ASH 2015

Phase-III-Studie zeigte Vorteil von Ibrutinib gegenüber Temsirolimus beim MCL

Neuss (6. Januar 2016) – Auf dem 57. Treffen der American Society of Hematology (ASH) in Orlando wurden die Daten der klinischen Phase-III-Studie MCL 30011 präsentiert. Die Studie untersuchte mit Ibrutinib (Imbruvica®) von Janssen und Temsirolimus erstmals zwei zielgerichtete Therapien in der Behandlung von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom (MCL). Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Überlegenheit von Ibrutinib gegenüber Temsirolimus in Endpunkten wie progressionsfreies Überleben und Gesamtansprechrate unabhängig von Risikofaktoren.1

Mit der Studie MCL 30011 liegt nach der einarmigen Phase-II-Studie PCYC 11042 nun die erste klinische Phase-III-Studie zum Einsatz von Ibrutinib bei rezidivierten/ refraktären Patienten mit MCL vor. In der Vergleichsstudie des BTK-Inhibitors Ibrutinib und des mTOR-Inhibitors Temsirolimus zeigte sich Ibrutinib gegenüber Temsirolimus sowohl im als primären Endpunkt definierten progressionsfreien Überleben (PFS; IRC assessed) als auch in weiteren, sekundären Endpunkten wie der Gesamtansprechrate (ORR, IRC assessed) als signifikant überlegen.1

In der Studie wurden 280 Patienten mit vorbehandeltem MCL in zwei Arme randomisiert. Davon zählten etwa zwei Drittel der Patienten zu Mittel- bis Hochrisikogruppen gemäß MIPI Score. Der Ibrutinib-Arm (n=139) erhielt einmal täglich 560 mg oral Ibrutinib bis zum Progress oder bis zum Auftreten untolerierbarer Nebenwirkungen. Der Temsirolimus-Arm (n=141) erhielt im ersten dreiwöchigen Zyklus 175 mg Temsirolimus intravenös an den Tagen 1, 8 und 15, in den nachfolgenden Zyklen 75 mg intravenös an den Tagen 1, 8 und 15 bis zum Progress oder bis zum Auftreten untolerierbarer Nebenwirkungen. Die mediane Therapiedauer war unter dem BTK-Inhibitor ca. viermal länger als im Arm mit dem mTOR-Inhibitor Temsirolimus (14,4 vs. 3,0 Monate).1

Ibrutinib: Besseres PFS und ORR gegenüber Temsirolimus

Nach einem medianen Follow-Up von 20 Monaten reduzierte die Behandlung mit Ibrutinib das Risiko für Krankheitsprogression und Tod gegenüber Temsirolimus signifikant (p>0,0001). Das mediane PFS wurde im Ibrutinib-Arm nach 14,6 Monaten, im Temsirolimus-Arm nach 6,2 Monaten erreicht. Nach 2 Jahren betrug die PFS-Rate (IRC assessed) im Ibrutinib-Arm 41 % gegenüber 7 % unter Temsirolimus (no. at risk n=5 vs. n=1). Auch hinsichtlich der ORR (IRC assessed) schnitt Ibrutinib mit 71,9 % gegenüber 40,4 % signifikant besser ab (p<0,0001). Von den mit Ibrutinib behandelten Patienten erreichten 19 % eine komplette Remission (CR), wohingegen unter dem mTOR-Inhibitor nur 1 % eine CR erreichten.1

Nach einem Jahr betrugen die Überlebensraten 68 % (no. at risk n=92) unter Ibrutinib und 61 % (no. at risk n=78) unter Temsirolimus. Nach einem medianen Follow-Up von 20 Monaten waren noch 58 % der mit Ibrutinib behandelten Patienten am Leben, versus 55 % in der Temsirolimus-Gruppe. Das mediane OS wurde im Ibrutinib-Arm nicht erreicht, wohingegen es im Temsirolimus-Arm nach 21,3 Monaten (p=0,1324) erreicht wurde. Der Unterschied in beiden Gruppen war nicht statistisch signifikant, wobei berücksichtigt werden sollte, dass 23 % (n=32) der Patienten aus dem Temsirolimus-Arm zu Ibrutinib wechselten.1

 

Ibrutinib zeigt eine gute Verträglichkeit

Obwohl Patienten Ibrutinib deutlich länger erhielten, war die kumulative Häufigkeit der therapiebedingten Nebenwirkungen (treatment-emergent AE=TEAE), im Ibrutinib-Arm geringer im Vergleich zu denen im Temsirolimus-Arm. TEAE von Grad ≥3 traten unter Ibrutinib in 68% und unter Temsirolimus in 87% der Patienten auf. Dosisreduktionen infolge von Nebenwirkungen erfolgten in 4% im Ibrutinib-Arm versus 43% der Fälle im Temsirolimus-Arm. Nebenwirkungsbezogene Therapieabbrüche unter Ibrutinib traten bei 6 % der Patienten und meistens infolge einer Thrombozytopenie, unter Temsirolimus bei 26 % und meistens infolge von (atypischer) Pneumonie oder Pneumonitis auf.1

Die häufigsten berichteten TEAE (≥20 %) in der Ibrutinib-Gruppe umfassten Diarrhö (29 %, n=49), Husten (22 %, n=22) und Fatigue (22 %, n=31). Bei Temsirolimus waren dies Thrombozytopenie (56 %, n=78), Anämie (43 %, n=60), Diarrhö (31 %, n=43), Fatigue (29 %, n=40), Neutropenie (26 %, n=36), Epistaxis (24 %, n=33), Husten (22 %, n=31), peripheres Ödem (22 %, n=31), Übelkeit (22 %, n=30), Fieber (21 %, n=29) und Stomatitis (21 %, n=29).1

Die Therapie von vorbehandelten MCL-Patienten mit Ibrutinib war assoziiert mit einer signifikanten Verbesserung des PFS und einer guten Verträglichkeit gegenüber Temsirolimus. Diese Ergebnisse bestätigen das gute Nutzen-Risiko-Profil von Ibrutinib in der Therapie des rezidivierten/refraktären MCL.

Ibrutinib wurde bereits im Oktober 2014 zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MCL zugelassen. Ibrutinib wurde zudem zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie (CLL), die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben, zugelassen. Die Zulassung beinhaltet auch die Erstlinien-Behandlung von Patienten mit CLL, bei denen eine Deletion 17p oder TP53 Mutation vorliegt und die für eine Chemo-Immuntherapie nicht geeignet sind. Im Juli 2015 folgte die Zulassung zur Therapie des Morbus Waldenström bei Patienten mit mindestens einer vorangegangenen Therapie, womit Ibrutinib seitdem zur Behandlung von drei Indikationen zur Verfügung steht.3


Janssen. Mehr leben im Leben.

Als Pharmasparte des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson entwickeln wir im Schulterschluss mit Partnern vor Ort und weltweit innovative Medikamente und ganzheitliche Behandlungskonzepte – von der Diagnose bis zur Rehabilitation. Schwerpunkte unserer Arbeit sind Onkologie, Immunologie, Psychiatrie und Infektiologie. Damit wollen wir erreichen, was für Patienten wirklich zählt: alltägliche und besondere Momente so zu erleben, wie es vor der Diagnose selbstverständlich war. Weltweit sind über 40.000 Mitarbeiter für Janssen tätig; in Deutschland beschäftigt die Janssen-Cilag GmbH, Neuss, mehr als 800 Mitarbeiter. Mehr Informationen unter: www.janssen.com/germany und www.mehr-leben-im-Leben.de.


Literaturverweise

  1. Dreyling M et al.; Lancet 2015; 6736(15)00667-4
  2. Wang M, et al. ASH 2014; Poster Presentation, Abstract 4453 https://ash.confex.com/ash/2014/webprogram/Paper67775.html, Zugriff 16.12.2015
  3. Aktuelle IMBRUVICA®-Fachinformation

Quelle: Janssen-Cilag, 06.01.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung