Wechselwirkung zwischen psychischen Störungen und Schmerzerkrankungen besser verstehen

 

Kiel (26. Januar 2021) — Die Europäische Union hat die Förderung eines Innovativen Trainingsnetzwerks (ITN) im Rahmen der MARIE SKLODOWSKA-CURIE ACTIONS bewilligt. Darin beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der gegenseitigen Beeinflussung von affektiven Störungen und chronischen Schmerzen. An dem Horizon2020-Forschungsprojekt sind neben 19 europäischen Forschungsinstituten und -einrichtungen auch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) durch Professorin Frauke Nees, Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, beteiligt. Schwerpunkt ist dabei die Ausbildung und Vernetzung von Doktorandinnen und Doktoranden, die an verschiedenen Aspekten der Ausgangsfragestellung forschen werden. Dem Forschungsverbund stehen bis zum Abschluss der Studien im Jahr 2025 insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung.

Bislang wurden in der Medizin die affektiven Störungen und chronische Schmerzerkrankungen größtenteils getrennt betrachtet und meist auch behandelt. Dass sie sich durchaus überlappen und wechselseitig beeinflussen, ist mittlerweile aber ein zentrales Merkmal im klinischen Kontext. Diese sogenannten Komorbiditäten erlauben eine schlechtere Prognose und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen. Dies kann den Therapieverlauf komplizierter gestalten und die eingesetzten Verfahren sind in vielen Fällen ineffizient. Welche Mechanismen hierbei zentral sind, muss daher weiter untersucht werden und ist eine Fragestellung der aktuellen Forschung. „Wenn wir verstehen, wie genau hier neurobiologische, psychologische und physiologische Prozesse zusammenwirken, gelingt es uns, entsprechende Biomarker zu identifizieren. Diese können dann nicht nur die Diagnose vereinfachen, sondern vor allem zu einer besseren Behandlung beitragen“, erklärt Frauke Nees.

Nees ist seit März 2020 Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und Professorin der Medizinischen Fakultät an der CAU. Gemeinsam mit zwei Doktorandinnen und Doktoranden hat sie nun die Möglichkeit, große Kohorten von Patientinnen und Patienten hinsichtlich der Rolle von Lern- und Gedächtnisprozessen sowie sensorischen und motivationalen Verarbeitungsmustern und Stress näher zu untersuchen. Beantragt hat die Förderung ein Konsortium aus europäischen Universitäten, die sich im HaPpy-Netzwerk zusammengeschlossen haben. Der Name setzt sich aus dem Titel des Forschungsantrages zusammen: „Comorbidity of cHronic Pain and mood disorders: breaking the vicious cYcle“. Professorin Ipek Yalcin vom französischen Centre National de la Recherche Scientifique koordiniert das Netzwerk.

In etwa einem halben Jahr können die Stellen ausgeschrieben werden, mit denen die Nachwuchsforschenden anschließend drei Jahre Teil des internationalen Projektes sind. „Die zwei Doktoranden oder Doktorandinnen der CAU werden hier vor Ort 24 Monate an ihrem Thema arbeiten. Schwerpunkt wird die Humanforschung sein, die Supervision übernehme ich als Principle Investigator zusammen mit meinen Mitarbeitenden. Danach wechseln sie zu einem der anderen beteiligten Institute, auch mit Tierforschungs-Ausrichtung, und wir am IMPS nehmen dann ebenfalls einen Doktoranden einer beteiligten Institution auf. Insgesamt sind die Doktoranden drei Jahre am Projekt beteiligt“, beschreibt Frauke Nees das Vorgehen.

Daneben sind eine Reihe von Workshops und Seminaren zum interdisziplinären Austausch geplant. Sofern es die Entwicklung der Corona-Pandemie zulässt, werden die Beteiligten auch zusammen Kongresse besuchen und sich unter anderem im Rahmen von gemeinsamen Vortragsreihen dort über ihre Forschung austauschen. Die internationale Vernetzung sowie die Transdisziplinarität sind die erklärten Ziele des EU-Programms „MARIE SKLODOWSKA-CURIE ACTIONS“, einem Innovativen Trainingsnetzwerk (ITN). „Das ist eine tolle Möglichkeit für die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden. Denn sie sehen ihre Forschung von Anfang an aus verschiedenen Blickwinkeln und können auch andere Arbeitsbereiche in ihr Portfolio integrieren. Das ebnet ihnen den Weg in die internationale Forschung.“ Für das Kieler Institut selbst ist das aus zwei Gründen ein Gewinn: „Wir können die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausbilden und profitieren gleichzeitig von den gewonnenen Erkenntnissen.“ Im Jahr 2025 sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

Weitere beteiligte Institutionen: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, Universität Heidelberg, National University of Ireland Galway, Universidad de Cádiz, Helsingin yliopisto, Universitätsklinikum Heidelberg, Universidade do Minho sowie Partnerorganisationen wie die Université de Strasbourg, Université de Versailles-Saint Quentin-en-Yvelines, Neurofit SAS, Neurex Alsace und die European Pain Federation.

 


Über MARIE SKLODOWSKA-CURIE ITN

MARIE SKLODOWSKA-CURIE ITN treiben wissenschaftliche Exzellenz und Innovation voran. Sie bringen Universitäten, Forschungsinstitute und andere Sektoren aus der ganzen Welt zusammen, um Forschende auf Doktorats-Niveau auszubilden. Sie helfen Forschenden zudem Erfahrungen in verschiedenen Arbeitsgebieten zu erlangen und somit breit anwendbare Fähigkeiten zu erwerben.

 

Weitere Informationen

 

 


Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 26.01.2021 (tB).

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