Depression: Die schmerzliche Wahrheit

„Grenzen durchbrechen!“ − Aufruf zum Handeln

 

Amsterdam, Niederlande (24. Oktober 2005) – Die vollständige Remission einer Depression bleibt das Ziel aller therapeutischen Bemühungen, so die einhellige Meinung bei zwei Pressekonferenzen anlässlich des 18. ECNP-Kongresses (European College of Neuropsychopharmacology). Doch leider würden derzeit nur weniger als 25 % der depressiven Patienten adäquat behandelt und obwohl 70 % der Patienten auf eine antidepressive Therapie ansprächen, würden nur 35 % aller Patienten eine Remission erreichen, und verbleibende Symptome immer die Möglichkeit eines Rückfalls beinhalten.

 

Gleichzeitig betonten die Referenten, dass eine Depression sowohl von emotionalen als auch von körperlichen Symptomen getragen wird und Patienten ursprünglich oft mit rein somatischen Beschwerden in die Arztpraxis kommen. Häufige körperliche Beschwerden, die im Zusammenhang mit einer Depression auftreten, sind Kopfschmerzen, Rücken-, Muskel-, Brust- und Magenschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit und Mangel an Energie, Schwindel sowie Schwächegefühl. Eine Erhebung aus dem Jahr 2005 im Auftrag der WFMH (World Federation for Mental Health) zeigte, dass eine große Zahl von depressiven Patienten an chronischen Schmerzen leidet, viele aber keinen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und einer Depression erkennen und deshalb auch erst mit großer Verzögerung professionelle Hilfe aufsuchen.

 

Diese körperlichen Symptome werden von Nervenärzten mittlerweile immer öfter als Komponente einer Depression anerkannt. Zudem sind sich die Experten heute einig, dass auch geringfügigere körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit einer Depression effektiv behandelt werden müssen, um Rückfälle zu vermeiden. Dennoch lassen auch die Diagnosen zu wünschen übrig, da viele Ärzte chronische Schmerzpatienten nicht auf eine Depression hin untersuchen. Nicht diagnostizierte und nicht behandelte Depressionen führen jedoch dazu, dass die Patienten still vor sich hin leiden, es in der Familie zu Belastungen kommt, die Produktivität im Berufsleben leidet und das Gesundheitssystem durch häufige Arztbesuche belastet wird, wie Amelia Mustapha, Vizepräsidentin der European Depression Association und Direktorin der UK Mental Health Foundation, ausführte. Eine traurige Erkenntnis der Experten beim Amsterdamer Treffen war auch die Tatsache, dass Depressionen bei älteren Menschen zwar häufig vorkommen, aber meist suboptimal therapiert werden, obwohl Antidepressiva gerade hier effektiv wären und auch die mit einer Depression assoziierten kognitiven Störungen positiv beeinflussen würden. Die Gründe für die Unterversorgung liegen jedoch zum Teil bei den Patienten selbst, die ihre Beschwerden meist als altersbedingt hinnehmen und ihre Depression nicht als behandelbare Krankheit erkennen oder sich auch schämen ihre Symptome ihren Ärzten mitzuteilen und diese bagatellisieren.

 

Wissenslücken & Stigmatisierung

Um die derzeit noch enormen Wissenslücken bei Patienten, Ärzten und Medizinstudenten zu schließen, hat die WFMH zusammen mit führenden Psychiatern und Gesundheitsexperten zeitgleich mit dem ECNP-Kongress im Oktober 2005 die internationale Aktion „Breaking Through Barriers“ vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine internationale Aufklärungskampagne mit Aktivitäten, die das Leben von weltweit 121 Millionen Menschen, die an Depressionen leiden, wieder lebenswert machen soll. „Ziel dieser Initiative ist es, den weltweiten Standard bei der Diagnose und Behandlung zu verbessern, und gleichzeitig das mit Depressionen verbundene Stigma zu senken", sagte Patt Franciosi, ehemalige Präsidentin der WFMH. Neben der Erstellung von Informationsmaterial für Mediziner soll auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert werden, damit mehr depressive Personen eine bestmögliche Versorgung erhalten.

 

Dualer Wirkmechanismus von Cymbalta®

Studienergebnisse zeigten, dass die Therapie von Depressionen am erfolgreichsten ist, wenn das volle Spektrum an emotionalen und körperlichen Symptomen behandelt wird. Das Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®) zeigte im Vergleich zu Placebo schnelle und signifikante Verbesserungen sowohl bei psychischen als auch bei somatischen Symptomen. Der selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) verbesserte zudem die kognitiven Funktionen von Depressiven im höheren Lebensalter. Moderne Antidepressiva wie Duloxetin, die sowohl die Wiederaufnahme von Serotonin als auch von Noradrenalin blockieren, haben daher vermutlich eine bessere Chance als andere Mittel, die körperlichen Beschwerden zu eliminieren und eine vollständige Remission herbeizuführen.


Quelle: Pressemitteilung der Firmen Boehringer Ingelheim und Eli Lilly vom 24.10.2005 (Fuhrmann und Schütz) (tB).

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