MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

SHARP ‑ Ergebnisse der Phase‑III Zulassungsstudie mit Sorafenib beim Leberzellkarzinom

 

Von Prof. Dr. med. Tim Greten

 

Frankfurt am Main (22. Juni 2007) – Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die dritthäufigste Krebstodesursache in Deutschland, wobei die Mehrzahl der Patienten bereits innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnosestellung verstirbt. Eine Standardtherapie, die die Überlebenszeit der Patienten verlängert, ist bislang nicht bekannt. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass beim HCC die Raf‑Kinase überexprimiert und aktiviert ist, was eine klinische Wirksamkeit von Substanzen wie Sorafenib, das den RAF/MEK/ERKSignalweg hemmt, erwarten lässt.

Der Multikinase‑Inhibitor, der RAF, VEGF und andere Kinasen hemmt, im Xenograftmodell die Apoptose im HCC induziert, und sowohl auf die Tumorzellproliferation als auch auf die Angiogenese Einfluss nimmt, hat bereits beim Nierenzellkarzinom seine guten Antitumoreffekte in Studien dokumentiert und ist in dieser Indikation in Deutschland bereits seit knapp einem Jahr zugelassen.

 

Signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens

Neuere Daten belegen darüber hinaus die klinische Wirksamkeit beim Leberzellkarzinom, die sich nun in einer multizentrischen Phase‑III‑Studie bestätigt hat. In der so genannten SHARP‑Studie (Sorafenib HCC Assessment Randomized Protocol) wurden 602 Patienten mit fortgeschrittenem HCC, gutem Allgemeinzustand (ECOG 0‑2) und Child‑Pugh Klasse A ohne vorherige systemische Therapie doppelblind randomisiert mit 400 mg Sorafenib zweimal täglich (n=299) oder Placebo (n=303) behandelt. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 65 respektive 66 Jahren, in beiden Gruppen waren 87 Prozent der Patienten Männer, 88 Prozent stammten aus Europa und davon 25 Prozent aus Deutschland. Bei 19 Prozent der Patienten in der Sorafenib‑ und bei 21 Prozent in der Placebogruppe war eine Leberresektion durchgeführt worden, 39 bzw. 41 Prozent hatten eine lokale Behandlung erfahren.

Primäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben sowie die Zeit bis zum symptomatischen Progress, sekundäre Endpunkte waren die Zeit bis zur Tumorprogression sowie die Rate der Krankheitskontrolle.

Die zweite Zwischenanalyse der SHARP‑Studie erfolgte, nachdem 321 Todesfälle registriert worden waren. Der Unterschied war statistisch signifikant, wobei sich unter dem Multikinasehemmer eine Verbesserung des Überlebens um 44 Prozent ergab (p=0,0006).

Werbung

Die mittlere Überlebenszeit wurde durch Sorafenib bei den HCC‑Patienten von 7,9 auf 10,7 Monate verlängert.

 

Längeres progressionsfreies Intervall

Während die Zeit bis zum symptomatischen Tumorprogress nicht signifikant verlängert wurde, zeigte sich bei der durch unabhängige Reviewer beurteilten Zeit bis zur allgemeinen Tumorprogression ebenfalls ein statistisch hochsignifikanter Vorteil (p=0,000007) zugunsten von Sorafenib.

Auch hinsichtlich der Tumorkontrolle erwies sich der Multikinasehemmer dem Placebo als eindeutig überlegen: Eine Krankheitsstabilisierung wurde nach vier Monaten bei 62 Prozent der Patienten mit Sorafenib aber nur bei 42 Prozent mit Placebo erreicht.

Der Wirkstoff wurde im Allgemeinen gut vertragen, die Rate schwerer Nebenwirkungen war derjenigen in der Placebogruppe vergleichbar, wobei bei den Grad 3 / 4 Reaktionen vor allem Diarrhoen sowie Hand‑Fuß‑Hautreaktionen auftraten.

 

Sorafenib ‑ Bald Standardtherapie beim HCC?

Die Daten der SHARP‑Studie sind von hoher klinischer Relevanz, da es bislang beim fortgeschrittenen Leberzellkarzinom keine effektive Behandlungsmöglichkeit neben dem „best supportive care" gibt. Mit Sorafenib verfügen wir nun bald erstmals über eine Therapieoption, die das Leben der Patienten eindeutig verlängert und das bei guter Verträglichkeit und akzeptablen Nebenwirkungen. Sorafenib könnte deshalb meines Erachtens bald die Standardtherapie beim fortgeschrittenen Leberzellkarzinom werden.

 

Autor
Prof. Dr. med.
Tim Greten
Kliniken der Medizinischen Hochschule Hannover
Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
Carl‑Neuberg‑Straße 1
30625 Hannover

 


Quelle: Presse-Konferenz der Firma Bayer HealthCare zum Thema „Innovativer Therapieansatz zur Lebensverlängerung beim Leberzellkarzinom“ am 22. Juni 2007 in Frankfurt am Main.

 

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Typ-2-Diabetes: Vorteil mit Toujeo® in der Einstellphase – Geringeres Hypoglykämierisiko…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons

MULTIPLE SKLEROSE

Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit