Deutlich höhere Überlebensrate nach Bypass-Operationen im Vergleich zur Stent-Implantation

Studie liefert Nachweis für sofortigen Handlungsbedarf bei Behandlung der koronaren Herzerkrankung in Deutschland

 

Berlin (14. Oktober 2011) – Erst in der vergangenen Woche hatte der aktuelle Herzbericht es dokumentiert: Verengte Herzkranzgefäße werden öfter durch die Gefäßaufweitung mit Einsetzen eines Metallröhrchens (Stent) behandelt. Die Stent-Implantation an Herzkranzgefäßen wurde im Jahr 2010 in Deutschland 325.872 Mal durchgeführt, was eine fünfprozentige Zunahme gegenüber 2009 darstellt. Die „Koronare Bypass-Operation“ hingegen, bei der das verengte oder verschlossene Gefäß operativ mit einer neuen Gefäßbrücke versorgt wird, wurde in 2010 nur in 55.993 Fällen durchgeführt.

 

Dass dieser Trend zur vermeintlich schonenderen Stentimplantation längerfristig gesehen für die Patienten mit erheblichen Nachteilen einhergeht, zeigen die 4-Jahres-Ergebnisse der weltweit größten vergleichenden Studie zwischen den beiden Behandlungsformen. Die Studie wurde in der vergangenen Woche auf dem jährlichen Kongress der europäischen Herzchirurgen in Lissabon vom Studienleiter, dem niederländischen Kardiologen Professor Patrick Serruys, erstmals vorgestellt. Danach sollten Patienten mit mittleren und schweren Herzkranzgefäßerkrankungen die Bypass-Operation der Stentimplantation vorziehen, da sie die klar bessere Alternative mit Blick auf das Überleben des Eingriffs und das erkrankungsfreie Leben nach dem Eingriff ist.

Die Ergebnisse der internationalen Studie „Synergie between PCI with taxus and Cardiac Surgery“ (Syntax) auf Basis von rund 1.800 Patienten dokumentieren, dass die koronare Bypass-Operation den medikamentenbeschichteten Stents hinsichtlich der Sterblichkeit, der Häufigkeit eines nachfolgenden Herzinfarkts und der Notwendigkeit eines wiederholten Eingriffs deutlich überlegen ist. Während vier Jahre nach dem Eingriff mehr als 91 Prozent der Bypass-Patienten leben, sind zu diesem Zeitpunkt fast 12 Prozent der mit einem Stent behandelten Patienten verstorben. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei der Lebensqualität. So sind nach Stentimplantationen mehr als doppelt so oft erneute Eingriffe als nach einer Bypass-Operation notwendig (23,9 % vs. 11,9 %) und die Rate der Herzinfarkte nach einer Stentimplantation ist mit 8,3 Prozent deutlich höher als die nach einer Bypass-Operation mit 3,8 Prozent.

“Auf die Zahlen des Herzberichtes übertragen heißt dies, dass in Deutschland zum Nachteil der Patienten zu häufig die Entscheidung für einen Stent statt für die Bypass-Operation getroffen wird“, kommentierte Professor Friedrich Wilhelm Mohr, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), die aktuellen Studienergebnisse. „Bei differenzierter Bewertung der vorliegenden Studienerkenntnisse finden sich für Patienten mit wenig komplexer Verengung der Herzkranzgefäße vergleichbare Ergebnisse für die die koronare Bypass-Operation und die Stentimplantation, so dass beide Verfahren hierfür geeignet sind. Dagegen ist für Patienten mit komplexen Erkrankungsformen wie der Verengung aller Herzkranzgefäße die Todesfallrate vier Jahre nach Stentimplantation dreimal so hoch wie die nach einer koronaren Bypassoperation, so dass bei diesen Patienten die Bypassoperation deutlich vorteilhafter ist. Die aktuellen Ergebnisse der Syntax-Studie bekräftigen damit eindrucksvoll die Festlegungen der `Nationalen Versorgungsleitlinie chronische KHK´ zur Behandlung von Patienten mit koronarer Herzerkrankung, die gemeinsam mit den Fachgesellschaften von Herzchirurgen und Kardiologen bereits im Jahr 2006 herausgegeben wurde. Zum Wohle der Patienten sind Kardiologen und Herzchirurgen aufgefordert, diese Leitlinie deutlich konsequenter als bisher in der Praxis anzuwenden.“

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der rund 950 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V., 14.10.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung