Das Arzt-Patienten-Gespräch als Grundlage der erfolgreichen Prävention von Folgeerkrankungen: Diabetes mellitus ist eine weit verbreitete Stoffwechselerkrankung, deren Therapiemöglichkeiten kontinuierlich verbessert werden. Trotzdem drohen Folgeerkrankungen, zu denen u.a. Augenerkrankungen wie das Diabetische Makulaödem zählen. Grundlage für eine bessere Prävention von Folgeerkrankungen ist nicht zuletzt das Arzt-Patienten-Gespräch. In regelmäßigen Besuchen beim behandelnden Arzt sollte daher immer auf die Notwendigkeit regelmäßiger Augenkontrollen hingewiesen werden. Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Prävention ist zudem die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte. Photo: Novartis Pharma GmbHErste Präsentation der Versorgungsstudie DiaDeM*

Diabetes-Patienten: Gut aufgeklärt und trotzdem nicht optimal versorgt?

 

  • Die DiaDeM Versorgungsstudie zeigt: Es besteht eine Diskrepanz zwischen Patientenwahrnehmung und Versorgungszustand:
  • Diabetiker fühlen sich gut aufgeklärt und versorgt: Spätfolgen wie Augenerkrankungen sind bekannt und von den Betroffenen gefürchtet.
  • Trotz großer Einschränkungen im Alltag hat sich ein Großteil der Diabetiker mit der Erkrankung arrangiert.
  • Patientenorientiertere Aufklärung über Therapiemöglichkeiten – insbesondere bei den Folgeerkrankungen wie z.B. Seheinschränkungen – notwendig.
  • Stärkere fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Arztgruppen sinnvoll.

 

Leipzig (2. Juni 2011) Diabetes gilt als Volkskrankheit Nr. 1: Rund 7,91 Millionen Menschen zwischen 20 und 79 Jahren und damit jeder zehnte Bundesbürger leidet an Diabetes – Tendenz steigend. Die Patientendaten sind bekannt und wissenschaftlich fundiert. Doch wie steht es um das Wissen der Patienten um ihre Erkrankung und mögliche Folgeerkrankungen sowie um die fachübergreifende Versorgung der Diabetiker? Fragen, denen eine aktuelle Versorgungsforschung des Deutschen Diabetiker Bundes e.V. (DDB) und der Geschäftseinheit Augenheilkunde von Novartis Pharma nachgegangen sind. Unter dem Motto „DiaDeM oder Diabetes: Der eigenverantwortliche Mensch“ befragte das IGES Institut bundesweit 1.000 betroffene Typ-1- und Typ-2-Diabetiker, darunter 125 Typ-1- und 875 Typ-2-Diabetiker. Die Daten geben einen umfassenden Einblick in die Versorgungssituation jedes Einzelnen und die Wahrnehmung ihrer Erkrankung. Über deren Bedeutung für die Praxis diskutierten während der 46. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft Vertreter des DDB und Ärzte aus dem Bereich Diabetologie und Ophthalmologie.

 

 

Auswertung der Daten

 

Diskussionsstoff gab es reichlich, denn die Umfrage ergab scheinbar Widersprüchliches: Einerseits fühlt sich die Mehrheit der Diabetiker gut informiert, andererseits gibt sie aber auch an, nicht aktiv nach Informationen zu suchen. So hat nach eigenen Angaben lediglich jeder vierte Typ-2- und jeder dritte Typ-1-Diabetiker sich im letzten Jahr aktiv um Informationen bemüht. Ähnlich das Verhältnis für Problembewusstsein und Problemlösung: Denn während die Betroffenen ein ausgeprägtes Bewusstsein für das erhöhte Risiko für Folgeerkrankungen haben, sind sie körperlich nicht aktiv. Die Folge: Ernährungskursen und Disease-Management-Programmen zum Trotz ist das „Damoklesschwert“ Folgeerkrankungen weiterhin in ihren Köpfen.

 

Demnach fürchten sich die meisten Diabetiker vor einer möglichen Augenerkrankung. Denn der Verlust der Sehkraft, so die Studienergebnisse, würden sie im Alltag extrem einschränken. Viele sehen gar ihre Lebensqualität durch den Verlust sozialer Kontakte bedroht. Für Dr. Cord Skamira, niedergelassener Internist in Biberach, spiegeln diese Aussagen leider noch den Alltag wider: Denn trotz aller Kenntnis über ihre Erkrankung und der Angst vor Folgeerkrankungen „gehen viele Patienten nicht zu den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen oder nutzen die Möglichkeiten zur Prävention noch nicht ausreichend“. Die Gründe dafür sind vielfach: „Neben einer schlechten Einstellung sind die Patienten oft einfach überfordert mit dem gesundheitsbewussten Umgang mit Ernährung und Bewegung“, fasst Skamira die Situation zusammen.

 

 

Hauptlast darf nicht beim Patienten liegen

 

Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes e.V., betonte dagegen, dass die Hauptlast nicht allein auf dem Patienten liegen könne: Die Ergebnisse zeigen eine große Diskrepanz zwischen Patientenwahrnehmung und aktueller Versorgung – dies müsse stärker in den Fokus gerückt werden. „Die bestehende Strukturen müssen sich besser an die Bedürfnisse der Patienten anpassen und nicht umgekehrt“, so Möhler. „Durch die Studienergebnisse wird ein spezifischerer Aufklärungs- und Informationsbedarf – insbesondere bei den diabetischen Folgeerkrankungen – ersichtlich. Hier sehen wir uns als Patientenvereinigung gefordert, uns weiter für eine Verbesserung der Versorgung und Lebenssituation der Betroffenen einzusetzen.“

 

 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Erhalt des Sehvermögens

 

So seien schnelle und effektivere Abstimmungen zwischen den behandelnden Ärzten erforderlich, um Spätfolgen rechtzeitig zu erkennen oder sogar zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für Folgeerkrankungen am Auge wie dem Diabetischen Makulaödem (DMÖ), einer Erkrankung der Netzhaut, die eine der häufigsten Ursachen für Erblindung bei Erwerbstätigen darstellt. Prof. Jens Dawczynski, stellvertretender Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universität Leipzig, sieht die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Diabetologen, Internisten, Hausärzten und Augenärzten als notwendige Basis für eine optimale Betreuung: „Durch eine engmaschige Kontrolle durch alle beteiligten Ärzte können Spätfolgen wie beispielsweise das DMÖ frühzeitig erkannt werden. Mit neuen Therapieoptionen wie der Behandlung mit dem Wachstumshemmer Ranibizumab können wir verlorengegangenes Sehvermögen sogar wieder zurückholen. Dies gelingt jedoch nur, wenn alle beteiligten Ärzte und der Patient selbst den Blutzucker im Blick haben und dafür sorgen, dass die regelmäßig notwendigen Screenings beim Augenarzt wahrgenommen werden“, so sein Appell.

 

 

Über den Deutschen Diabetiker Bund e.V.

 

Der Deutsche Diabetiker Bund e.V. ist die Patientenorganisation der Menschen mit Diabetes. Der Verein wurde 1951 gegründet. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Betroffenen kompetenter Ansprechpartner in Sachen Diabetes. In 16 Landesverbänden und 2 Mitgliedsorganisationen mit rund 800 Selbsthilfegruppen werden die Mitglieder durch Vorträge, Mitgliederzeitschriften oder Einzelgespräche umfassend beraten. Projekte und Beteiligungen des Deutschen Diabetiker Bundes: Hilfswerk für jugendliche Diabetiker mit Einrichtungen in Lüdenscheid und Apolda. – www.jugenddiabetes.de; Diabetiker Stiftung "Mittelpunkt Mensch" – www.diabetikerbund.de; Deutsche Diabetes Stiftung – www.diabetesstiftung.de; DDB im Internet – barrierefrei – www.diabetikerbund.de

 

 

Über das Diabetische Makulaödem (DMÖ)

 

Das Diabetische Makulaödem (DMÖ) kann als Folge einer diabetischen Retinopathie entstehen, die als die häufigste Diabetes-Folgeerkrankung der Augen gilt. Bei einer Diabetischen Retinopathie verändern sich die Blutgefäße auf der lichtempfindlichen Augenhinterwand krankhaft. Bei Patienten, die an einem DMÖ leiden, tritt außerdem Flüssigkeit aus diesen krankhaft veränderten Blutgefäßen aus. Von einem klinisch signifikanten Diabetischen Makulaödem spricht man, wenn die Fovea centralis betroffen ist. Da dieser Teil des Auges für das scharfe Sehen zuständig ist, kann ein klinisch signifikantes DMÖ zu erheblichen Einschränkungen des Sehvermögens führen. Aktuelle Studien zeigen, dass derzeit ein bis drei Prozent der Patienten im Laufe ihrer Diabetes-Erkrankung ein klinisch signifikantes DMÖ entwickeln, das zu einer Visusbeeinträchtigung führt. Das DMÖ ist in den meisten Industrienationen die Hauptursache für die Erblindung von Menschen im erwerbstätigen Alter.

 

 

Über Novartis

 

Novartis bietet medizinische Lösungen an, um damit auf die sich verändernden Bedürfnisse von Patienten und Gesellschaften auf der ganzen Welt einzugehen. Das Unternehmen ist ausschließlich auf den Gesundheitssektor ausgerichtet und verfügt über ein diversifiziertes Portfolio, um diese Bedürfnisse so gut wie möglich zu erfüllen – mit innovativen Arzneimitteln, ophthalmologischen Produkten, kostengünstigen generischen Medikamenten, Verbraucherprodukten sowie Impfstoffen und Diagnostika zur Vorbeugung von Erkrankungen. Novartis ist das einzige Unternehmen mit führenden Positionen in diesen Bereichen. Im Jahr 2010 erzielten die fortzuführenden Geschäftsbereiche des Konzerns einen Nettoumsatz von USD 50,6 Milliarden. Der Konzern investierte rund USD 9,1 Milliarden (USD 8,1 Milliarden unter Ausschluss von Wertminderungen und Abschreibungen) in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 119.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitstellenäquivalente) in über 140 Ländern.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.novartis.de

 

 

Abbildungen

 

 

Grafik_Bekanntheit von Folgeerkrankungen.jpg

 

Abb. 1: Versorgungsstudie DiaDeM – die zentralen Aussagen: Bekanntheit möglicher Folgeerkrankungen: Innerhalb der Versorgungsstudie DiaDeM wurden Typ-1- und Typ-2-Diabetiker nach den ihnen bekannten Folgeerkrankungen gefragt. In beiden Patientengruppen wurden Augenerkrankungen, diabetischer Fuß und Nierenerkrankungen am häufigsten angeführt. Allerdings sind den Patienten bei den Augenerkrankungen Krankheitsbilder wie das Diabetische Makulaödem im Einzelnen weniger geläufig. Hier liegt spezifischer Informationsbedarf vor. Photo: Novartis Pharma GmbH

 

 

Abb. 2: Versorgungsstudie DiaDeM – die zentralen Aussagen: Angst vor möglichen Folgeerkrankungen: Innerhalb der Versorgungsstudie DiaDeM wurden Typ-1- und Typ-2-Diabetiker zu den Folgeerkrankungen befragt, die sie am meisten fürchten. In beiden Patientengruppen wurden Augenerkrankungen mit Abstand am häufigsten genannt, gefolgt vom diabetischen Fuß und Nierenerkrankungen. Sowohl unter den Typ-1- als auch unter den Typ-2-Diabetikern gab jedoch ein Viertel an, keine Angst vor Folgeerkrankungen zu haben. Dies kann einen Hinweis darauf geben, dass hier Informationsbedarf besteht. Photo: Novartis Pharma GmbH

 

Abb. 2: Versorgungsstudie DiaDeM – die zentralen Aussagen: Angst vor möglichen Folgeerkrankungen: Innerhalb der Versorgungsstudie DiaDeM wurden Typ-1- und Typ-2-Diabetiker zu den Folgeerkrankungen befragt, die sie am meisten fürchten. In beiden Patientengruppen wurden Augenerkrankungen mit Abstand am häufigsten genannt, gefolgt vom diabetischen Fuß und Nierenerkrankungen. Sowohl unter den Typ-1- als auch unter den Typ-2-Diabetikern gab jedoch ein Viertel an, keine Angst vor Folgeerkrankungen zu haben. Dies kann einen Hinweis darauf geben, dass hier Informationsbedarf besteht. Photo: Novartis Pharma GmbH

 

 

Grafik_Einschränkungen im Privatleben.jpg

 

Abb. 3: Versorgungsstudie DiaDeM – die zentralen Aussagen: Einschränkungen im Privatleben: Die Versorgungsstudie DiaDeM, in der Typ-1- und Typ-2-Diabetiker befragt wurden, hat ergeben, dass Diabetiker sich vor allem durch den Sehverlust beeinträchtigt fühlen, der sich in Zusammenhang mit Folgeerkrankung am Auge entwickeln kann. Zur Vermeidung spielen die Aufklärung durch den behandelnden Arzt, regelmäßige Augenkontrollen und eine kontinuierlich gute Einstellung des Blutzuckerspiegels eine entscheidende Rolle. Weitere Einschränkungen des Privatlebens, die von den Befragten häufig genannt wurden, sind die festgelegten Essenszeiten sowie der Verlust sozialer Kontakte. Photo: Novartis Pharma GmbH

 

 

Anmerkung

 

* DiaDeM – Diabetes: Der eigenverantwortliche Mensch

 

 

Quellen 

  1. International Diabetes Federation. IDF Diabetes Atlas, 3th edn. Brussels, Belgium: International Diabetes Federation, 2007.

  

Download

 

 

 

 

 

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Novartis zum Thema “Diabetiker in Deutschland: Gut aufgeklärt und trotzdem nicht optimal versorgt?” am 02.06.2011 in Leipzig (Hering Schuppener Healthcare) (tB).

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