HTA-Bericht

Stürzen im Alter vorbeugen

 

Köln (20. März 2012) – Mit dem Alter steigt das Risiko zu stürzen und sich dabei ernsthaft zu verletzten. Wie effektiv man dem heute vorbeugen kann, untersucht ein jetzt vom DIMDI veröffentlichter HTA-Bericht (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). So hilft rüstigen Senioren ggf. ein gezieltes Training. Auch eine altersgerecht angepasste Wohnung kann Stürze verhindern. Andere Verfahren erweisen sich als nutzlos oder sogar schädlich. Allerdings variiert die Qualität der Studien sehr stark, die im Bericht zu den unterschiedlichen Maßnahmen herangezogen werden konnten. Daher verzichten die Autoren darauf, einzelne Verfahren klar zu empfehlen.

 

Den vollständigen HTA-Bericht erhalten Sie kostenfrei zum Download beim DIMDI. Die Autoren bewerten darin die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu Einzelmaßnahmen und komplexen Programmen zur Sturzprophylaxe. Im Fokus stehen die Effekte auf die Häufigkeit von Stürzen und daraus resultierenden Verletzungen. Betrachtet werden ausschließlich Menschen, die zu Hause oder in einem Pflegeheim leben.

Maßnahmen zur Vorbeugung von Stürzen und ihren Folgen sind vielfältig: Sie reichen von korrigierten Sehfehlern über angepasste Medikamente, Vitamin-D-Präparate und Nahrungsergänzungsmittel bis zu Hüftprotektoren etc. Die klinischen Studien dazu sind qualitativ sehr unterschiedlich. Einige Beispiele:

  • Altersgerechte Wohnumgebung: In Studien untersucht wurde die Sturzhäufigkeit älterer Teilnehmer nach altersbezogenen Anpassungen ihrer Wohnung. Wie gut damit Stürzen vorgebeugt werden kann, hängt sehr von der Gebrechlichkeit der Zielgruppe ab. So fanden einige Studien eine verringerte Sturzrate, andere dagegen nicht.

 

  • Überprüfung/Korrektur der Sehfähigkeit: Die Gewöhnung an Sehhilfen o.ä. erscheint durchaus problematisch. Studien fanden bei entsprechend behandelten Personen ein erhöhtes Sturzrisiko und ein knapp erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Allerdings sind diese Ergebnisse unter Vorbehalt zu sehen, da sie sich auf relativ gesunde Senioren beziehen.

 

  • Training der Beweglichkeit: Über einen längeren Zeitraum durchgeführte motorische Übungen senkten in Studien das Sturzrisiko älterer Menschen. Die Studien variieren dabei stark bezüglich Personen und Übungen und sind zudem von eingeschränkter Qualität. Ihre Aussagekraft ist daher begrenzt, zumal die positiven Ergebnisse nur für rüstige Senioren gelten. Bei gebrechlichen Personen wirkt ein Training womöglich kontraproduktiv.

 

Es existieren auch komplexe Programme zur Sturzprophylaxe. Sie umfassen mehr als eine Einzelmaßnahme und meist auch eine genaue Überprüfung des Sturzrisikos. Inwieweit solche Programme dazu beitragen, Stürze und Verletzungen zu vermeiden, ist nach aktuellem Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse unklar. Dies gilt sowohl für die ambulante Versorgung als auch für Einrichtungen der Langzeitversorgung. Die Effekte solcher komplexen Programme scheinen stark von verschiedenen Rahmenbedingungen abzuhängen, die es noch besser zu verstehen gilt.

Insgesamt sind die Studienergebnisse zu Einzelmaßnahmen und komplexen Programmen zur Sturzprophylaxe uneinheitlich und die Daten wenig belastbar. Die Autoren des HTA-Berichts sprechen daher keine klare Empfehlung zugunsten bestimmter Maßnahmen aus.


Hintergrund

Ältere Menschen stürzen häufiger. Mögliche Ursachen reichen von Augenerkrankungen bis zu Schwindel als Nebenwirkung von Medikamenten. Um vorzubeugen zu können, muss die Ursache bekannt sein. Nationale und internationale Leitlinien empfehlen ein breites Spektrum an Maßnahmen. Ein erster Schritt liegt im Erkennen möglicher Risiken und in der Beseitigung von Risikofaktoren.

Sturzprophylaxe bei älteren Menschen in ihrer persönlichen Wohnumgebung (Katrin Balzer, Martina Bremer, Susanne Schramm, Dagmar Lühmann, Heiner Raspe)


HTA-Berichte bei DAHTA

Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und über 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

 

 

Weitere Informationen

 

http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-255 – HTA-Bericht: Volltext (PDF, 6,8 MB)

http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-kurz-255 – HTA-Bericht: Kurzfassung (PDF, 114 kB)

http://www.dimdi.de/de/hta/db/index.htm – HTA-Berichte beim DIMDI suchen

http://www.dimdi.de/de/hta/index.htm – HTA beim DIMDI

http://www.egms.de/de/reports/dahta/index.htm – HTA-Berichte der DAHTA bei German Medical Science (GMS)

 

 


Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), 20.03.2012 (tB).

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