Bevacizumab beim mCRC

Individuelle Therapie bei breitem Anwendungsspektrum

 

Mannheim (2. Oktober 2009) – Neue Studiendaten, die auf dem diesjährigen ESMO/ECCO vorgestellt wurden, zeigen erneut das breite Anwendungsspektrum des Angiogenese-Hemmers Bevacizumab (Avastinâ) beim metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC): In der Phase-III-Studie AGITG MAX hat sich mit Capecitabin plus Bevacizumab eine weitere Therapieoption für Patienten mit mCRC bewährt. Den Nutzen von Bevacizumab auch für ältere Patienten bestätigt eine Subgruppenanalyse der Beobachtungsstudie First BEAT. Des Weiteren wurden erste Ergebnisse der Phase-II-Studie BOXER präsentiert. Sie liefert neue Evidenz für einen Einsatz des Angiogenese-Hemmers bei Patienten mit potenziell resektablen Metastasen.

 

Die internationale randomisierte dreiarmige Phase-III-Studie AGITG MAX untersuchte die Kombination von Capecitabin vs. Capecitabin + Bevacizumab vs. Capecitabin + Bevacizumab + Mitomycin C als potenziell niedrig-toxische Regime für Patienten, die nicht für eine Oxaliplatin- oder Irinotecan-basierte Therapie in Frage kommen (1). In der Studie waren 471 Patienten mit einem medianen Alter von 67-69 Jahren eingeschlossen. 30 % der Patienten sprachen auf Capecitabin, 38 % auf Capecitabin + Bevacizumab und 46 % in der Kom­bination mit Mitomycin C an (C vs. CBM p=0,006). Das progressionsfreie Überleben (PFS) war in beiden Bevacizumab-Armen signifikant höher als unter der Capecitabin-Monotherapie (5,7 vs. 8,5 vs. 8,4 Monate; C vs. CB: HR=0,63, p<0,001; C vs. CBM: HR=0,59, p<0,001). Das Gesamtüberleben (OS) in den drei Behandlungsarmen war nicht signifikant verschieden (18,9 vs. 18,9 vs. 16,4 Monate). Da rund 2/3 der Patienten in allen Behandlungsarmen nach Tumorprogress eine weitere systemische Therapie erhielten, sind die OS-Daten nach Aussage der Studienautoren jedoch nicht aussagekräftig in Bezug auf die First-line-Therapie. Die Lebensqualität war nach drei und sechs Wochen vergleichbar, ohne deutliche Bevorzugung eines Therapieregimes. In den Bevacizumab-haltigen Studienarmen traten an Nebenwirkungen lediglich das Hand-Fuß-Syndrom (Grad 3-5: 16 vs. 26 vs. 28 %) und die arterielle Thromboembolie (Grad 3-5: 0,0 vs. 2,5 vs. 3,8 %) signifikant häufiger auf.

 

Damit hat sich mit Capecitabin plus Bevacizumab, so Dr. Hofheinz/Mannheim, ein weiteres aktives, niedrig toxisches Regime, welches auch viel versprechend für ältere Patienten ist, als Therapieoption für Patienten mit mCRC bewährt. „Die Individualisierung der Therapie mit Bevacizumab erfolgt derzeit primär über die Wahl der in Kombination eingesetzten Chemotherapie“, so Hofheinz. „Durch Hinzunahme des in der jeweiligen klinischen Situation am besten geeigneten Kombinationspartners lässt sich so die Intensität der Behandlung dem Therapieziel für den einzelnen Patienten anpassen“.

 

 

Nutzen für ältere Patienten erneut bestätigt

 

Den Nutzen von Bevacizumab für ein älteres Patientenkollektiv bestätigt auch eine Subgruppenanalyse der First BEAT-Studie (2). Die Studie war darauf angelegt, die Sicherheit und Wirksam­keit von Bevacizumab in Kombination mit gängigen Chemo­therapien in der First-line-Therapie des mCRC in der täglichen Praxis zu bestätigen. Es wurden 1.965 Patienten aus 41 Ländern (weltweit, ohne USA) über einen Median von 21,1 Monaten (0-43,2 Monate) nachbeobachtet. Eine Datenanalyse in Bezug auf das Alter der Patienten (<65 Jahre, 65-74 Jahre, >75 Jahre) zeigt keinen Unterschied im PFS zwischen den einzelnen Altersgruppen. Das OS war, wie erwartet, bei den über 75-jährigen etwas geringer als in den jüngeren Gruppen. Die Nebenwirkungen waren bei allen Altersgruppen ver­gleichbar, ausgenommen leicht erhöhter Raten von throm­boembolischen Ereignissen und Proteinuria bei den älteren Patienten. Damit werden die Daten der BRiTE-Studie und anderer Phase-III-Studien, hinsichtlich des Outcomes von älteren Patienten unter Bevacizumab, bestätigt.

 

 

Prospektive Daten zur sekundären Metastasenresektion

 

Neue Evidenz für den Nutzen einer Bevacizumab-haltigen Therapie bei Patienten mit primär irresektablen Leber­metastasen lieferte die prospektive single-arm Phase-II-Studie BOXER (3). In dieser Studie wurden 45 Patienten mit nicht resektablen oder zeitgleich mit dem Primärtumor diagnostizierten Leber­metastasen neoadjuvant mit Bevacizumab + CAPOX behandelt. Das Ansprechen (ORR) betrug 78 % (CR=9 %; PR=69 %; SD=16 %). Zur Zeit der Auswertung konnten 33 % der Patienten einer Leberresektion zugeführt werden (R0 56 %; R1 31 %; R2 13 %). Die Resektabilität wurde alle vier Zyklen überprüft. Bevacizumab wurde im Median 10,8 Wochen vor der Operation abgesetzt. Das Regime wurde gut vertragen, es traten keine unerwarteten Nebenwirkungen auf und es wurden keine perioperativen Komplikationen beobachtet. Die Ergebnisse stärken damit die bereits publizierte Evidenz (4-7) für den sicheren Einsatz von Bevacizumab bei mCRC-Patienten mit primär irresektablen Lebermetastasen und dem Ziel der sekundären Metastasenresektion.

 

 

Quellen

 

  1. Wong et al., ESMO 2009; Abstract 6076, Poster presentation
  2. Tebbutt et al., ESMO 2009; Abstract 6001, Oral presentation
  3. Van Cutsem et al., ESMO 2009; Abstract 6088, Poster presentation
  4. Cassidy et al., ASCO 2008; Poster 4022
  5. Zorzi et al., ASCO GI 200; Abstract 295
  6. Van Cutsem et al., Annal Oncol 2009; Epub ahead of print, doi: 10.1093/annonc/mdp233
  7. Gruenberger et al., J Clin Oncol 2008; 26: 1830-1835

 

Download

 

Referat Dr. Ralf-Dieter Hofheinz zum Thema "Stellenwert von Avastin in der Darmkrebstherapie"

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Referat Dr. Dirk Arnold zum Thema "Parameter für den Therapieerfolg"

Statement: statement_arnold.pdf statement_arnold.pdf (42.26 KB)

Folien:       praes_arnold.pdf praes_arnold.pdf (1.49 MB)

 

 



Quelle: Pressekonferenz der Firma Roche Pharma zum Thema „Avastin® first line beim mRCRC: mehr Leben! Eine Bewertung der Therapieergebnisse und ihrer Bedeutung für den Patienten“ am 02.10.2009 in Mannheim (medical relations) (tB).

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