Ceplene®: Neue Kombination als Therapieoption bei AML

 

Berlin (1. Oktober 2010) – Mit Histamindihydrochlorid (Ceplene® Injektionslösung, MEDA Pharma, EpiCept) gibt es seit Mai 2010 das erste zugelassene Medikament zur Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML). Zum Einsatz kommt der Wirkstoff in Kombination mit Interleukin-2 (IL-2) während der ersten Remission. Empfohlen wird eine Dosis von zweimal täglich 0,5 mg Histamindihydrochlorid plus sehr niedrig dosiertes IL-2 subkutan über zehn Zyklen1. Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden.

 

Die AML ist eine seltene Erkrankung mit einer Inzidenz von etwa drei Neuerkrankungen/100.000 im Jahr. In Deutschland treten etwa 3.600 Neuerkrankungen pro Jahr auf. Die AML macht etwa 80 % aller akuten Leukämien bei Erwachsenen aus. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen2.

 

Die akute myeloische Leukämie entsteht durch eine bösartige Veränderung der Vorläuferzellen der Granulozyten und Monozyten. Die Reifung zu funktionstüchtigen Granulozyten oder Monozyten ist unterbrochen. Die Kombination von Histamindihydrochlorid und IL-2 hat das Ziel, die immunvermittelte Zerstörung restlicher myeloischer Leukämiezellen zu induzieren und dadurch ein Rezidiv der Leukämie zu verhindern. Dabei hat Histamindihydrochlorid die Aufgabe, Lymphozyten zu schützen, und zwar insbesondere NK-Zellen und T-Zellen, die für die immunvermittelte Zerstörung restlicher Leukämiezellen verantwortlich sind. IL-2 hat die Aufgabe, die Funktionen von NK-Zellen und T-Zellen zu fördern, indem es die antileukämischen Eigenschaften dieser Zellen aktiviert und diese Zellpopulationen durch Induktion der Zellzyklusproliferation verbreitet.

 

Die gleichzeitige Gabe der beiden Substanzen soll somit die antileukämischen Funktionen von NK-Zellen und T-Zellen optimieren. Eine randomisierte Phase 3-Studie3 verglich die Behandlung mit Histamindihydrochlorid plus IL-2 mit keiner Behandlung bei 261 Patienten in erster Remission (CR1) und bei weiteren 59 Patienten in erneuter Remission nach Rezidiv. Bei den CR1-Patienten stieg die mediane Dauer des leukämiefreien Überlebens von 291 Tagen auf 450 Tage nach Behandlung mit der Zweierkombination gegenüber keiner Behandlung. Die Anzahl der CR1-Patienten, die drei Jahre lang leukämiefrei bleiben, betrug 40 Prozent nach Behandlung mit den beiden Substanzen gegenüber 26 Prozent bei Patienten, die diese Behandlung nicht erhielten. Bei Patienten ab der zweiten Remissionsphase war die Kombination aus Histamindihydrochlorid und IL-2 dagegen nicht wirksam. ”Diese Ergebnisse aus einer randomisierten Phase III Studie geben Hinweise darauf, dass eine Kombinationstherapie aus Histamindihydrochlorid und Interleukin-2 bei Patienten mit AML, die nicht für eine allogene Stammzelltransplantation in Frage kommen, das krankheitsfreie Überleben signifikant verlängern kann”, so Prof. Dr.Wolf-K. Hofmann, Mannheim. Die Kombinationstherapie von Histamindihydrochlorid und Interleukin 2 wird der Erhaltungtherapie der AML einen neuen Stellenwert geben.

 

 

Über Ceplene®

 

Ceplene® (Histamindihydrochlorid) ist ein innovativer Therapieansatz zur Behandlung als Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit akuter myeloischer Leukämie (AML) in Kombination mit Interleukin-2.

 

Der Wirkstoff von Ceplene®, Histamindihydrochlorid, ist ein Immunmodulator, d.h., er verändert die Aktivität des Immunsystems. Histamin ist eine im Körper natürlich vorkommende Substanz, die an vielen Prozessen beteiligt ist. Es wird angenommen, dass sie die Zellen des Immunsystems bei der Behandlung von AML vor Schädigungen schützt. Dadurch verbessert sich die Wirksamkeit von Interleukin-2, welches das Immunsystem dazu veranlasst, kanzeröse Zellen anzugreifen. Die gemeinsame Anwendung von Ceplene® und Interleukin-2 hilft dem Immunsystem dabei, die Leukämiezellen zu vernichten, die während der Remission im Körper verbleiben. Dadurch kann das erneute Auftreten der AML aufgehalten werden.

 

Die Ceplene-Erhaltungstherapie ist nach Abschluss der Konsolidierungstherapie bei Patienten, die gleichzeitig mit IL-2behandelt werden, unter Aufsicht eines in der Behandlung akuter myeloischer Leukämie erfahrenen Arztes anzuwenden. Ceplene und IL-2 werden für 10 Behandlungszyklen gegeben: jeder Zyklus besteht aus einer Behandlungsphase von 21 Tagen (3 Wochen), an die sich eine dreiwöchige oder sechswöchige behandlungsfreie Phase anschließt.

 

Für die Zyklen 1–3 besteht jeder Zyklus aus 3 Wochen Behandlung, an die sich eine 3- wöchige behandlungsfreie Phase anschließt. Für die Zyklen 4–10 besteht jeder Zyklus aus 3 Wochen Behandlung, an die sich eine 6-wöchige behandlungsfreie Phase anschließt.

 

 

Literatur

 

  1. Fachinformation Ceplene 0,5 mg, Stand: Oktober 2008
  2. SEER incidence rates, age adjusted and age-specific rates (1995 – 1999)
  3. Brune, et al., BLOOD 2008, Volume 1: 89-96

 

 

Download

 

Broschüre zum Symposium mit Abstracts der Vorträge: symposiums_broschuere.pdf symposiums_broschuere.pdf (256.50 KB)

 

 


Quelle: Symposium der Firma Meda Pharma zum Thema „Reducing the Risk of Relaps in AML“ am 01.10.2010 in Berlin anlässlich des DGHO-Kongresses 2010 (Robert Kamm) (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung