Salzdebatte – oft unwissenschaftlich und tendenziös
Natriumspeicher in der Haut entdeckt

 

Mannheim (27. März 2008) – Unausgewogen, unwissenschaftlich und tendenziös wird nach Professor Dr. Karl-Ludwig Resch, Bad Elster, von Salzgegnern oft über vermeintlich wissenschaftliche Studienergebnisse berichtet und vor den Gefahren des Salzkonsums gewarnt. Seit Jahren wird laut Resch eine hitzige Debatte um die Gefahren des Kochsalzkonsums geführt und es gibt sogar in angesehenen Journalen immer wieder sensationsträchtig aufgemachte Meldungen, die vor dem „Risikofaktor Kochsalz“ warnen und die Bevölkerung pauschal zum Salzsparen aufrufen.

 

Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Blutdruck

Dies geschieht, obwohl bislang eindeutige, wissenschaftlich fundierte Daten aus kontrollierten Studien fehlen, die einen klaren Zusammenhang zwischen Kochsalzkonsum und Blutdruck oder gar zwischen Kochsalzkonsum und kardiovaskulären Ereignissen belegen. Im Gegenteil: „Es gibt mehrere Cochrane-Analysen, die klar dokumentieren, dass die erhoben Daten einen solchen Zusammenhang nicht nachweisen können“, sagte Resch bei einer Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kardiologen-Kongresses in Mannheim. 

Nicht von der Korrelation auf die Kausalität schließen

Grundlage für die „bestechend simple Logik“ und die pauschalen Appelle zur salzarmen Kost sind laut Resch epidemiologische Studien aus den 50iger Jahren, die auf eine statistische Korrelation der täglichen Kochsalzaufnahme in verschiedenen Ländern und der Prävalenz der Hypertonie hinweisen. „Daraus wurde eine kausale pathogenetische Rolle abgeleitet, was methodisch höchst fragwürdig ist“, monierte Resch in Mannheim. Von den Salzgegnern werden zudem immer wieder die Daten der Intersalt-Studie angeführt, einer Querschnittsuntersuchung von 52 Populationen, die angeblich den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Blutdruckhöhe bestätigen. Die Validität der Daten wurde wiederholt in Frage gestellt zumal die Korrelation in sich zusammen fällt, wenn von den untersuchten 52 Populationen vier Naturvölker herausgenommen werden.  „Dann zeigt sich sogar ein inverser Zusammenhang“, betonte Resch. Das dokumentiert nach seinen Worten eindrucksvoll, dass Korrelationen grundsätzlich nicht geeignet sind nachzuweisen, dass eine korrelierende Variable die Ursache und die andere die Resultierende sei. „Ein derartiger Schluss ist nicht zulässig, egal welche Position damit belegt werden soll“, gab Resch zu bedenken. 

Potenzielle Gefahren salzarmer Kost werden negiert

Als problematisch bezeichnete er außerdem, dass potenzielle Gefahren einer salzarmen Ernährung, für die es durchaus Hinweise aus wissenschaftlich gut angelegten Studien gibt, von den Salzgegnern komplett negiert werden. So wurde unter anderem gezeigt, dass eine salzarme Ernährung von signifikanten unerwünschten Anstiegen der Katecholamine um zum Teil bis mehr als 300 Prozent begleitet wird. Es wurden außerdem Anstiege des LDL-Cholesterins und der Triglyceride gesehen, die laut Resch anerkannte kardiovaskuläre Risikofaktoren darstellen. Auch gibt es Befunde, wonach unter salzarmer Ernährung sogar eine höhere kardiovaskuläre Mortalität besteht. Dass eine Salzrestriktion bei der Nahrungsaufnahme für bestimmte Menschen gesundheitlich bedenklich sein kann, ist nach Resch längst nachgewiesen. „Bei älteren Menschen ist ein Salzmangel eine der bedeutsamsten Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes“, gab Resch zu bedenken. 

Überraschende Befunde: Osmotisch inaktive Salzspeicherung

Dass die Bücher zum Thema Kochsalz noch längst nicht geschlossen sind, zeigen auch aktuelle Untersuchungen von Privatdozent Dr. Jens Titze aus Erlangen. Der Wissenschaftler konnte nachweisen, dass anders als bislang angenommen, Salz im Körper nicht nur gebunden an Flüssigkeit gespeichert werden kann. Es ist vielmehr auch eine „osmotisch inaktive“ Salzspeicherung möglich.  Ist Salz im Überschuss vorhanden, so kann nach Titze Natrium über Umbauprozesse in Zuckermolekülen der Haut, den so genannten Glykosaminglykane, gespeichert werden. Sinkt die Kochsalzzufuhr, so ist es umgekehrt möglich, das Natrium aus diesem Speicher zu mobilisieren und dem Organismus wieder zur Verfügung zu stellen.  „Die Entwicklung eines solchen Natriumspeichers könnte ein Tribut an unsere Evolution darstellen“, berichtete Titze in Mannheim. Denn mit dem Übergang der Lebewesen vom Meer aufs Land war nach seinen Worten zwangsläufig ein Salzmangel verbunden. Einen Salzspeicher zu besitzen, kann in dieser Situation ein Überlebensvorteil gewesen sein. Welche Funktion dem Salzspeicher in unserer modernen Zeit zukommen könnte, wird nach Angaben des Wissenschaftlers derzeit untersucht. 


Quelle: Pressekonferenz des Verbandes der Kali- und Salzindustrie e.V. zum Thema „Vom Salz in unserer Haut – Neue Erkentnisse zum Salzhaushalt“, am 27. März 2008 in Mannheim, anlässlich des Kardiologen-Kongresses 2008. (tB)

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