CDP-Cholin – verbessert therapeutischen Outcome nach Schlaganfall

 

Leipzig (22. Januar 2009) – Oberstes Ziel bei der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls ist es, die Infarktgröße – und damit den späteren Behinderungsgrad des Patienten – so gering wie möglich zu halten. Die neuroprotektive Substanz CDP-Cholin (Cytidin-5´-Diphosphocholin) verkleinert das Infarktvolumen und verbessert das neurologische Defizit nach akutem ischämischen Insult im Vergleich zu Plazebo signifikant. Unter der Leitung von Prof. Martin Grond, Siegen und Prof. Joachim Röther, Minden diskutierten Experten über das Potential von CDP-Cholin in der Schlaganfalltherapie im Rahmen der 26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin (ANIM).

 

Nach einem Hirninfarkt führen zahlreiche Faktoren wie Kalziumeinstrom, oxidativer Stress, Entzündung und Schädigung der Bluthirnschranke zum Zelluntergang, der nur schwer aufzuhalten ist. „Die komplexe ischämische Schädigungskaskade kann jedoch durch CDP-Cholin positiv beeinflusst werden“, erklärte Prof. Joachim Röther, Minden. Es ist bisher die einzige Substanz, für die klinische Studien eine neuroprotektive Wirkung nahelegen.

 

Multimodale Neuroprotektion

Die körpereigene Substanz CDP-Cholin fördert die Biosynthese von Phosphatidylcholin, dem wichtigsten Baustein von Zellmembranen. Exogen appliziertes CDP-Cholin passiert die Bluthirnschranke und reichert sich in ischämischen Arealen an. „Dort entfaltet es neuroprotektive und regenerative Effekte, die auf unterschiedliche Wirkmechanismen antiexzitatorischer, antioxidativer, membranstabilisierender und regenerativer Art zurückgeführt werden können“, erläuterte Prof. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Münster. „CDP-Cholin leistet einen wichtigen Beitrag für den Wiederaubau und Erhalt der Zellintegrität. Zugleich wirkt es als Radikalfänger, vermindert die Glutamattoxizität, steigert den zerebralen Metabolismus und stimuliert die cholinerge Transmission.“ Darüber hinaus vermindert CDP-Cholin die ischämiebedingte Apoptose durch Hemmung intrazellulärer Signalwege und fördert das neuronale Überleben. Mit seinem ausgezeichneten Sicherheitsprofil ist CDP-Cholin in Deutschland als ergänzend bilanzierte Diät zugelassen und kann bei einer Bioverfügbarkeit von nahezu 100 % oral verabreicht werden.

 

Reduktion des klinisch-neurologischen Defizits

Zahlreiche präklinische Studien, die den strengen Anforderungen der STAIR- (Stroke Therapy Academic Industry Roundtable) Kriterien entsprechen, konnten u.a. eine dosisabhängige, signifikante Reduktion des Infarktvolumens sowie eine höhere Zahl intakter Neurone, verbunden mit besserer funktioneller Leistungsfähigkeit nachweisen.1 Auch in klinischen Studien zeigte sich eine deutliche Reduktion des Infarktvolumens, die mit einem verbesserten neurologischen Outcome korrelierte.2

 

Der klinische Nutzen von CDP-Cholin wurde bisher an über 11.000 Patienten untersucht. In einer formalen Metaanalyse von sieben placebo-kontrollierten Studien zum ischämischen Schlaganfall, die die gleichen strikten Ein- und Ausschlusskriterien und die gleichen validierten Outcome-Parameter (NIHSS, modifizierte Rankin-Skala, Barthel-Index) aufwiesen, zeigte sich ein deutlicher Therapieeffekt: Die Wahrscheinlichkeit für die Vermeidung von Mortalität bzw. Behinderung im Langzeit-Follow-up fiel gegenüber Plazebo (n = 844) signifikant zum Vorteil der CDP-Cholin-Gruppen (n = 1.119) aus (Odds Ratio: 0,64, p<0,00001).3

 

Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse einer gepoolten Metaanalyse von vier klinischen prospektiven randomisierten placebo-kontrollierten Doppelblindstudien, in der die Daten von insgesamt 1.372 Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall ausgewertet wurden4. Alle Teilnehmer wiesen einen NIHSS-Ausgangswert ≥ 8 und einen mRS-Wert ≤ 1 auf und wurden innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn randomisiert und mit 500, 1000 oder 2000 mg oralem CDP-Cholin oder Plazebo behandelt. Eine weitgehend vollständige Wiederherstellung zeigten nach drei Monaten 25,2 % der Patienten unter CDP-Cholin vs. 20,2 % unter Plazebo. Definiert wurde dieses Ergebnis als NIHSS-Wert ≤ 1, Barthel-Index ≥ 95 plus mRS-Wert ≤ 1. Der größte Effekt ergab sich für die mit 2.000 mg CDP-Cholin behandelten Patienten: von ihnen erreichten 27,7% den praktisch behinderungsfreien Zustand, verglichen mit 21,9 % der Plazebo-Patienten (Odds Ratio: 1,38; p= 0,0043).

 

Die Wirksamkeit von CDP-Cholin wird auch in der noch laufenden ICTUS-Studie (International Citicoline Trial on acute Stroke) untersucht. Hier sind 40 Prüfzentren mit einem hohen Anteil an schweren ischämischen Schlaganfällen involviert.

 

Für einen offenen Blick „über den Tellerrand“ hinweg auf unkonventionelle Ansätze in der Schlaganfalltherapie plädierte abschließend Prof. Martin Grond, Siegen. Grond erinnerte daran, dass viele Erfolgsgeschichten als Außenseitermethode begonnen haben. Aufgrund der sehr guten Sicherheitsdaten, des objektivierten therapeutischen Nutzens und einer positiven Kosten-Nutzen-Kalkulation stellt CDP-Cholin eine wichtige Ergänzung zu etablierten Therapien beim akuten Schlaganfall dar.

 

 

Literatur

 

  • Hurtado O et al., Neurobiol Dis 2007, 26:105-111
  • Warach S et al., Stroke 2002;33: 354
  • Saver JL et al, Stroke 2002, 33: 353
  • Dávalos A et al., Stroke 2002;33: 2850-2857

 

 


 

Quelle: „Neuroprotektion bei Schlaganfall – Traum oder Trauma“. Satellitensymposium im Rahmen der ANIM 2009 (26. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin), 22. Januar 2009, Leipzig. Unterstützt von Trommsdorff GmbH & Co KG Arzneimittel (Signum PR).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung