Abb.: Mit Hilfe von Blutkulturen wird nach krankheitserregenden Bakterien gesucht. Dafür wird dem Patienten eine bestimmte Menge Blut entnommen und sofort in die „Blutkulturflaschen“ gegeben. Photo: HZI/SternNeuer Richtwert für Diagnostik auf Intensivstationen

Blutvergiftungen besser erkennen

 

Braunschweig (22. Januar 2015) – Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 150.000 Menschen an einer Sepsis, landläufig auch Blutvergiftung genannt. Für rund ein Drittel der Patienten endet sie tödlich. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun untersucht, wie man die diagnostischen Prozesse bei einer Sepsis verbessern kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im „Journal of Clinical Microbiology“.


Keime wie der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA, verursachen in deutschen Krankenhäusern jährlich eine Vielzahl von Infektionen, die häufig tödlich enden. Fast immer ist die Todesursache eine bakterielle Sepsis: eine Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion, die sich über das Blut auf den ganzen Körper ausbreitet.

Um die Erkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren und somit Todesfälle zu verhindern, setzen Ärzte die sogenannte Blutkulturdiagnostik ein. „Das ist eine sehr gute Methode“, sagt Prof. Rafael Mikolajczyk, Leiter der Arbeitsgruppe „Epidemiologische und statistische Methoden“ am HZI. „Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass sie in Deutschland nicht häufig genug angewendet wird.“

Deshalb haben Wissenschaftler am HZI in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem „Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen“ und dem „Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis und Sepsisfolgen“ einen Richtwert etabliert, an dem Kliniken ablesen können, wie häufig sie eine Blutkulturdiagnostik durchführen sollten. Nur wenn die Kliniken diesen Richtwert erreichen, werden die meisten Sepsisfälle rechtzeitig und zuverlässig erkannt und die betroffenen Patienten können adäquat behandelt werden.

„Zunächst beschränken wir uns auf Intensivstationen, da hier der größte Teil der Sepsisfälle auftritt“, sagt Dr. André Karch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HZI und Erstautor der Studie. „In diesem Zusammenhang konnten wir auch zeigen, dass nur ein Drittel der in unserer Studie untersuchten Intensivstationen Blutkulturen in ausreichender Menge anlegt. Auf Intensivstationen, die nicht an der Studie teilgenommen haben, könnte dies sogar noch seltener passieren.“

Die Wissenschaftler am HZI möchten nun durch weitere Studien Richtwerte für andere Stationen in Krankenhäusern ermitteln. „Langfristig hoffen wir, den Krankenhäusern damit zu helfen, ihre Sepsisdiagnostik zu verbessern“, sagt Karch. „Ein wichtiger Schritt, um die Zahl der Todesfälle zu senken.“


Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Am seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum.

 

 

Weitere Informationen

 

 

Abb. oben: Mit Hilfe von Blutkulturen wird nach krankheitserregenden Bakterien gesucht. Dafür wird dem Patienten eine bestimmte Menge Blut entnommen und sofort in die „Blutkulturflaschen“ gegeben. Photo: HZI/Stern

 


Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 22.01.2015 (tB) Thomas Backe

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…