Typ-2-Diabetes

Frühzeitige Therapie mit Sitagliptin parallel zur Dosiserhöhung von Metformin

 

Berlin (8. November 2019) — In der CompoSIT-M-Studie (Comparison of sitagliptin vs. placebo during metformin uptitration) wurde gezeigt, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer frühzeitigen Einleitung der Behandlung mit Sitagliptin (z.B. Xelevia®) bei gleichzeitiger Erhöhung der Metformindosis bis zur maximal tolerierten Dosis (max. 2000 mg täglich) profitieren [1]. Beobachtungen über einen Zeitraum von 20 Wochen zeigten, dass dieser frühzeitig kombinierte Therapieansatz die Erreichung des HbA1c-Zielwertes von < 7% – im Vergleich zur Dosiseskalation von Metformin ohne den Zusatz des DPP-4-Hemmers Sitagliptin – signifikant verbesserte [1]. Die gleichzeitige Gabe von Sitagliptin hatte keine klinischen Auswirkungen auf die Verträglichkeit, d.h., es kam zu keiner signifikanten Zunahme unerwünschter Ereignisse wie Hypoglykämien oder einer Erhöhung des Körpergewichts [1].

Metformin, bei den meisten Patienten mit Typ-2-Diabetes die Erstlinientherapie gegen erhöhte Blutzuckerwerte, wird für gewöhnlich in einer geringen Dosis eingeleitet und der HbA1c (Hämoglobin A1c) -Wert nach ca. 3 Monaten kontrolliert [2,3]. Bei Patienten, die auf diese Weise nicht ihr HbA1c-Ziel erreichen, kann auf die maximal tolerierte Dosis von Metformin (auf bis zu 2.000 bis 3.000 mg pro Tag) erhöht werden [2]. Jedoch ist die klinische Trägheit, d. h. eine Verspätung der benötigten Behandlungsintensivierung, ein verbreitetes Problem bei Patienten unter einer Metformin-Monotherapie [4]. Zu diesem Thema wurde ein systematisches Review publiziert, wobei die zeitlich verspätete Behandlungsintensivierung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die ihr HbA1c-Ziel mit einer Metformin-Monotherapie nicht erreicht haben, im Durchschnitt über ein Jahr (Range 0,3 bis > 7,2 Jahre) betrug [5]. Eine weitere Möglichkeit für Patienten mit Typ-2-Diabetes, die mit einer submaximalen Metformin-Dosis ihren HbA1c-Zielwert nicht erreichen, wäre die zusätzliche Gabe eines weiteren Antidiabetikums, wie dem Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer (DPP-4-Hemmer) Sitagliptin (z. B. Xelevia® oder in Fixkombination mit Metformin Velmetia®) [1].

Diese beiden unterschiedlichen Ansätze – Monotherapie und eine Kombination aus zwei blutzuckersenkenden Wirkstoffen – wurden in der multinationalen, doppelblinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten CompoSIT-M-Studie untersucht. Diese Untersuchung prüfte die glykämische Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit der Maximierung der Metformin-Dosis mit und ohne gleichzeitige initiale Gabe von Sitagliptin (bei 458 Teilnehmern mit Typ-2-Diabetes, im Durchschnitt HbA1c von 8,7 % und einer Krankheitsdauer von 6,3 Jahren), die bei einer submaximalen Metformin-Dosis (1.000 mg pro Tag) ihr HbA1c-Ziel nicht erreicht hatten [1].

Nach 20 Wochen betrugen die mittlere Änderung (least squares: LS) vom HbA1C-Ausgangswert -1,10 % in der Sitagliptin-Gruppe (Placebo -0,69 %). Der Unterschied zwischen den Gruppen in Bezug auf die mittleren HbA1c-Wert-Änderungen gegenüber dem Ausgangswert war signifikant und betrug -0,41 % (p <0,001) [1]. Die frühzeitige Therapie mit Sitagliptin bei gleichzeitiger Dosissteigerung von Metformin resultierte in einer signifikant höheren HbA1c-Zielwerterreichung (< 7,0 %) von 28,8 % vs. 16,6 % in der Gruppe mit der alleinigen Erhöhung von Metformin auf eine maximal tolerierte Tagesdosis von 2.000 mg. In der Subgruppe mit einem HbA1c-Ausgangswert ≥ 8,5 % erreichten in der Sitagliptin-Gruppe durch das frühzeitig angewandte Therapieregime signifikant mehr Patienten den HbA1c-Zielwert von < 7 % als in der Vergleichsgruppe (15,6 % vs. 5,7 %; p=0,026).

Die Inzidenz von Hypoglykämien war in dieser Untersuchung bei beiden Gruppen gering (2,6 % in der Sitagliptin-Gruppe vs. 0,9 % in der Vergleichsgruppe; 95% CI -0,8/4,8), schwere Hypoglykämien wurden nicht beobachtet [1].

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Sitagliptin in Kombination mit einer Auftitration von Metformin eine signifikante Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Patienten mit Typ-2Diabetes erzielen kann [1]. Es wurden darüber hinaus keine nennenswerten Veränderungen zur Baseline – oder Unterschiede zwischen den Gruppen – in Bezug auf die Herzfrequenz, den Blutdruck oder die Gewichtszunahme beobachtet [1]. Ein möglicher zusätzlicher Nutzen der frühzeitigen kombinierten Therapie bestehend aus Sitagliptin und Metformin könnte darin bestehen, dass sie weniger mit „klinischer Trägheit“ assoziiert sein könnte, als der eher konservative Ansatz mit alleiniger Erhöhung der Metformindosis [1].

 

Fazit

Diese Daten zeigen, dass die frühzeitige Therapie von Sitagliptin bei gleichzeitiger Dosismaximierung von Metformin eine wirksame und gut verträgliche Strategie zur Intensivierung der Behandlung für Patienten mit Typ-2-Diabetes sein kann, die mit einer submaximalen Dosis von Metformin nicht das HbA1c-Ziel erreichen [1]. Die frühzeitige Therapie mit einem zweiten blutzuckersenkenden Wirkstoff wie Sitagliptin kann Patienten mit Typ-2Diabetes, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass eine ausreichende Blutzuckerkontrolle allein durch eine Erhöhung von Metformin bis zur maximal tolerierten Dosis erlangt wird, bei der Erreichung des HbA1c-Ziels unterstützen [1].

 

Literaturverweise

  1. Frias JP et al. Diabetes Obes Metab 2019;21(5):1128-1135. DOI: 10.1111/dom.13626
  2. Fachinformation Siofor®, Stand 10/2018
  3. DDG Praxisempfehlung: Landgraf R et al. Therapie des Typ-2-Diabetes: Diabetologie 2018; 13 (Suppl 2): S144-S165
  4. Pantalone KM et al. Diabetes Care 2016;39 (9):1527-1534. DOI: 10.2337/dc16-0227
  5. Khunti K et al. Diabetes Obes Metab 2018;20:427-437. DOI: 10.1111/dom.13088

 


Quelle: Berlin-Chemie, 08.11.2019 (tB).

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