Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes

 

Düsseldorf (28. April 2021) — Personen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für eine schwerwiegende COVID-19-Erkrankung im Vergleich zu Personen ohne Diabetes. Die Frage stellt sich, ob alle Personen mit Diabetes ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben, oder ob bestimmte Risikofaktoren auch innerhalb dieser Gruppe zu erkennen sind. Eine neue Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums hat sich nun genau mit diesem Thema beschäftigt und dabei relevante Erkenntnisse gewonnen.

Düsseldorf (DDZ) – Die COVID-19-Pandemie stellt die Wissenschaft und den Gesundheitssektor vor bisher nie gekannte Herausforderungen. Während bei einigen Menschen mit einer SARS-CoV-2-Infektion die Erkrankung kaum bemerkt wird, verläuft sie bei anderen Betroffenen sehr viel schwerwiegender und endet teilweise tödlich. Bisher ist jedoch das Wissen um den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung noch recht dünn. Allerdings kristallisierte sich Diabetes zunehmend als einer der Risikofaktoren heraus, der den Schweregrad der Erkrankung bestimmt. Mehrere Untersuchungen zu Diabetes und SARS-CoV-2 beobachteten bereits eine etwa zwei- bis dreifache Erhöhung der Sterblichkeit aufgrund von COVID-19 bei Personen mit Diabetes im Vergleich zu Personen ohne Diabetes. Umso wichtiger sind Studien, die die Risikofaktoren von Menschen mit Diabetes für schwerwiegende COVID-19-Erkrankungen genauer untersuchen.

Eine neue Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums unter Federführung von Dr. Sabrina Schlesinger, Leiterin der Nachwuchsforschergruppe Systematische Reviews am Institut für Biometrie und Epidemiologie, überprüfte daher die Risikophänotypen des Diabetes und ihre mögliche Verbindung zum Schwergrad einer Erkrankung mit COVID-19. In ihrer Metaanalyse fassten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Ergebnisse aus 22 publizierten Studien zusammen, sodass insgesamt mehr als 17.500 Personen mit Diabetes und bestätigter SARS-CoV-2-Infektion in diese Untersuchung einflossen. Für Personen mit Diabetes und SARS-CoV-2-Infektion wurde das männliche Geschlecht, ein höheres Alter (>65 Jahre), hohe Blutglukose-Spiegel (zum Zeitpunkt der Einlieferung in das Krankenhaus), die chronische Behandlung mit Insulin, sowie bestehende Begleiterkrankungen (wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenerkrankung) als Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf identifiziert. Andererseits zeigten die Ergebnisse, dass die chronische Metforminbehandlung mit einem reduzierten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf einherging.

„Diese aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse beschreibt innerhalb der Hochrisiko-Gruppe, nämlich Diabetes mellitus, jene Personen mit dem höchsten Risiko eines schweren COVID-19 Verlaufes“, erklärt Prof. Michael Roden, Wissenschaftlicher Direktor und Vorstand des Deutschen Diabetes-Zentrums. „Diese Ergebnisse werden dazu beitragen, Personen mit Diabetes noch besser einzuordnen, um ihre Therapie zu verbessern und den Verlauf zu mildern.“

Die in der Studie identifizierten Risikofaktoren – d. h. ältere Personen, i.d.R. männlich, mit komorbiden Erkrankungen und chronischer Insulinbehandlung – können somit als Indikatoren für den Schweregrad des Diabetes oder für einen insgesamt schlechten Gesundheitszustand angesehen werden. „Einige Ergebnisse, insbesondere zu diabetes-spezifischen Faktoren, wie z.B. Typ oder Dauer des Diabetes und weitere Behandlungen, sind jedoch noch ungenau geschätzt und die Aussagekraft ist gering. Um die Aussagekraft zu stärken, werden weitere Primärstudien benötigt, die diese spezifischen Risikofaktoren untersuchen und andere, relevante Einflussfaktoren in ihrer Analyse berücksichtigen“, sagt Dr. Schlesinger. Ihr Forschungsteam arbeitet daher bereits an einer nächsten Version dieser Übersichtsarbeit: „Diese Übersichtsarbeit stellt die aktuelle Studienlage dar und wird regelmäßig aktualisiert, solange neue Erkenntnisse zu diesem Thema verfügbar sind“, so Dr. Schlesinger.

 

 

Originalpublikation

 

 


Quelle: Deutsches Diabetes-Zentrum, 28.04.2021 (tB).

Schlagwörter: , , ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung