DMP Typ-2-Diabetes

IQWiG legt vorläufige Ergebnisse aus Leitlinien-Recherche vor

 

  • Aktualisierungsbedarf bei fast allen Versorgungsaspekten

 

Köln (8. Mai 2019) – Disease-Management-Programme (DMP) sollen in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden, um sie an den jeweiligen Stand des medizinischen Wissens anzupassen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat deshalb aktuelle evidenzbasierte Leitlinien zu Diabetes mellitus Typ 2 recherchiert, deren Empfehlungen zu Kernaussagen zusammengefasst und überprüft, ob sich aus ihnen ein Aktualisierungsbedarf ergibt. Die vorläufigen Ergebnisse liegen nun vor. Demnach sollten oder könnten fast alle Aspekte des DMP überarbeitet werden. Allerdings bilden auch die Leitlinien nicht alle für die Patientenversorgung wichtigen Fragen und Probleme angemessen ab. Bis zum 5. Juni können Interessierte Stellungnahmen zu diesem Vorbericht abgeben.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten 35 Leitlinien in ihre Analyse einbeziehen, aus denen sie insgesamt 1802 Empfehlungen extrahierten. Diese beziehen sich auf verschiedenste Versorgungsaspekte wie Diagnostik, Therapie oder Schulung der Betroffenen.
Einen Überarbeitungsbedarf stellt das IQWiG für die meisten Gliederungspunkte des DMP fest. Das gilt insbesondere für die „Blutglukosesenkende medikamentöse Therapie“ sowie „Begleit- und Folgeerkrankungen“ des Typ-2-Diabetes. Einzige Ausnahme bildet die „Diagnostik (Eingangsdiagnose)“.

 

Kaum Empfehlungen zur Multimedikation

Zu „Besondere Maßnahmen bei Multimedikation“ kann das IQWiG keine Aussagen treffen. Das liegt daran, dass in den Leitlinien keine entsprechenden Empfehlungen zu finden sind. Dabei sind die in das DMP eingeschriebenen Patientinnen und Patienten im Durchschnitt 68 Jahre alt und haben in der Regel eine ganze Reihe weiterer Erkrankungen, die auch mit Medikamenten behandelt werden. Häufig erhalten sie eine Kombination von Arzneimitteln, die gerade bei Älteren problematische Wechselwirkungen haben können. Die Leitlinien bilden diese Problematik aber noch nicht ausreichend ab.

 

Unterzuckerungen rücken in den Fokus

Wie bereits beim Diabetes mellitus Typ 1 sind inzwischen auch bei Typ 2 die Folgen von Hypoglykämien in den Leitlinien in den Vordergrund gerückt. Im DMP sind sie zwar bereits Thema, allerdings weniger prominent. Es gibt eine weitere Analogie zum Typ-1-Diabetes: Nach den Leitlinien können auch beim Typ-2-Diabetes technische Hilfsmittel zur Kontrolle und Regulierung des Blutzuckerspiegels, beispielsweise ein kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGM), empfohlen werden. In den DMP-Richtlinien ist das noch nicht berücksichtigt.

 

Patientinnen und Patienten sollten Kenntnisse in Schulungen auffrischen können

Patientenschulungen sind längst fester Bestandteil des DMP Typ-2-Diabetes. Inhaltliche und zeitliche Vorgaben gibt es dabei noch kaum. Neuere Leitlinien heben inzwischen hervor, dass sich solche Schulungen an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren müssten. Das schließt wiederholte Schulungen zum Selbstmanagement ein, die geeignet sind, den HbA1c-Wert zu verbessern und ungeplante Klinikeinweisungen zu reduzieren.

 

Weitere Informationen

 


Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 08.05.2019 (tB).

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