Folgeerkrankungen der Adipositas wiegen schwer

Roundtable diskutiert neue Strategien zur Eindämmung der Fettsucht

 

alli_orlistatBerlin (18. Mai 2011) – Die Deutschen werden immer dicker. Das hat neben schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit des Einzelnen auch gravierende gesellschaftliche Konsequenzen. Um diesen zu begegnen, bedarf es eines Schulterschlusses der verschiedenen Disziplinen und Akteure im Gesundheitssystem. Im Vorfeld des zweiten Europäischen Tages zur Bekämpfung der Adipositas diskutierten deshalb auf Einladung der Adipositas Stiftung Deutschland Experten aus Medizin und Psychologie über Strategien, wie der Volkskrankheit ganzheitlich Einhalt geboten werden kann. Neben Ernährungsumstellung, ausreichend Bewegung, Verhaltensmodifikation spielt heutzutage auch medikamentöse Unterstützung, wie z.B. mit dem Wirkstoff Orlistat, bei der nachhaltigen Gewichtsreduktion eine Rolle.

Dass ein Gegensteuern dringend erforderlich ist, verdeutlichen aktuelle Zahlen: Dem Eurostat Jahrbuch 2010 zufolge sind 60 Prozent aller Deutschen übergewichtig. Damit stehen sie im europäischen Vergleich an zweiter Stelle. Bei 16 Millionen Deutschen ist das Übergewicht krankhaft. Und mit sechs Prozent sind auch immer mehr Kinder von Adipositas betroffen.

 

 

Adipositas: Eine schwere Last für das Gesundheitssystem

 

"Menschen mit Übergewicht gehen ein hohes Risiko ein. Viszerales Fett, das im Bauchinnern liegt, produziert gefährliche Botenstoffe, die übergewichtbedingte Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes verursachen können", sagte Prof. Dr. Stephan Jacob, zweiter Vorsitzender der Adipositas Stiftung Deutschland und Sprecher der Arbeitsgruppe Herz und Diabetes von DiabetesDE. Die steigenden Fallzahlen spiegeln sich in dem enormen finanziellen Aufwand für das Gesundheitssystem wider: Mit schätzungsweise 530 Millionen Euro belastet allein die Behandlung des Übergewichts die Budgets des Gesundheitssystems. Noch schwerer wiegen die gesellschaftlichen Konsequenzen. Die meisten Adipösen kommen aus finanziell schlechter gestellten Familien. Die Fettsucht bedingt nicht selten die Arbeitslosigkeit. Beides setzt sich teils über Generationen hinweg fort, wenn eine genetische Veranlagung besteht. Höchste Zeit, um gegenzusteuern.

 

 

Ein Teufelskreis aus Testosteronmangel und viszeralem Fett

 

Dass die Auswirkungen der Fettsucht auch über die meist bekannten Folgeerkrankungen, wie Bluthochdruck und Gelenkverschleiß, hinausgehen, erläuterte Prof. Dr. Michael Zitzmann, Diabetologe und Androloge (Facharzt für Männergesundheit) an der Universität Münster am konkreten Beispiel der Männergesundheit: "Übergewicht kann negative Folgen für das Sexualleben von Männern haben. Besonders für adipöse Männer entsteht nicht selten ein Teufelskreis: Die Entzündungsstoffe, die das versteckte Körperfett produziert, führen häufig zu einem Mangel an Testosteron. Und gleichzeitig begünstigt dieser Hormonmangel den Aufbau des viszeralen Fettes. Dieser Teufelskreis kann sich zum zentralen Bestandteil des metabolischen Syndroms entwickeln und zu schwerwiegenden kardiovaskulären Problemen führen." Neben der rein körperlichen Ebene belastet starkes Übergewicht jedoch auch die Psyche der Betroffenen. Darüber berichtete PD Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Universitätsmedizin Göttingen. "Insbesondere Esssucht und Depressionen müssen immer häufiger mitbehandelt werden." Die professionelle Basistherapie sollte immer aus Diät, Bewegungstherapie und Verhaltensmodifikation bestehen, um einen langfristigen Behandlungserfolg zu ermöglichen. Zur Unterstützung des individuellen Therapieerfolgs durch den Kontakt zu anderen Abnehmwilligen könnten schließlich Online-Programme, persönliche Beratung, ambulante Programme in speziellen Zentren oder stationäre Rehabilitation integriert werden. Auch Arzneimittel mit dem Wirkstoff Orlistat könnten zusätzlich eingesetzt werden und die Gewichtsabnahme durch Reduktion der Fettaufnahme in den Körper um 50 Prozent verbessern, so Ellrott.

 

 

Interdisziplinarität der Adipositas-Behandlung

 

Auch Schlafstörungen bei Adipositas-Patienten sind ein ernstzunehmendes Problem, bestätigte Dr. Annette Chen-Stute, Oberärztin der Medizinischen Klinik 1, Evangelisches Bethesda Krankenhaus in Duisburg und Ärztliche Leiterin des Adipositas Zentrums in Duisburg und Oberhausen. "Menschen mit Adipositas leiden überdurchschnittlich häufig unter den gefährlichen Symptomen des so genannten Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)." Insgesamt leiden mindestens 800.000 Deutsche unter dieser Beschwerdesymptomatik: Durch die nächtlichen Apnoen kommt es zu einer Verminderung des Sauerstoffes im Blut (Hypoxämie), der weit unter 90 Prozent sinken kann. "Das wiederum kann gravierende Folgen auf das kardiovaskuläre System haben und zu Herzinfarkt und Schlaganfall, metabolischem Syndrom, geschwächtem Immunsystem und erhöhtem Risiko für Angststörungen und Depressionen führen. Patienten mit einem so genannten Schlafapnoe-Syndrom haben eine signifikant höhere Mortalität.", so Chen-Stute. Mit schlaftherapeutischen Methoden ließen sich hier nachhaltige Erfolge in der gesamten Adipositas-Behandlung erzielen. Das Fazit der vier Experten: Die Gesundheit der Betroffenen wird durch Übergewicht bzw. Adipositas weitreichend belastet. PD Dr. Ellrott bestätigt abschließend, dass Interdisziplinarität in der nachhaltigen Adipositas-Behandlung, insbesondere hinsichtlich der Begleit- und Folgeerkrankungen, daher eine immer wichtigere Rolle spiele.

 

 

Zweiter Europäischer Tag zur Bekämpfung der Adipositas

 

Anlass für den Roundtable war der zweite Europäische Tag zur Bekämpfung der Adipositas am 21. Mai. Dieser jährlich stattfindende Aktionstag ist eine Initiative des Europaparlament-Mitglieds Magor Imre Csibi, des britischen National Obesity Forum und des BOLD (Belgischer Verband für fettleibige Patienten). Ziel ist es, auf die Bedürfnisse von Übergewichtigen und Adipösen aufmerksam zu machen und die Wahrnehmung von Adipositas als Krankheit in der Gesellschaft zu etablieren. Auch sollen Übergewichtige bei der Änderung ihres Lebensstils stärker unterstützt werden und ihre Interessen bei politischen und gesetzlichen Entscheidungen mehr Berücksichtigung finden. Weitere Informationen zur Initiative gibt es unter www.adipositas-stiftung.org sowie www.obesityday.eu.

 

 

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Quelle: Media Roundtable der Adipositas Stiftung Deutschland zum Thema „Quo vadis, Deutschland? – Ein kritischer Blick auf die aktuellen Behandlungsoptionen von Adipositas“ am 18.05.2011 in Berlin (GlaxoSmithKline) (fisherappelt) (tB).

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