Augenärzte raten zu gänzlich nüchternen Autofahrten

Schon ein Bier verschlechtert die Nachtsicht

 

München (30. Oktober 2014) – Dass schon geringe Mengen Alkohol den Sehsinn „vernebeln“, belegen Augenärzte jetzt wissenschaftlich: Das in alkoholischen Getränken enthaltene Ethanol stört den natürlichen Tränenfilm des Auges, so eine spanische Studie. Dies verschlechtert das Sehvermögen bei Nacht und erhöht die Licht- und Blendempfindlichkeit. Alkoholische Getränke beeinträchtigen also nicht nur generell das Reaktionsvermögen des Fahrers, sondern wirken auch direkt auf die Augen. Diese Effekte treten schon nach Verzehr geringer Mengen Alkohol auf und schränken die Fahrtüchtigkeit ein. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft(DOG) rät Autofahrern deshalb, insbesondere vor nächtlichen Fahrten gänzlich auf alkoholische Getränke zu verzichten.

 

Wie stark Alkohol die Reaktionszeit verlangsamt, zeigen die Zahlen: Bei fünf Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden stand mindestens einer der Beteiligten unter Alkoholeinfluss, meldet das Statistische Bundesamt. Die Hälfte davon ereignet sich am Wochenende in der Zeit von 20 bis 24 Uhr. „Besucher von Diskotheken und Kneipen neigen in ihrer Euphorie dazu, die eigene Fahrtüchtigkeit zu überschätzen und ihren Alkoholkonsum zu verharmlosen“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt. Dabei belegen neue Studien, dass Alkohol nicht nur Koordination und Urteilsvermögen des Fahrers einschränkt, sondern auch unmittelbar die Fähigkeit, bei Nacht zu sehen.

 

Experten der Universität Granada testeten Kontrastsehen und Blendempfindlichkeit von 67 Probanden vor und nach dem Verzehr unterschiedlicher Mengen Rotwein. Alle Teilnehmer schnitten nach Alkoholkonsum im Sehtest deutlich schlechter ab als im nüchternen Zustand. Schuld daran sei, so die Autoren der Studie, das im Alkohol enthaltene Ethanol. Es löst die äußere, leicht fettige Schicht des Tränenfilms auf, der das Auge bedeckt. Dadurch verdunsten die wässrigen Bestandteile der Tränenflüssigkeit.

 

Die Folge ist, dass ein alkoholisierter Fahrer Kontraste schlechter erkennt und empfindlicher auf Licht reagiert. Dieser Effekt zeigt sich verstärkt ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille. Aber auch Probanden, deren Werte unterhalb der gesetzlichen Höchstgrenze lagen, sahen Kontraste schlechter und nahmen vermehrt Lichtschleier wahr. „Entscheidend ist, dass Alkohol generell unser Reaktionsvermögen beeinträchtigt“, sagt Professor Dr. med. Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der DOG aus München. „Dass das Ethanol darüber hinaus das Sehvermögen einschränkt, stützt nur einmal mehr die Empfehlung, sich alkoholisiert gar nicht erst hinters Steuer zu setzen.“

 

Denn schon bei geringem Alkoholkonsum und normalen Lichtverhältnissen verschlechtert sich die Sicht für den Feiernden kaum wahrnehmbar. Dies sei besonders gefährlich, so Lachenmayr: „Viele Kneipenbesucher halten sich noch für fahrtüchtig, wenn sie ein bis zwei Gläser Bier getrunken haben.“ Nach den oben beschriebenen Erkenntnissen stehe dies einmal mehr in Frage. „Demzufolge können schon geringe Mengen Alkohol dazu führen, dass der Fahrer Fußgänger und Straßenschilder zu spät erkennt oder durch die Scheinwerfer entgegenkommender Autos geblendet wird.“

 

 

Quellen

 

  • Castro J, Pozo AM et al., Retinal-Image Quality and Night Vision Performance after Alcohol Consumption, Journal of Ophthalmology Volume 2014 (2014), DOI:10.1155/2014/704823

 

 

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung

 

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6.500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

 


Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), 30.10.2014 (tB) Thomas Backe

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