Chirurgenkongress 2011

DGCH will Zahl der chirurgischen Infektionen in fünf Jahren halbieren

 

München (3. Mai 2011) – Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) setzt sich dafür ein, die Zahl chirurgisch bedingter Infektionen innerhalb von fünf Jahren um die Hälfte zu senken. Um dies zu erreichen, definierte die DGCH heute auf ihrem 128. Kongress gemeinsam mit den zehn chirurgischen Fachgesellschaften Forderungen wie verbesserte Hygiene, angemessenen Einsatz von Antibiotika und intensivierte Forschung. Dies ist das Ergebnis des heutigen Thementages „Chirurgische Infektionen“. Bis zum 6. Mai 2011 veranstaltet die DGCH auf ihrem Kongress täglich Thementage zu drängenden chirurgischen Anliegen.

 

Chirurgische Patienten in Krankenhäusern sind doppelt so häufig von Infektionen betroffen, wie andere Patienten. Infekte an Operationswunden bilden dabei die dritthäufigste Ursache. Meist gelangen Keime von außen über die Haut in die Wunde. „Nosokomiale Infektionen sind ein immenses Problem, dem wir mit größter Disziplin in der Hygiene begegnen müssen“, betont Professor Dr. med. Axel Haverich, Kongresspräsident und Präsident der DGCH aus Hannover, als Fazit des heutigem Thementages. Allein die Umsetzung existierender Hygienevorschriften – wie Desinfektion der Hände – bringe hier viel.

 

Dass bessere Hygiene vor Krankenhausinfektionen schützt, zeigen die Nachbarländer: Schweiz, Niederlande und die skandinavischen Länder bleiben seit Jahren mit weniger als einem Prozent Durchseuchung der Kliniken mit Hospitalkeimen auf konstant niedrigem Niveau. Deutschland liegt mit etwa fünf bis zehn Prozent deutlich darüber. In Griechenland, Italien und der Türkei dagegen sind sogar bis zu 30 Prozent der Patienten betroffen.

 

Krankenhauskeime sind gegenüber Medikamenten sehr widerstandsfähig. „Dies ist vor allem einer zu liberalen Praxis in der Vergabe von Antibiotika geschuldet", bemängelt Professor Haverich. Langjährige großzügige Vergabe von Breitbandantibiotika lässt die Keime unempfindlich werden. Gegen diese multiresistenten Keime schlagen Medikamente kaum noch an. Dies gilt umso mehr in Ländern, in denen Antibiotika frei verkäuflich sind. Wichtig sei deshalb zwar auch die Erforschung neuer Antibiotika – die lange Jahre seitens der Industrie brach lag. „Vor allem jedoch benötigen wir in der Antibiotikaforschung die Unterstützung aus Politik und Gesundheitswesen“, fordert Haverich. Implantate mit infektabwehrenden Oberflächen etwa könnten helfen, Infekte an Kunstgelenken zu verhindern. Dies erspart vielen Patienten unnötiges Leid und senkt zudem die Folgekosten.

 

Die DGCH macht es sich zur Aufgabe, in allen chirurgischen Fächern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika umzusetzen. Zudem engagiert sich die Fachgesellschaft dafür, dass OP-Teams Hygienestandards strikt einhalten. Hygienefachkräfte in den chirurgischen Kliniken sollen dies zukünftig unterstützen. Darüber hinaus fordert die DGCH intensivere Forschung zu chirurgischen Infektionen. Eine besondere Rolle spielen hierbei, Beschichtungen von Implantatoberflächen.

 

Die Fachgesellschaft begrüßt zudem ausdrücklich das neue Infektionsschutzgesetzes. Dessen Vorgaben für eine verbesserte Hygiene in Kliniken warten nun darauf, in die Praxis umgesetzt zu werden. „Noch bevor das Gesetz greift, wollen wir Chirurgen – gemeinsam und über alle chirurgischen Fächer hinweg – das Problem von uns aus aktiv angreifen“, sagt Professor Haverich. Ziel müsse es zudem sein, hierfür eine bundesweite Lösung zu finden. Einen möglichen ersten Schritt sieht er in der Gründung einer adhoc-Kommission. Auf diese Weise könnten Chirurgen gemeinsam mit Hygienefachleuten und Mikrobiologen schnell die nötigen Abläufe flächendeckend in die Kliniken hineinbringen.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), 03.05.2011 (tB).

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