Opioidtherapien im palliativen Praxisalltag:
Retardierte Analgetika zeigen Vorteile

 

Berlin (3. Dezember 2020) – Welche Auswirkungen können unterschiedliche Opioide zur Schmerzbehandlung im Alltag von Tumorpatienten zeigen? Als verträgliche und wirksame Langzeittherapie bei starken Schmerzen, und insbesondere bei älteren Patienten, können long acting opioids (LAO) den Unterschied für Betroffene machen. Dabei ist Hydromorphon Aristo® long besonders für die Tumorschmerztherapie geeignet, wie Daten des PraxisRegisters Schmerz der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) zeigen. Worauf behandelnde Ärzte bei der Auswahl einer individualisierten Schmerztherapie achten sollten, erläuterte Dr. Johannes Horlemann, Kevelaer, im Online-Pressegespräch „Die Galenik macht den Unterschied“ am 16. November, welches von Aristo Pharma initiiert wurde.

Gerade in der palliativen Therapie spielt die Schmerzkontrolle eine große Rolle für die Patienten, wie Dr. Horlemann am Beispiel einer 63-Jährigen mit dem Erstbefund eines Phylloides-Tumors der Mamma zeigt. Über den 4-jährigen Erkrankungsverlauf hinweg kam es zu mehrfacher Streuung und entsprechenden Resektionen. Weiterhin litt die Seniorin an Frakturen und einem fortlaufenden Tumorprogress während der Chemotherapie, welche schließlich abgebrochen wurde. Durch eine stationäre Morphinpumpe wurde inklusive der Bedarfsmedikation eine tägliche Gesamtmenge von ca. 800 mg/die an Morphin gegeben. Symptome zeigten sich u.a. in starker Müdigkeit – auch, da die Patientin lagerungsabhängig tagsüber als auch nachts von 4 bis 6 Schmerzspitzen betroffen war und trotz Morphin unter einer Panalgesie mit der Stärke 7 bis 9 nach der visuellen Analogskala (VAS) litt. Trotz der hohen Morphindosis war die Situation für die Patientin mehr als belastend. „Es galt daher, sie so einzustellen, dass schmerzbedingtes Erwachen vermieden und Nebenwirkungen so gering wie möglich gehalten wurden“, so Dr. Horlemann.


24-Stunden-Wirkung: Hydromorphon Aristo® long bei starken Schmerzen

Aufgrund ihrer pharmakologischen Eigenschaften sind Hydromorphon-Präparate vor allem bei multimorbiden oder Patienten höheren Alters in der Schmerztherapie geeignet, da sie auch bei Vorliegen einer Niereninsuffizienz oder einer Multimedikation verabreicht werden können. Eine gute Verträglichkeit und reduzierte Plasmaeiweißbindung verstärken diese Position laut DGS-Präsident Horlemann.1

In einer aktuellen Analyse des Behandlungsverlaufs von 16.762 Patienten mit tumorbedingten Schmerzen basierend auf Real-World-Daten des DGS-PraxisRegisters Schmerz wurde die Therapie mit Hilfe des Hydromorphons in der 24-Stunden-Retardierung nur von einem Patientenanteil von 19,3 % wegen Verträglichkeitsproblemen abgebrochen. Mehr als ein Drittel der Morphinpatienten (42,4 %) hingegen konnte die Therapie wegen Unverträglichkeiten nicht weiterführen.2 Auch die Schmerzspitzen, die bei einem vorzeitigen Schwinden der analgetischen Wirkung der Basisschmerzmedikation auftreten (End-of-dose-failure), wurden untersucht: Beim Hydromorphon-24-Stunden-Präparat wurde einzig eine End-of-dose-failure von 7,4 % festgestellt, während diese bei der Oxycodongabe ca. 26,2 % sowie bei Morphin- Behandelten 31,4 % betrug. Bereits geschwächte Personen wie ältere Patientengruppen sind besonders durch diese Schmerzepisoden gefährdet: Stürze und Delirium können ebenso die Folge sein wie algogene Schlafstörungen, chronische Übelkeit, Katastrophisierung, aber auch soziale Isolation.2

 

Abb. 1: Häufigkeit dokumentierter End-of-dose-failures bei Patienten einer erfolgreichen Dauertherapie.2


Individuelle Opioidtherapien für spezifische Schmerzprofile der Patienten

Die Auswahl des richtigen Opioidagonisten für eine individualisierte Therapie bedeutet ebenso, weitere Risikofaktoren wie endokrine oder metabolische Störungen als auch die Gefahr einer Osteoporosebildung einzubeziehen. Zusätzlich sind sowohl immunologische Parameter als auch die pharmakokinetischen bzw. -dynamischen Interaktionen mit ausschlaggebend.

Weiter beschränken verschiedene Kontraindikationen für eine Opioidtherapie3 wie primäre Kopfschmerzformen, funktionelle Störungen oder schwere Angstformen die Gabe diverser opioider Schmerzmittel. Neben chronischen Formen der Pankreatitis und der Darmentzündung können gleichfalls der Verdacht auf anhaltenden Medikamentenfehlgebrauch oder Zweifel am verantwortlichen Umgang mit Opioiden die Verschreibung erschweren.

Dass die Auswahl des richtigen Schmerzmittels oft mehrere Versuche erfordert, zeigt auch die Studie des PraxisRegisters Schmerz: Hierbei erreichte retardiertes Hydromorphon bei bis zu sechs Behandlungsversuchen im Vergleich zu Oxycodon und Morphin die höchste erfolgreiche Gesamtresponse von 53,1 %, wobei im ersten Behandlungsversuch bei 66 % der Tumorpatienten Therapieerfolge festgestellt wurden. Auch nach der erfolglosen Gabe zweier anderer Opioide konnten in einem Drittversuch mit einem Hydromorphon-24-Stunden-Präparat 47 % der Tumorpatienten von der Schmerztherapie profitieren.2 Hingegen verlief die Behandlung mit Morphin im ersten Versuch bei nur 22,3 % der Tumorpatienten positiv, für Oxycodon betrug der Therapieerfolg hierbei 29 % – der Anteil erfolgreich therapierter Patienten sank bei der dritten Schmerzbehandlung bei beiden Wirkstoffen auf je 11,4 %.2 Auf die Medikamentengabe wirkt sich auch die Schmerzentstehung und das jeweilige Schmerzprofil aus: „Das schmerzkinetische Profil sollte genau und regelmäßig untersucht werden, um Patienten adäquat einzustellen und Schmerzspitzen zu vermeiden“, so Horlemann.

 

Abb. 2: Unterschiedliche First-Response-Raten verschiedener Opioide.2

Fazit

Zusammengefasst ist das Hydromorphon-24-Stunden-Präparat, wie z.B. Hydromorphon Aristo® long, das long acting opioid (LAO) mit der höchsten Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Therapie. Die Verlängerung der Wirkdauer kann die Schlafperioden ausdehnen, gleichzeitig kann die verringerte Einnahmefrequenz die Adhärenz verbessern. Die Wirkstabilität sorgt zudem für eine sichere Behandlung, in der End-of-dose-failures verringert werden können. Unterstützend wirkt das Hydromorphon-24-Stunden-Präparat auch für das dauerhafte Ziel des steady state: Dieser beschreibt ein konstantes Niveau der minimalen therapeutischen Wirkstoffkonzentration im Blut bei mehrmaliger Präparatgabe. Unter Hydromorphon Aristo® long konnte bei Patienten in jenem steady state eine verringerte Tagesmüdigkeit1 beobachten werden. Der steady state wirkt außerdem einer Schmerzchronifizierung entgegen, kann die Verkehrstüchtigkeit des Patienten erhalten und Suchtverhalten sowie der algogenen Schlafstörung entgegenwirken. So unterstützt die retardierte Wirkung von Hydromorphon-24-Stunden-Präparaten Tumorpatienten in der Bewältigung ihres Alltags.

 

Hydromorphon Aristo® long 4/8/16/32 mg Retardtabletten (Rp/BTM)

Wirkstoff: Hydromorphonhydrochlorid
Zus.: 1 Retardtbl. enth.: 4mg/8mg/16mg/32mg Hydromorphonhydrochlorid entspr. 3,55mg/7,09mg/14,19mg/28,38mg Hydromorphon. Sonst. Bestandt.: Tbl.-kern: Zucker-Stärke-Pellets (Sucrose, Maisstärke), Hypromellose, Ethylcellulose, Hyprolose, Triethylcitrat, Talkum, Carmellose-Natrium, mikrokrist. Cellulose, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), hochdisp. Siliciumdioxid; Flm.-Überzug: Polyvinylalkohol, Macrogol 4000, Talkum, 4mg-zusätzl.: Titandioxid (E 171), Eisen (III)-oxid (E 172); 8mg-zusätzl.: Titandioxid (E 171); 18mg-zusätzl.: Titandioxid (E171), Eisen (III)-hydroxid-oxid x H2O (E 172); 32mg-zusätzl.: Eisen (III)-oxid (E 172).
Anw.: Behandlung starker Schmerzen.
Gegenanz.: Überempfindlichkeit gegenüber Wirkstoff od. sonst. Bestandt., Atemdepression, schwere, chron. obstrukt. Lungenerkrankung, Koma, akutes Abdomen, paralytischer Ileus, gleichz. Gabe von Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmer) oder wenn diese innerhalb der letzten 2 Wochen abgesetzt wurden (MAOIs).
Schwangersch./Stillzeit: Anwendung nicht empfohlen.
Nebenw.: Häufig: Angst, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Somnolenz, Hypotonie, vermind. Appetit, Appetitlosigkeit, Obstipation, Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Pruritus, Schwitzen, Harnverhalt, verstärkter Harndrang, Asthenie. Gelegentlich: Depression, Dysphorie, Euphorie, Halluzinationen, Alpträume, Kopfschmerzen, Tremor, unwillkürliche Muskelkontraktionen, Parästhesie, Miosis, Verschwommensehen, Tachykardie, Dyspnoe, Dyspepsie, Diarrhoe, Dysgeusie, Hautausschlag, Urtikaria, vermind. Libido, erektile Dysfunktion, Toleranz, Entzugserscheinungen ud. Sympt. wie Agitiertheit, Angst, Nervosität, Schlaflosigkeit, Hyperkinese, Tremor ud. gastrointest. Sympt. beinhalten. Selten: Abhängigkeit, Agitiertheit, Krampfanfälle; Sedierung, Bradykardie, Palpitationen, Atemdepression, Bronchospasmen, Gallenkolik, Erhöhung von Pankreasenzymen, Rötung des Gesichts. Sehr selten: Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließl. Schwellung im Bereich des Oropharynx), Hyperalgesie, Paralytischer Ileus, Erhöh. v. Leberenzymen, periph. Ödem. Nicht bekannt: Anaphylaktische Reaktion. Enthält Sucrose. Packungsbeilage beachten. (verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel). (Stand Juni 2018).

Aristo Pharma GmbH, Wallenroder Straße 8-10, 13435 Berlin.

Über Aristo Pharma GmbH

Die Aristo Pharma GmbH wurde 2008 gegründet und gehört zu einem wachsenden deutschen Unternehmensverbund mit Hauptsitz in Berlin, der sich der Forschung und Entwicklung sowie Herstellung moderner Medikamente verschrieben hat. Im Fokus der Geschäftsstrategie steht die Entwicklung qualitativ hochwertiger Arzneimittel.

Das Angebot von Aristo Pharma GmbH umfasst derzeit bewährte und erfolgreiche Markenprodukte, kostengünstige und qualitativ hochwertige Generika, verschreibungspflichtige sowie rezeptfreie Arzneimittel. Die Produktpalette von Aristo Pharma steht auf der Basis der wichtigsten Wirkstoffe aller großen Therapiegebiete. Besonders hervorzuheben ist die Spezialisierung auf Schmerztherapie, Neurologie, Urologie, Gynäkologie, Kardiologie und HNO-Heilkunde.

 

 

 

Referenzen

 

  1. Loetsch J, J Pain Symptom Manage 2005; 29:10-24; Lawlor P et al.: Dose Ratio between Morphine and Hydromorphone. Pain 72 (1997) 79-85 / Sohn W: Hydromorphon – ein starkes Opioid mit Vorteilen bei der Verstoffwechslung. FORTSCHRITTE DER MEDIZIN – Originalien 121. Jg., Nr. II/2003, S. 51-55
  2. Überall MA, Müller-Schwefe GHH, Schürmann N, Horlemann J. Differenzialtherapie tumorbedingter Schmerzen mit typischen Opioiden. Schmerzmedizin 2020; 36 (3). 3 Strong Consensus, Pain in Europe – EFIC Valencia 2019

 

 


Quelle: Aristo Pharma, 03.12.2020 (tB).

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