Therapie-Roboter "Lokomat" hilft Kranken, wieder das Gehen zu lernen

 

Abb.: Der 6-jährige Kai Jersch bei einer Therapieeinheit auf dem Lokomaten. Physiotherapeutin Alexandra Bayer steuert per Computer die 'Gangorthese', die dem Jungen beim Gehen hilft. Photo: UKMMünster (19. Februar 2009) – Ein robotergesteuerter "Lokomat" im Universitätsklinikum Münster (UKM) hilft Patienten mit schweren Bewegungsstörungen, wieder das Gehen zu lernen. Auch Kinder ab drei Jahren können damit schon therapiert werden. Derzeit gibt es solche Therapie-Geräte für diese Patientengruppe in nur fünf Zentren deutschlandweit. Betrieben wird der Lokomat vom "Ganglabor Walstedde" aus Drensteinfurt, mit dem das UKM eng kooperiert.
Vereinfacht dargestellt, besteht der "Lokomat" aus einem Laufband und einem robotergesteuerten Gerät mit Stütz- und haltungskorrigierender Funktion, der so genannten Orthese. Mit dieser Orthese werden über einen Computer die Beine der Patienten gesteuert. Der Lokomat wird eingesetzt bei Patienten u.a. mit Bewegungsstörungen durch Cerebralparese ("cerebrale Kinderlähmung"), Querschnittslähmung, Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. Über eine Rampe ist der Lokomat auch mit dem Rollstuhl zugänglich. Auf dem Laufband übt der Patient den flüssigen Bewegungsablauf des Gehens, der Roboter führt dabei die Beine, angepasst an die zu lernenden Bewegungsmuster, die Fähigkeiten und die Größe der Patienten.

"Gehen ist ein hochkomplexer Vorgang. Durch die Therapie können im motorischen Gehirnareal neue "Verschaltungen" ausgelöst werden, die den Patienten dabei helfen, wieder das Gehen zu erlernen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind dadurch nachhaltige Fortschritte erreichbar", erklärt Dr. Andreas Sprinz, Geschäftsführer und Ärztlicher Leiter des Ganglabors Walstedde. Genau wie bei manuellen Therapien steckt hinter der Lokomat-Therapie ein klar umrissenes Ziel der Behandlung: "Gehen lernt man nur durch Gehen." Und genau dabei verbessert und ergänzt der Lokomat die Therapie.

Sprinz: "Die manuelle Laufbandtherapie ist etabliert und zeigt erhebliche Erfolge. Hierbei helfen Krankengymnasten per Hand den Patienten, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Das ist allerdings mit einem enormen Kraftaufwand für die Therapeuten verbunden. Therapieeinheiten von mehr als 20 Minuten sind kaum zu realisieren." Durch den Lokomaten können die Bewegungsmuster verbessert, die Dauer einer Therapieeinheit verlängert und die Ergebnisse verbessert werden.

Rund 280.000 Euro investierte das Ganglabor Walstedde in den Lokomaten. Eine hoch spezialisierte Robotersensorik reagiert auf jede Bewegung der Patienten. Speziell geschulte Therapeuten begleiten die Behandlung. Individuell wird der Lokomat auf jeden Patienten eingestellt hinsichtlich Größe, Gewicht und Leistungsspektrum. Das Trainingsprogramm unterscheidet sich von Patient zu Patient und ermöglicht auch positives Feedback. Sprinz: "Jeder Bewegungsablauf wird dokumentiert und ausgewertet. Durch graphische Darstellungen können auch die erreichten Fortschritte deutlich gemacht werden." Insgesamt erstreckt sich der Lokomat über eine Länge von 3,3 Metern und ist bis zu 2,5 Meter hoch.

Der Lokomat wird eingesetzt zur Behandlung der Patienten des Ganglabors Walstedde und in der stationären Patientenversorgung des UKM. Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor des UKM: "Die Kooperation mit dem Ganglabor Walstedde ergänzt unser bestehendes, breit aufgestelltes Angebot in der Physikalischen Therapie unserer Patienten. Durch die räumliche Nähe wird die enge Zusammenarbeit verschiedener Klinikbereiche weiter intensiviert. Auch in der Forschung können unsere Kliniken, etwa die Neurologie oder die Orthopädie, den Lokomaten nutzen. Dadurch können zukünftige innovative Therapieformen, gerade für Kinder- und Jugendliche mit Bewegungsstörungen, erforscht werden."

 

Abb.: Der 6-jährige Kai Jersch bei einer Therapieeinheit auf dem Lokomaten. Physiotherapeutin Alexandra Bayer steuert per Computer die "Gangorthese", die dem Jungen beim Gehen hilft. Photo: UKM

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Münster vom 19.02.2009.

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