Chronische Hepatitis B

Frühe Diagnose und rechtzeitige Therapie kann Leberkrebs verhindern

 

Hannover (2. Dezember 2009) – Leberzirrhose und Leberkrebs sind ver­antwortlich für einen von vierzig Todesfällen weltweit. Eine der Hauptursachen dieser Lebererkrankungen – die chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) – war am 2. Dezember 2009 Schwerpunkt eines Klinikworkshops der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Wird die Vermehrung der Hepatitis-B-Viren dauerhaft virologisch kontrolliert, kann sich die Leber jedoch histologisch regenerieren. Und mit heutigen antiviralen Medikamenten wie u. a. Tenofovirdisoproxil als Fumarat (Viread®) ist es möglich, die Viruslast bei mehr als 90 % der Patienten mit chronischer Hepatitis B dauerhaft unter die Nachweisgrenze zu senken.

 

In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 500.000 Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Virus (HBV) Infektion, davon sind nur 90.000 diagnostiziert und nur 11.000 behandelt.1 Bei vielen der bisher nicht diagnostizierten Menschen mit chronischer HBV-Infektion besteht nach den Worten von Dr. Markus Cornberg, MHH, das Risiko einer fortschreitenden Leberentzündung, die je nach Entzündungsgrad im Verlauf von einigen Jahren oder Jahrzehnten zur Leberzirrhose und zum hepatozellulären Leber­karzinom (HCC) führen kann. Bei einer chronischen HBV kann sich jedoch anders als bei der chronischen Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion ein HCC auch ohne das Zwischenstadium der Zirrhose bilden.

 

 

Patienten möglichst früh diagnostizieren

 

„Wir haben zwar gute Behandlungsoptionen für die chronische HBV-Infektion, aber die Patienten werden noch zu häufig nicht diagnostiziert“, hob Cornberg hervor und betonte, dass die Messung des HBs-Antigens einfach und budgetneutral sei. Diese Bestimmung sollte immer erfolgen unter anderem bei Personen mit erhöhten Leberwerten oder klinischen Symptomen einer Hepatitis, bei Patienten mit Leberzirrhose und HCC, bei Menschen aus Hochendemiegebieten und bei aktiven und ehemaligen i. V.-Drogenkonsumenten.2 Um rechtzeitig eine Leberschädigung zu entdecken, sollte Cornberg zufolge unbedingt die Messung der Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT) in den Check-up 35 aufgenommen werden.

 

 

Wirksame Langzeittherapie mit Tenofovir

 

Anders als bei der HCV seien die Hepatitis B-Viren zwar nicht vollständig eradizierbar, aber in den meisten Fällen gut kontrollierbar, betonte Cornberg, und eine antivirale HBV-Therapie sei auch eine „Therapie gegen Krebs“. So entwickelten nach fünf Jahren 9% der antiviral behandelten und 28% der unbehandelten Patienten mit chronischer HBV ein HCC (p=0,036).3 Als Beispiel einer effektiven Langzeittherapie stellte Cornberg die Behandlung von HBsAg-posi­tiven Patienten mit dem Nukleotidanalogon Tenofovir anhand einer aktuellen Auswertung der laufenden Studie 103 vor.4 Nach 144 Wochen hatten in der On-Treatment-Analyse nach wie vor 95% der Patienten, die kontinuierlich Tenofovir erhielten, eine Viruslast von <400 HBV-DNA-Kopien/ml; von den Patienten, die nach einem Jahr Adefovir auf Tenofovir umgestellt wurden, hatten nach 144 Wochen 91% eine Viruslast von <400 HBV-DNA-Kopien/ml. Bei 8% der Studienpatienten kam es in diesem Zeitraum zum Verlust des HBs-Anti­gens und bei 5% zu einer HBsAg-Serokonversion – eine Bestätigung für die dauerhafte immunologische Kontrolle des HB-Virus. Diese antivirale Therapie ist mit einer Tablette täglich einfach einzunehmen und ruft kaum Nebenwirkungen hervor, so Cornberg. Neben Tenofovir gibt es weitere effektive direkt antivirale Medikamente, aber auch noch die Möglichkeit eine immunmodulatorische Interferontherapie durchzuführen. Welcher Patient mit welcher Therapiemöglichkeit behandelt werden sollte, wird in den Leitlinien abgebildet.2

 

 

Forschung im Verbund: Klinik, Leberstiftung und Patienten

 

Auch wenn Leberkrankungen mittlerweile mit einem guten Screening, neuen endoskopischen Methoden und Medikamenten gut behandelbar und teilweise heilbar seien, gebe es noch Potenzial zur Verbesserung, sagte Prof. Michael Manns, Leiter der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. An der MHH laufen zur Zeit 26 Studien der Phase II bis Phase IV zu neuen Therapieoptionen und zur Therapieoptimierung bei Virushepatitiden, die aus Drittmitteln, Forschungsgeldern sowie mit Unterstützung der pharmazeutischen Industrie finanziert werden.

 

Ein wichtiger Partner bei der Erforschung der Lebererkrankungen ist die Deutsche Leberstiftung, in der Universitäten, Fachgesellschaften und Patientenorganisationen im Stiftungsrat bzw. Kuratorium Mitglied sind. Bianka Wiebner, Geschäftsführerin der Deutschen Leberstiftung, stellte die Ziele der deutschen Leberstiftung vor: Förderung der Wissenschaft und Forschung, der Bildung und Aufklärung sowie der öffentlichen Gesundheitspflege auf dem Gebiet der Lebererkrankungen.

 

Egbert Trowe, Mitglied im Vorstand Lebertransplantierte Deutschland e. V., erinnerte daran, dass mit der Behandlung der Lebererkrankung hohe Anforderungen an den Patienten gestellt werden: Neben dem Umgang mit der Erkrankung, muss die Therapie oft ein Leben lang fortgeführt werden, auch wenn keine subjektiven Beschwerden vorhanden sind. Nach den Erfahrungen von Trowe ist der Zulauf zu den Patientenorganisationen umso größer, je differenzierter die Diagnose und Therapie der Erkrankung ist.

 

 

Quellen

 

  1. Robert-Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 20/2009
  2. Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselstörungen 2007; Leitlinie 021/011; http://leitlinien.net/
  3. Taura N et al. AASLD 2008; Abstract 895
  4. Heathcote E et al. AASLD 2009; Abstract 483

 

 

Quelle: Klinikworkshop „Hepatitis B“ der Firma Gilead am 02.12.2009 in Hannover (3K-Agentur für Kommunikation) (tB).

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