Semantische Integration hilft Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko zu identifizieren. Forscher von Fraunhofer SCAI, DZNE und Uniklinikum Bonn analysieren im Projekt IDSN klinische Daten und Forschungsdaten in einer Gesamtsicht. Ein Ziel ist es, die Früherkennung neurodegenerativer Krankheiten zu verbessern. Semantische Integration hilft Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko zu identifizieren

 

                                    • Forscher von Fraunhofer SCAI, DZNE und Uniklinikum Bonn analysieren im Projekt IDSN klinische Daten und Forschungsdaten in einer Gesamtsicht. Ein Ziel ist es, die Früherkennung neurodegenerativer Krankheiten zu verbessern.

 

Sankt Augustin / Bonn (15. März 2016) –  Von neuen Ansätzen in der Datenanalyse versprechen sich Forscher vom Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI), vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) Fortschritte in der Früherkennung von Demenzerkrankungen. Im Projekt „Integrative Datensemantik für die Neurodegenerative Forschung“ (IDSN) arbeiten die drei Einrichtungen an einer Gesamtsicht großer Datensätze aus verschiedenen Forschungsbereichen. In der Entwicklungsphase des Projekts werden daher Primärdaten, beispielsweise anonymisierte Informationen aus Patientenakten des Universitätsklinikums Bonn, mit Sekundärdaten, etwa Daten aus öffentlichen Datenbanken und Forschungspublikationen, unter Beachtung des Datenschutzes miteinander verknüpft. Danach folgt die sogenannte Translationsphase, in der die Daten integrativ analysiert werden.

„Eine erste Analyse von Daten des DZNE und des UKB hat gezeigt, dass die Verknüpfung von Primär- und Sekundärdaten eine echte Herausforderung darstellt“, sagt Dr. Juliane Fluck, Leiterin Textmining am Fraunhofer SCAI und Projektkoordinatorin. Um die im DZNE vorliegenden Daten zu verknüpfen und kombiniert mit externem Wissen abfragbar zu machen, entwickeln die Forscher daher einen semantischen Verknüpfungs-Service. Dabei werden unterschiedlich benannte, aber bedeutungsgleiche Begriffe in mehreren Datenquellen erkannt und zueinander in Beziehung gesetzt. „So wird dem Rechner semantisches Expertenwissen auf dem Gebiet der neurodegenerativen Erkrankungen vermittelt, das zur umfassenden Auswertung der Daten notwendig ist“, erläutert Fluck. Eine besondere Schwierigkeit liegt dabei in der Verknüpfung deutscher Patienteninformationen mit meistens englischsprachigen externen Datenquellen.

Mit Hilfe von Textminig-Methoden bringen die Forscher zusätzliches Wissen aus Fachpublikationen in die am DZNE vorhandenen Krankheitsmodelle ein. Schließlich kommen in der Translationsphase des Projekts Verfahren des Data Mining und des automatischen Schlussfolgerns (Reasoning) zum Einsatz, um beispielsweise neue Therapievorschläge zu unterstützen.

Die im Projekt entwickelten Ansätze zur Informationsextraktion können über das Projektende hinaus von weiteren Kliniken genutzt werden. Der semantische Verknüpfungs-Service für die Datenintegration aus deutsch- und englischsprachigen Quellen auf dem Gebiet neurodegenerativer Erkrankungen soll darüber hinaus öffentlichen Einrichtungen und der Pharmaindustrie zur Verfügung stehen.

Das biomedizinische Textmining und die semantische Suche sind seit Jahren Forschungsschwerpunkte im Geschäftsfeld Bioinformatik von Fraunhofer SCAI. So arbeitet SCAI im BMBF-Projekt Neuroallianz an der In-Silico-Ermittlung von Biomarkern bei neurodegenerativen Erkrankungen und an der Bereitstellung der zentralen IT-Plattform. Im von der IMI, einer gemeinsamen Initiative von Europäischer Kommission und Pharmaindustrie, geförderten Projekt „Aetionomy“ arbeiten SCAI und UCB Pharma unter anderem an einer Taxonomie, die neurodegenerative Erkrankungen systematisch nach den ihnen zugrunde liegenden, molekularen Krankheitsmechanismen klassifiziert.

Das Projekt IDSN wird in der dreijährigen Entwicklungsphase mit 1,77 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Bei positiver Evaluierung wird die zweijährige Translationsphase zusätzlich gefördert. Förderkennzeichen FKZ 0031L0029A

Abb.: Durch die Verknüpfung und Analyse von Patienten- und Forschungsdaten werden im Projekt IDSN neue Erkenntnisse für personalisierte Therapien gewonnen.

Werbung

Abb.: Durch die Verknüpfung und Analyse von Patienten- und Forschungsdaten werden im Projekt IDSN neue Erkenntnisse für personalisierte Therapien gewonnen.


 

Weitere Informationen

 

 

 


Quelle: Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI, 15.03.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

COVID-19 pandemic sees increased consults for alcohol-related GI and liver…
The eyes offer a window into Alzheimer’s disease
Ventilating the rectum to support respiration
Screening for ovarian cancer did not reduce deaths
Fatigue, mood disorders associated with post-COVID-19 syndrome

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung
Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie

MULTIPLE SKLEROSE

Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit