43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

Biologika bergen kein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder

 

Bremen (3. September 2015) – Immer noch sind einige Eltern und Ärzte besorgt, dass gentechnisch hergestellte Biologika das Krebsrisiko bei Kindern mit Rheuma erhöhen. Doch Studien und neue Registerdaten aus Deutschland entkräften diesen Verdacht nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern mit Gelenkrheuma. Die Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass entzündlich rheumatische Erkrankungen mit einem zwei- bis vierfach erhöhten Risiko für Tumoren im Vergleich zur Bevölkerung einhergehen. Um Eltern, Betroffene und Ärzte besser aufzuklären, müssen die neuen Informationen zügig bekannt gemacht werden, forderten Kinderrheumatologen im Vorfeld des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).


Im Jahr 2009 warnte die Amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) vor einem erhöhten Krebsrisiko durch Biologika. „Studien der letzten fünf Jahre konnten diese Bedenken jedoch bei fast 20.000 Kindern mit Rheuma, der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA), entkräften“, so Professor Dr. med. Kirsten Minden, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), Kinderrheumatologin an der Universitäts-Kinderklinik, Charité Berlin. Kürzlich publizierte deutsche Registerdaten bestätigen jetzt die Ergebnisse. Insgesamt haben die Berliner Forscher etwa 3.000 Patientendaten über bis zu dreizehn Jahre ausgewertet.

 

„Dennoch zögern einige Eltern, wenn wir ihren Kindern Biologika empfehlen, aus Angst vor einem erhöhten Krebsrisiko“, so Minden. Auch unter den Ärzten gebe es noch Skeptiker. „Dabei haben Biologika die JIA-Therapie in den letzten Jahren entscheidend verbessert“, sagt der GKJR-Kongress-Präsident Professor Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Klinikdirektor der Professor-Hess-Kinderklinik, Klinikum Bremen-Mitte. Bei mehr als der Hälfte aller JIA-Patienten kommen die schmerzhaften Symptome heutzutage schon in den ersten zwei Krankheitsjahren zum Stillstand. „Auch Folgeschäden wie etwa Gelenk- oder Augenschäden, die in Einzelfällen bis zur Erblindung führen können, sind laut der aktuellen Studie zurückgegangen“, sagt Huppertz. Entscheidend sei dabei, dass die jungen Rheuma-Patienten von Anfang an von Kinderrheumatologen betreut werden, die die neuen Therapiekonzepte optimal einsetzen können.

 

„Wichtig ist jetzt, dass wir Patienten-Broschüren auf den aktuellen Stand bringen und so für eine bessere Aufklärung sorgen“, fordert Minden im Vorfeld des DGRh-Kongresses. Hier sollten wir auch darüber informieren, dass JIA-Patienten unabhängig von der Therapie ein erhöhtes Risiko für bösartige Tumoren, insbesondere Lymphknotengeschwülste, haben. Mit welchen weiteren Begleiterkrankungen Patienten mit JIA im Erwachsenenalter rechnen müssen, sei bisher noch unzureichend untersucht. „Im Rahmen der aktuellen Studie haben wir daher auch das Risiko für Infektionen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Uveitis, eine Entzündung der mittleren Augenhaut, untersucht“, so Minden.

 

 

Quellen

 

  • Jens Klotsche et al. „Long-term safety of etanercept and adalimumab compared to methotrexate in patients with juvenile idiopathic arthritis (JIA)” Ann Rheum Dis 2015;0:1–7. doi:10.1136/annrheumdis-annrheumdis-2014-206747
  • Daten Kerndokumentation rheumakranker Kinder und Jugendlicher von 2000-2014, unveröffentlichte Daten. Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, 03.09.2015 (tB).

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