche dienen.  Ziel sei eine vom Arzt initiierte,  ereignisorientierte Behandlung auf Basis der vom Patient erfassten Messwerte. Eine Analyse der pseudonymisierte Patientendaten erlaube es, den Erfolg des Präventionsprogrammes zu verfolgen und es kontinuierlich zu optimieren.

 

 

Über Roche Diabetes Care

 

Roche Diabetes Care ist ein Pionier in der Entwicklung von Blutzuckermessgeräten und weltweit führend in den Bereichen Diabetes Management Systeme und Services. Es Menschen mit Diabetes zu ermöglichen, ein fast normales und aktives Leben zu führen – dafür setzt sich die Marke Accu-Chek® seit mehr als 35 Jahren engagiert ein. Zudem unterstützt sie Ärzte und andere medizinische Fachkräfte darin, ihre Patienten optimal zu betreuen. Accu-Chek® bietet Menschen mit Diabetes und ihren Versorgern innovative Produkte und umfassende Lösungen für ein komfortables, effizientes und effektives Diabetes Management – von der Blutzuckermessung über die Dokumentation und Interpretation der Daten bis hin zur Insulingabe. Das Accu-Chek®-Portfolio umfasst Blutzuckermessgeräte, Insulinpumpen-Systeme, Stechhilfen sowie Lösungen im Bereich Informations-Management und Schulungsprogramme für Ärzte, Diabetesberaterinnen und Menschen mit Diabetes – die zu einem verbesserten Therapieergebnis beitragen können.

 

Nähere Informationen finden Sie unter www.accu-chek.de

 

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

 

 

Quellen 

  1. Prof. Jean Claude Mbanya, anlässlich des 20. Weltdiabteskongress in Montreal 2009
  2. Ceriello A, et al. Diabetes as a case study of chronic disease management with a personalized approach: The role of a structured feedback loop. Diabetes Res Clin Pract (2012) http://dx.doi.org/10.1016/j.diabres.2012.07.005
  3. z.B. Polonsky et al. STep Study, Diabetes Care 34:262-267;2011 und Weissmann et al. Vision Study, Diabetologie und Stoffwechsel 2012; 7-P_112

 


 

Quelle: Roche Diagnostics, 07.03.2014 (tB).

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